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Mitarbeiter prellte Seniorchef um 15000 Euro

Bewährungsstrafe Mitarbeiter prellte Seniorchef um 15000 Euro

Enttäuschter Mitarbeiter prellte seinen Seniorchef um 15000 Euro. Jetzt wurde er vom Kieler Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

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 Ein Mann prellte seine Chef um 15000 Euro - dafür gab es eine Bewährungsstrafe.

Quelle: Friso Gentsch/dpa

Kiel. Hätte der Chef sich und seinem Mitarbeiter durch ein bisschen mehr Wertschätzung die ganze Affäre ersparen können? Der jetzt wegen Untreue zu sieben Monaten auf Bewährung verurteilte 28-Jährige will zutiefst verletzt gewesen sein, als sein Arbeitgeber (65) ihn im Februar 2013 beim offiziellen Abschlussfest nach dem Umbau seines renommierten Kieler Einrichtungshauses nicht genug lobte.

Laut Urteil des Kieler Amtsgerichts fühlte sich der enttäuschte Mitarbeiter persönlich zurückgesetzt und als billige Hilfskraft ausgenutzt. Aus Rache veruntreute er innerhalb weniger Tage 15000 Euro, indem er tat, was er zwei Jahre lang beim Umbau des 2009 geschlossenen Möbelhauses in Büros und Wohnungen getan hatte: Er bestellte im Namen seines Chefs Baustoffe, Maschinen und Zubehör. Diesmal aber für sich.

Eine Putzmaschine für rund 7000 Euro will der nicht vorbestrafte Angeklagte dem Händler schnell wieder zurückgebracht haben: „Ich habe gemerkt, dass das Blödsinn war.“ Bohrhämmer, Akkuschrauber, Trennschleifer und eine Kettensäge verschenkte er nach eigenen Angaben oder verkaufte sie für ein Drittel des Einkaufspreises an die am Umbau beteiligten Handwerker.

Der Ex-Chef berichtete als Zeuge, man habe sich in einem Zivilprozess auf einen Vergleich geeinigt. Inzwischen sei der Schaden zur Hälfte beglichen. Die Enttäuschung des Angeklagten kann der 65-Jährige „nicht nachvollziehen“. Er spricht von einem Vertrauensverhältnis. Er habe dem Angeklagten Geldbeträge für Einkäufe und sogar den Zugangscode seines Ebay-Kontos für den Abverkauf des Möbelbestands anvertraut.

Beim Umfang der Arbeiten scheiden sich die Geister erheblich. Der Chef spricht von einem 400-Euro-Job. Doch der Angeklagte will dem Bauprojekt „zwei Jahre meines Lebens täglich acht bis zwölf Stunden geopfert“ haben. Auch an Heiligabend und beim Abschlussbüfett mit den Danksagungen vor geladenen Gästen, bei denen „alle erwähnt wurden, nur ich nicht“.

„Er war wie ein zweiter Vater für mich“, bringt der Angeklagte sein damals „inniges Verhältnis“ zum Chef auf den Punkt, der seit dem Vorfall kein Wort mehr mit ihm gesprochen habe. Früher habe er seine Tochter im 425-PS-Mercedes zum Hamburger Flughafen kutschiert, den Rasen auf seinem Privatgrundstück gemäht, den Hund ausgeführt und Laub geharkt. „Kann ich nicht ausschließen“, räumt der Zeuge ein.

„Mit nur 7,2 Wochenstunden?“ zweifelt der Staatsanwalt mit Blick in den offiziellen Arbeitsvertrag. Der Zeuge nickt und wird von der Vorsitzenden erneut belehrt, dass er sich vor Gericht nicht selbst zu belasten braucht. „Da ist Schwarzgeld geflossen“, folgert der Ankläger und kündigt einen Vermerk für die Wirtschaftsabteilung an.

Jetzt muss der ins Zwielicht gerückte Kaufmann („Ist das ein Prozess gegen mich?“) selbst mit einem Ermittlungsverfahren rechnen – wegen Steuerverkürzung und Vorenthaltens von Arbeitsentgelt.

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