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Kinderarmut bleibt drückendes Problem

Ellerbek/Wellingdorf Kinderarmut bleibt drückendes Problem

Die Stadt wächst: Immer mehr Menschen brauchen nicht nur eine Wohnung, sondern auch Arbeitsplätze, Bildung, Kultur, Einkaufsmöglichkeiten und Hilfe, wenn die eigenen Kräfte am Ende sind.

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28,8 Prozent der Ellerbeker und Wellingdorfer leben in Ein- oder Zweifamilienhäusern – hier die Große Ziegelstraße. In Kiel sind es insgesamt 21,1 Prozent.

Quelle: Karin Jordt

Ellerbek/Wellingdorf. „Ob die Gesellschaft als sozial gerecht erlebt wird, bemisst sich am Alltag der Menschen“, schreibt Stadtrat Gerwin Stöcken im Sozialbericht 2016. Auch der Ortsbeirat Ellerbek/Wellingdorf befasste sich in der jüngsten Sitzung mit dem Bericht.

Überdurchschnittlich große Kinderarmut

In Ellerbek und Wellingdorf sind die Menschen älter als im Kieler Durchschnitt, es gibt mehr Arbeitlose und auch der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund ist deutlich höher – eine Herausforderung für die Sozialplaner. Auffällig sind auch die gestiegenen Zahlen zur Kinderarmut: Fast vier von zehn Kindern im Ortsbeiratsbezirk sind auf Unterstützung angewiesen. Der Anteil der Sozialgeldberechtigten bei den Null- bis 15-Jährigen beträgt 39,2 Prozent; im gesamten Stadtgebiet sind es 30,4 Prozent. Im Bundesdurchschnitt liegt der Wert bei 15,4 Prozent. Damit gehört Kiel zu den Großstädten mit überdurchschnittlich großer Kinderarmut, vor allem in Gaarden, Mettenhof, Neumühlen-Dietrichsdorf, Ellerbek und Wellingdorf. Für betroffene Familien gehen die ständigen materiellen Engpässe oft auch einher mit fehlenden Bildungschancen, mehr Ängsten und einem negativen Selbstbild, wie das Kieler Netzwerk gegen Kinderarmut festgestellt hat.

Beim Thema Altersarmut sieht es in Ellerbek und Wellingdorf aber etwas besser aus als im stadtweiten Durchschnitt: 6,2 Prozent der über 65-Jährigen erhalten Grundsicherung im Alter, in Kiel insgesamt sind es 6,4 Prozent. Kiels Einwohnerzahl ist seit 2005 um 6,7 Prozent auf 246269 gestiegen, wobei sich die Ortsteile aber unterschiedlich entwickelt haben. Das Durchschnittsalter sinkt laut Bericht erstmals von 41,54 Jahre 1915 auf nunmehr 41,38 Jahre. In den geografischen Randbereichen werde Kiel jedoch älter, erläuterte Lutz Richter vom Referat des Stadtrats für Soziales, Gesundheit, Wohnen und Sport. In Ellerbek und Wellingdorf sei der Anteil der über 60-Jährigen deutlich höher als im gesamten Stadtgebiet, der Anteil der jungen Erwachsenen dagegen niedriger, berichtete Richter im Ortsbeirat. Im Alter seien Menschen weniger mobil. Auch das sei eine Herausforderung.

Angemessener Wohnraum fehlt

„Der Sozialbericht ist ein Streifzug durch die soziale Datenlandschaft und ein wertvolles Instrument zur Planung und zur Information“, sagte Richter. Schwerpunkt des Berichts ist das Thema Wohnen, denn mit der Zahl der Einwohner steigt auch die der Haushalte. Der Bedarf an Wohnraum nimmt zu, wobei der Trend zu kleineren Einheiten geht. Der Anteil an öffentlich geförderten Wohnungen beträgt in Ellerbek/Wellingdorf 8,5 und im gesamten Stadtgebiet 7 Prozent. 28,8 Prozent der Ellerbeker und Wellingdorfer leben in Ein- oder Zweifamilienhäusern, in Kiel insgesamt sind es 21,1 Prozent.

„Es kommt darauf an, alle Bevölkerungsgruppen mit angemessenem Wohnraum zu versorgen“, so Sozialdezernent Gerwin Stöcken, „das wird in erster Linie durch Wohnungsneubau gelingen.“ Ohne eine Intervention der kommunalpolitisch Verantwortlichen bestehe die Gefahr, dass es zu steigenden Mieten komme und Familien sowie Haushalte mit geringerem Einkommen aus den nachgefragten Stadtteilen verdrängt würden. „Eine sozial gerechte Stadt wird sich an dem messen lassen müssen, ob es gelingt, alle Menschen mit angemessenem bzw. bezahlbarem Wohnraum zu versorgen“, heißt es in der Schlussbetrachtung des Berichts.

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