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Stromer dürfen nicht zirpen

Elektro-Autos Stromer dürfen nicht zirpen

Man hört sie nicht, plötzlich sind sie da – und nicht selten springen Passanten dann verschreckt zur Seite: Immer mehr private Elektro- und Hybridfahrzeuge fahren still und leise auf Kiels Straßen.

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Nach der Übernahme der Firma StreetScooter ist DHL auch als Automobilbauer aktiv. Seit Dezember sind in Kiel die ersten Elektroautos unterwegs. Bis zu 100 neue Fahrzeuge sollen ab 2015 jährlich zur Flotte von Post und DHL kommen.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Jetzt setzen auch Unternehmen auf den umweltfreundlichen Antrieb. Die Post testet gerade in der Landeshauptstadt Zustellerwagen mit Elektroantrieb. Für Fußgänger, die es bislang gewohnt waren, nahende Autos am Geräusch zu erkennen, steigt mit den sogenannten Stromern die Unfallgefahr. Die Kieler Polizei hat noch keine Unfälle registriert, will aber genau beobachten, wie sich die lautlose Mobilität auf vier Rädern möglicherweise auf die Unfallstatistik auswirkt.

 Es ist ein Boom, aber auf niedrigem Niveau: Wurden 2013 noch 265 Wagen zugelassen, waren es im Folgejahr bereits 100 mehr. „Im vergangenen Jahr meldeten 434 Kieler ein E- oder Hybridwagen an. Seit Anfang dieses Jahres sind noch einmal sieben weitere hinzugekommen“, sagte Joachim Kläschen vom Presseamt der Stadt. Seit dem 1. Oktober können Fahrer eines Elektrowagens sogar ein E-Kennzeichen beantragen: „Davon haben bis jetzt 19 Kieler Gebrauch gemacht“, sagte Kläschen. Sie haben einen klaren Vorteil gegen über Diesel- und Benzinfahrern: Halter eines Kraftfahrzeuges mit einem CO2- Ausstoß bis zu 120 g/km können auf öffentlich gewidmeten und bewirtschafteten Parkplätzen zeitlich befristet vergünstigt oder kostenfrei parken. Sie müssen mit ihrem Fahrzeugschein zur städtischen Straßenverkehrsbehörde gehen, die ihnen die drei Jahre gültige Plakette für eine einmalige Gebühr von fünf Euro ausstellt.

 Ob E-Autos für die Brief-Zusteller in der Stadt eine Alternative zu den Verbrennungsmotoren sind, testet jetzt die Deutsche Post. Seit geraumer Zeit fahren einige Wagen des Unternehmens lautlos von Haus zu Haus. Die Unternehmenskommunikation wollte sich auf Anfrage bisher nicht dazu äußern, wie viele Wagen in der Landeshauptstadt unterwegs sind. Auch über erste Erfahrungen gab es von offizieller Stelle keine Antwort. Ein Sprecher sagte nur, dass die Post die umweltfreundlichen Wagen auf einem Termin bundesweit vorstellen will. Ein Kieler Zusteller darf offiziell nichts sagen. Nur so viel: Er sei sehr zufrieden mit seinem Dienstfahrzeug und käme mit voller Batterie gut durch den Tag. Aufgrund der geringeren Akkuleistung sei das Auto für Überlandtouren nicht geeignet, denn die Reichweite beträgt nur 100 Kilometer. Die Stadt Kiel hat seit Längerem einen Stromer. Jetzt können Mitarbeiter sogar die zwei E-Fahrzeuge von Stattauto für Dienstfahrten nutzen.

 Dass die E-Autos bis auf ein maximal leises Surren keine anderen Geräusche verursachen, wird bei Herstellern ernst genommen. Blindenverbände in den USA forderten schon 2008 ein Gesetz, um die Schleicher deutlicher hörbar zu machen. Das erscheint nahezu widersinnig, weil es ja die leiser werdenden Städte lauter machen würde. Aber zugeschalteter Krach für die stillen Fahrzeuge wird in vielen Ländern jetzt Gesetz. In Europa müssen ab 2019 alle neu zugelassenen Wagen mit Elektroantrieb ein Klangmobil mit Außenlautsprecher haben, damit Fußgänger und Radler sie deutlich wahrnehmen. Zwischen dem Anfahren und Tempo 20 müsste dann ein Geräusch erzeugt werden. Dazu gibt es eine neue EU-Richtlinie in der steht, wie sich die Stromer nicht anhören dürfen: Sie dürfen beispielsweise weder bellen, wie Glocken klingen oder zirpen.

 Unfälle mit den E-Autos werden bei der Kieler Polizei bisher nicht gesondert aufgenommen. „Es gibt aber auch keine Auffälligkeiten“, sagte Stefan Kalinowski vom Sachbereich Verkehr. Er will das Thema jetzt aber bei einem turnusmäßigen Treffen mit seinen Kollegen in den anderen Polizeidirektion besprechen.

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Günter Schellhase
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