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Plaudern statt offizielles Elterngespräch

Elterncafé Plaudern statt offizielles Elterngespräch

In der Grundschule am Göteborgring können sich Mütter seit sechs Jahren mit Lehrern ungezwungen austauschen. Die Erwachsenen treffen sich regelmäßig jeden Freitag zum Elterncafé in der Schule.

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Ins Gespräch vertieft (von links): Maren Fiebiger, Simona Evers, Schulsozialarbeiterin Simone Schickert, Golnaz Mardan, Bianca Liebing mit Sohn Jon Anakin (10) sowie Amal Al-Gahmi.

Quelle: Jennifer Ruske

Kiel. Der Kaffee dampft in der Kanne, die Brötchen liegen appetitlich in ihrem Korb. Käse und Wurst stehen auf dem Tisch, Marmelade und Eier auch. „Ja, wir haben alles“, überprüfen Simone Schickert und Julia Stark ein letztes Mal die lecker gedeckte Frühstückstafel in der Grundschule am Göteborgring. Die ist aber nicht etwa für die Kinder, sondern für deren Eltern gedacht. Seit rund sechs Jahren treffen sich die Erwachsenen regelmäßig jeden Freitag zum Elterncafé in der Schule.

Mit dem Klingeln zur Schulstunde trudeln auch die „Großen“ ein – und schnell füllt sich der Klassenraum, der den Eltern zur Verfügung steht. „Das Café ist sehr beliebt“, sagt Schulsozialarbeiterin Simone Schickert, die vor fünf Jahren die Organisation der gemütlichen Vormittagsrunde übernommen hat und von Julia Stark unterstützt wird. Bis zu 20 Mütter – „und hin und wieder auch Väter“ – kommen im Schnitt. „Wir haben die Kinder gerade zur Schule gebracht – und jetzt sind wir dran“, sagt Mona Gazzo, die aus dem Libanon stammt. Ihre Tochter Ajat (9) geht in die dritte Klasse. „Ich komme gern her, weil man in lockerer Runde viele Mütter, aber auch Lehrer trifft“, sagt sie.

Was heißt Tee auf Turkmenisch?

Heute komplettiert Lehrerin Inga Buchmeyer während einer Freistunde die Kaffeerunde und plaudert mit den Müttern über deren Kinder. „Rund um den Frühstückstisch redet es sich viel einfacher mit Lehrern, als bei einem offiziellen Elterngespräch“, finden Simona Evers und Maren Fiebiger. „Aber in der Regel klönen wir Mütter, trinken Kaffee, frühstücken und tauschen uns auf Deutsch, Türkisch, Arabisch und in anderen Sprachen aus“, sagt Yousra Ghazzo, die mit ihrem elf Monate alten Sohn Nour gekommen ist.

Ihre Schwester Mona Gazzo übersetzt das Gesagte einer neuen Mutter in deren Muttersprache. „Ich bin aus dem Jemen und erst seit zweieinhalb Jahren in Deutschland“, berichtet Amal Al-Gahmi, deren Tochter Alaa (8) in die zweite Klasse geht. Das Elterncafé hilft ihr, Kontakte zu knüpfen, dient allen aber zugleich als Informationsaustausch über Gepflogenheiten in Deutschland wie die Mülltrennung, das Schulsystem mit seinen Hausaufgaben und Prüfungen. Und nicht zuletzt ist es auch ein kleiner, spielerischer Sprachkursus, findet Nazli Mardan, die ihre Cousinen zur Schule gebracht und Zeit für einen Kaffee hat. „Sätze wie ‚Kannst Du mir bitte die Butter reichen‘ lernt man hier schnell“, findet sie.

Im Gegenzug bringen sich die Frauen so manche Vokabeln in ihren Sprachen bei. „Was Tee auf Turkmenisch heißt zum Beispiel“, sagt auch ihre Mutter Golnaz Mardan aus dem Irak und schenkt noch eine Tasse von dem schwarzen Tee ihrer Heimat ein. Bis 12 Uhr ist in der Schule Zeit für das gemeinsame Genießen. Und das nutzen die Frauen gern aus: „Wenn das Café nicht wäre, würden wir jetzt alle allein zu Hause sitzen, Essen kochen oder putzen“, sagt Mardan. „Da ist es hier doch viel gemütlicher.“

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