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Mit Helm aufs Eis – nicht cool genug?

Eisbahn Rathausplatz Mit Helm aufs Eis – nicht cool genug?

Ende November herrschte an vielen Vormittagen gähnende Leere auf der Eisbahn. Wo sonst Schulklassen auf dem gefrorenen Wasser kurvten, zogen nur vereinzelt Läufer ihre Bahnen. Eine vom Bildungsministerium veranlasste Schüler-Helmpflicht hatte die verantwortlichen Lehrer offenbar abgeschreckt.

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Der Betreiber hat reagiert: Florian Sindt und Mareike Richelsen können Schulklassen nun auch Helme zur Verfügung stellen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Das Ministerium hatte es mit dem Schriftstück zur Pflicht gemacht, Helm und Handschuhe auf dem Eis zu tragen. Der Betreiber hat daraufhin sofort Helme gekauft, die seit vergangener Woche zur Verfügung stehen.

„Es gab Anfragen von Eltern bezüglich der Sicherheit auf dem Eis“, sagte Thomas Schunck, Sprecher des Bildungsministeriums. Daraufhin habe sich die Schulaufsicht für alle Schularten zusammengesetzt und Hinweise verfasst, die für Eislaufveranstaltungen gelten, die nicht im Unterricht stattfinden. Sie seien bindend für alle Lehrkräfte und mit der Unfallkasse abgestimmt, so Schunck: Demnach ist das Tragen von Helm und Handschuhen Pflicht; empfehlenswert ist, Knie-, Ellenbogen- und Handgelenkschoner anzulegen. „Das sind keine neuen Regelungen. Sie orientieren sich an dem Ratgeber ,Lernen an anderem Ort’. Es war notwendig, saisonal bedingt auf die Regeln hinzuweisen“, erklärte der Sprecher.

Erhöhtes Gefahrenpotential beim Schlittschuhlaufen

Das Schriftstück hat das Bildungsministerium zusammen mit der Unfallkasse Nord herausgegeben. Darin werden zwar explizit keine Hinweise zur Ausrüstung beim Eislaufen gegeben. Doch zu sportlichen Aktivitäten mit erhöhtem Gefahrenpotenzial gibt es Vorschriften. Zum Beispiel zum Skateboarden und Inlineskating, eng verwandt mit Schlittschuhlaufen: Beim Ausüben dieser Sportarten sollen Schüler und Lehrer Knie-, Hand- und Ellenbogenschoner sowie Kopfschutz tragen. Außerdem muss die Lehrkraft oder eine hinzugezogene Fachkraft über methodische, sicherheitstechnische und verkehrserzieherische Kenntnisse verfügen.

Einzelne Lehrer, die namentlich nicht genannt werden möchten, reagierten irritiert auf die spontane Anweisung. Nachdem der Hinweis die Schulen erreicht hatte, wurde intern darüber diskutiert und vorausgesehen, dass die Eisbahn zumindest vormittags leerer sein würde. Sportlehrer sprachen sogar von einer Posse, dass wegen der Verletzungsgefahr bei derartigen Veranstaltungen Helm und Handschuhe getragen werden müssten, die Schüler aber im Sportunterricht bei Ballspielen oder Geräteturnen nicht geschützt seien. Eine Lehrerin hat am Mittwoch auf der Eisbahn die Helmpflicht bei ihren Schülern nicht durchgesetzt. Sie halte nichts davon, und außerdem wären ihre Schüler dann wahrscheinlich auch nicht mitgekommen.

Mehr als zehn Klassen sagten ab

Jedenfalls hat der Betreiber Interevent umgehend reagiert und 100 Helme gekauft, die er gegen eine Schutzgebühr von einem Euro verleiht. „Das war notwendig, denn mehr als zehn Klassen haben wegen des Erlasses abgesagt. Somit haben wir über 1000 Euro weniger Umsatz gemacht“, sagte Mareike Richelsen. Sie weise die Lehrer jetzt auf Helm- und Handschuhpflicht hin, könne die Regelung aber nicht durchsetzen.

Kiel Marketing als Organisator hat an diesen Tagen auch weniger Besucher registriert. „Die Helm- und Handschuhpflicht für die Schüler war einigen Klassenlehrern wohl zu kompliziert“, sagte Eva Zeiske. Insgesamt sei man aber zufrieden mit dem bisherigen Verlauf. Viele Unternehmen hätten Termine für Weihnachtsfeiern gebucht. Allerdings könnten sich noch Teams zum freien Spiel oder zum Eisstock-Masters im Januar anmelden. Die Stadtwerke als Hauptsponsor begrüßen die Anordnung des Bildungsministeriums: „Bei unseren Aktivitäten soll es ein Maximum an Sicherheit geben. Die Helmpflicht ist daher gleichbedeutend mit der Schwimmweste beim Segeln in unserem Camp 24/7“, sagt Stadtwerkesprecher Sönke Schuster.

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Ein Artikel von
Günter Schellhase
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