24 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
„Prinsesse“ auf letzter Fahrt

Abgewrackt „Prinsesse“ auf letzter Fahrt

Seit 1961 gibt es die Fährverbindung Kiel-Oslo. Sieben Fähren wurden seitdem für diese Linie gebaut. Es gibt ein Schiff, das bis heute alle Rekorde hält. Es ist die „Prinsesse Ragnhild“ (II). In wenigen Tagen wird das Schiff in Indien seine letzte Reise beenden.

Voriger Artikel
Was wünschen Sie den Flüchtlingen?
Nächster Artikel
Streit um Radfahrstreifen

Ab 1991 fuhr die „Prinsesse Ragnhild“ im Farbanstrich der Color Line. Ein Jahr später wurde sie um 35 Meter verlängert.

Quelle: Frank Behling

Kiel. „Das ist sehr schade. Sie war ein sehr schönes Schiff. Ich habe viele schöne Erinnerungen an die Zeit mit der ,Ragnhild’“, sagt Manfred Jansen. Der ehemalige Geschäftsführer der Reederei Color Line in Kiel hat bis zum Ruhestand 2009 fast 39 Jahre für die Linie gearbeitet. „Mit der ,Prinsesse Ragnhild’ sind wir damals ins Tagungsgeschäft eingestiegen“, erinnert sich Jansen.


 Als die „Prinsesse Ragnhild“ 1981 die Kieler Bauwerft verließ, fuhr sie noch unter der Flagge der Jahre Line des Reeders Anders Jahre. Er hatte die Linie gegründet. 1991 wurde aus dem Zusammenschluss der Jahre Line und zweier anderer norwegischer Fährlinien dann die Color Line.

 1992 wurde das Jahr, in dem die „Prinsesse“ verlängert wurde. Den Auftrag vergab der Reederei nach Cadiz in Spanien. Die Werft verkalkulierte sich. Die Ablieferung musste immer wieder verschoben werden. Monate später als geplant kehrte die Fähre zurück. „Ich erinnere mich noch gut daran. Unser damaliger Chef Torbjörn Navli rief mich immer zwei Wochen vor der angesagte Ablieferung an und sagte, es könne noch einmal zwei Wochen später werden“, erinnert sich Jansen.

 „Dieses Schiff hat in der Fährschifffahrt Maßstäbe gesetzt“, sagt Röttger Wittern, der ehemalige Geschäftsführer der Frachtagentur Sartori & Berger, der das Schiff ebenfalls über Jahre begleitete. Nach dem Umbau fingen dann die Probleme an. Die Fähre war von 170 auf 205 Meter verlängert worden. Die beiden Werkspoor-Diesel konnten den Zuwachs an Gewicht nicht verkraften. Um die Geschwindigkeit für den Fahrplan zu erreichen, mussten die Diesel meist am Limit der Leistungsgrenze betrieben werden. Mehrfach gab es danach Schäden mit den Kurbelwellen.

 „Da gab es einmal den Fall, dass wir an Bord eine Konferenz mit 400 Ärzten hatten, die mit uns nach Oslo fahren wollten. Da die Kurbelwellenreperatur nicht rechtzeitig abgeschlossen werden konnte, musste das Schiff in Kiel bleiben. Die Konferenz fand an Bord statt. Statt Stadtrundfahrt in Oslo haben wir mit den Ärzten einen Ausflug nach Laboe organisiert“, erinnert sich Jansen.

 Die Maschinen waren auch Auslöser für mehrere Brände. Im Juli 1999 und im März 2004 platzten jeweils Treibstoffleitungen an den Maschinen und es kam zu schweren Maschinenraumbränden. Daher kam im Dezember 2004 dann das Ende. Die „Prinsesse“ wurde durch die „Color Fantasy“ abgelöst. Bis zu dem Tag hatte die Fähre 3,147 Millionen Seemeilen zurückgelegt und 3773 Rundreisen absolviert. Mit dem Schiff fuhren laut Seehafen 4801164 Fahrgäste zwischen Kiel und Oslo. Damit ist die „Prinsesse Ragnhild“ bis heute die Fähre, die auf dieser Linie die meisten Seemeilen zurücklegte und Passagiere beförderte.

 „Die ,Prinsesse Ragnhild’ prägte über zwei Jahrzehnte das Bild im Kieler Hafen, so wie heute die ,Color Fantasy’“, kommentiert Seehafenchef Dirk Claus den Abgang der Fähre. Ein Teil des Schiffes wird aber weiterhin in Kiel an die Fähre erinnern. Eine der defekten Kurbelwellen steht im Norwegenkai im Passagierwartebereich.

 2008 verkaufte die Color Line das Schiff an die Celebration Cruise Line. Als „Bahamas Celebration“ startete es in der Kreuzfahrt zwischen Florida und den Bahamas. Am 31. Oktober vorigen Jahres rammte die Fähre vor dem Hafen Freeport ein Unterwasserhindernis und schlug Leck. Das angeschlagene Schiff wurde von der Versicherung zum Totalschaden erklärt und an einen indischen Abwracker verkauft. Am 4. Juli trat es unter dem Interimsnamen „Celebration“ von Port of Spain seine letzte Reise an.

 Vor einer Woche passierte die „Celebration“ mit fünf Knoten Kapstadt in Südafrika. Vermutlich Ende September wird das Schiff vor den wegen ihrer Arbeitsbedingungen umstrittenen Abwrackplätzen im Westen Indiens erwartet. Mit dem Erlös des Schrottpreises hat sich die US-Reederei bereits ein Ersatzschiff für die Kreuzfahrten zu den Bahamas gekauft.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

Events in Kiel

Veranstaltungen in Kiel
Aktuelle Termine, News, Infos.

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3