2 ° / -1 ° wolkig

Navigation:
Nach 65 Jahren Ehe noch verliebt wie am ersten Tag

Eiserne Hochzeit Nach 65 Jahren Ehe noch verliebt wie am ersten Tag

Vor allem ihre Herkunft haben Klaus Marquardt (88) und Hildegard Marquardt, geborene Ziesemer (86), die am heutigen Donnerstag eiserne Hochzeit feiern, gemeinsam: Beide kamen in ihrer Jugend als Flüchtlinge aus Pommern nach Kiel.

Voriger Artikel
Grünen-Basis segnet Ausstieg ab
Nächster Artikel
Unfälle bei Geisterfahrt auf der B76 in Kiel?

Seit einem halben Jahr wohnen Hildegard (86) und Klaus Marquardt (88) im Altenzentrum St. Nicolai.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Er kam aus Swinemünde, „vom schönsten Strand der Ostsee“, sie aus Belgard, dem heutigen Białogarda. Die Neuankömmlinge lebten damals im Flüchtlingslager in der Wik, wo Klaus und Hildegard sich bei Tanzveranstaltungen 1948 zunächst beschnuppert haben. „Ich hab’ dort Musik gemacht mit meinem Quatschkasten. Da sind die Leute durch die Baracken getanzt, so haben die sich gefreut.“ Liebe auf den ersten Blick sei das nicht gewesen, stellt Hildegard Marquardt klar: „Meine Freundin Lotti war in ihn verliebt, ich zuerst mal gar nicht so. Das kam dann beim Tanzen.“ Und so knisterte es auch erst an Silvester 1948/49 zwischen den beiden, bei Tango und rotem Licht in den Wiker „Alhambraterrassen“. Seitdem sind die beiden unzertrennlich.

Hochzeit am 2. Februar 1952

 Rund drei Jahre später, am 2. Februar 1952, läuteten die Hochzeitsglocken. Damals fuhren die Marquardts unter widrigsten Winterbedingungen mit dem Taxi zum Standesamt. Anschließend bekam das junge Paar in der Petruskirche auch den kirchlichen Segen. Eine sehr schöne Hochzeit sei das gewesen, trotz vieler Entbehrungen zu jener Zeit. Von nun an bewohnten sie ein gemeinsames Zimmer im Flüchtlingslager. Eine eigene Wohnung bekam die junge Familie, die damals schon zwei Kinder hatte, erst Mitte der 50er-Jahre. Die Post, für die Klaus Marquardt von1948 bis 1987 als Fernmeldehauptwart arbeitete, vermittelte ihnen zweieinhalb Zimmer in einem Neubau in der Schauenburgerstraße. Womöglich rührt es daher, dass Familie Marquardt gerne für sich ist: Ihre beste Zeit, das berichten beide, hatten sie dort, und ein wenig wehmütig erinnert sich Klaus Marquardt, wie es war, als die drei Kinder und später die ersten Enkel noch klein waren: „Die schönste Zeit war, als ich mit den Kindern noch sonnabends in den Schrevenpark gegangen bin – und zum Sport.“ Lange war er im Kieler Turnerbund Brunswik aktiv. Abgesehen von Hausfrau Hildegard, die nie viel für Sport übrig hatte, waren alle sportbegeistert, spielten vor allem Fußball, aber auch Handball.

Verliebt wie am ersten Tag

 Mittlerweile haben die Marquardts vier Enkel und drei Urenkel. In der Schauenburgerstraße wohnten sie bis vor einem halben Jahr, doch nachdem beide im Krankenhaus waren, ging es nicht mehr ohne Hilfe. Seitdem lebt das Paar im Altenzentrum St. Nicolai. Ebenso lange wie sich, halten die Marquardts auch den KN die Treue: „Seit Ende der 40er-Jahre haben wir die abonniert“, erinnert sich Klaus Marquardt, und seine Frau ergänzt: „Wir kriegen sie heute noch mit dem Frühstück serviert. Ohne unsere Kieler Nachrichten können wir gar nicht leben. Mein Mann war schon immer scharf auf die Sportseiten und mich interessiert eigentlich alles. Aber die Hauptsache ist das Rätsel, nach dem Frühstück muss ich das machen.“ Ihren 65-jährigen Hochzeitstag wollen die Marquardts eigentlich gar nicht feiern – und falls doch, dann nur im engsten Familienkreis: „Das überlassen wir unseren Kindern.“

Ihren Wunsch für die Zukunft fast eine sichtlich bewegte Hildegard Marquardt so zusammen: „Ich liebe meinen Mann noch wie am ersten Tag und wir möchten einfach nur glücklich und zufrieden zusammen leben. Und wenn einer gehen muss, wünsche ich mir, dass keiner allein zurückbleiben muss.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Isabelle Breitbach
Volontärin

Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3