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Elf Jahre Haft gefordert

Feuer in der Feldstraße Elf Jahre Haft gefordert

Im Prozess um die verheerende Brandstiftung im Mehrfamilienhaus an der Feldstraße vom Juni 2015 hat Staatsanwältin Kerstin Kuhlbrodt am Dienstag im Kieler Landgericht elf Jahre Freiheitsstrafe für den mutmaßlichen Drahtzieher (42) des versuchten Versicherungsbetruges gefordert.

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Der Imbissbesitzer sei der Drahtzieher des Feuers, bei dem am 29. Juni 2015 23 Menschen von der Feuerwehr gerettet wurden.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Der Betreiber des verschuldeten Döner-Imbisses habe während der zehn Verhandlungstage „keine Regung, keine Spur von Reue gezeigt“. Nicht einmal, als die bewegenden Aussagen der Brandopfer verlesen wurden, sagte die Staatsanwältin. „Aus reiner Profitgier“ mit Aussicht auf 31000 Euro von der Versicherung habe der Auftraggeber einen Großbrand verursacht und die 23 Bewohner konkreter Lebensgefahr ausgesetzt.

Nach der Tat habe der 42-Jährige zudem versucht, die Mittäter durch seine Cousins „mit Geld oder Gewalt zum Schweigen zu bringen“. Für seine von Anfang an geständigen Ex-Praktikanten, die sich nach eigenem Geständnis für je 1500 Euro zur Ausführung der Tat überreden ließen, plädierte die Staatsanwältin auf deutlich mildere Strafen.

Für einen 23-Jährigen, der die Tat sichtlich bereue und als Kronzeuge Anrecht auf eine Strafmilderung habe, forderte sie fünf Jahre wegen Brandstiftung im besonders schweren Fall. Für den heranwachsenden Mittäter (20) forderte sie dreieinhalb Jahre Jugendstrafe, die der Angeklagte für eine Ausbildung nutzen solle. Die beiden Ex-Mitarbeiter des verschuldeten Imbisses, die sich bei der Explosion des von ihnen gezündeten Benzin-Luftgemischs selbst verletzten, hätten schon ein bis zwei Tage nach der Tat umfassende und authentische Geständnisse abgelegt – ohne anwaltliche Beratung.

Ihre später vor Gericht vorgebrachten Einschränkungen sind nach Kuhlbrodts Überzeugung „unglaubhaft und ganz klar von ihren Verteidigern formuliert“. So hätten beide nachträglich behauptet, sie hätten „nur das Inventar anzünden“ und anschließend die Feuerwehr alarmieren wollen. Bei fünf bis zehn Litern verschüttetem Benzin hätten die beiden sehr wohl mit einem größeren Brand gerechnet, sagte Kuhlbrodt. Die Täter hätten zudem gewusst, dass nur eine Holztür das Imbisslokal vom Treppenhaus trennte.

Strafschärfend wertete die Staatsanwältin die einschneidenden Folgen des Großbrands: „23 Menschen haben ihr Obdach sowie ihr Hab und Gut verloren.“ Bis zu 45 Minuten lang hätten die Bewohner in jener Nacht wegen der schlechten Erreichbarkeit der rückwärtigen Balkone teilweise barfuß und notdürftig bekleidet in Rauchgas und Todesangst ausgeharrt, bis sie gerettet wurden. Todesfälle seien nur deshalb nicht zu beklagen, weil die Feuerwehr schnell vor Ort gewesen sei und die noch relativ jungen und beweglichen Bewohner besonnen reagierten.

Das Haus sei auf unabsehbare Zeit unbewohnbar, so die Staatsanwältin weiter. Noch immer sei unklar, ob es abgerissen werden müsse. Den Gebäudeschaden hatte eine Zeugin im Prozess auf 1,4 Millionen Euro beziffert. Dazu komme der Schaden an den dort geparkten Pkw. Die drei nicht oder nur geringfügig vorbestraften Angeklagten, so das Fazit der Anklage, müssten zivilrechtlich wohl ihr Leben lang Wiedergutmachung leisten. Am 29. Februar haben die Verteidiger das Wort.

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