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Schnorcheln und schnacken

Erfindung der Technischen Fakultät Schnorcheln und schnacken

Man stelle sich vor: Irgendwo in der Karibik schnorchelt man mit Freunden entspannt im warmen, glasklaren Wasser und könnte sich dabei unterhalten, wie farbig die Fische unter einem sind. Schnorcheln und Schnacken sei jetzt gleichzeitig möglich, sagt die Kieler Universität.

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Die Studenten Alexander Neubert und Fabian Kühtz (rechts) gehörten zu dem Team, das die Kommunikationseinheit in den Schnorchelmasken entwickelte.

Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Kiel.  Möglich macht dies die Idee von neun Studenten der Technischen Fakultät. Sie haben erlerntes Wissen praktisch in die Entwicklung eines Masken-Prototyps umgesetzt.

Sprung ins kalte Wasser

 Dass Bachelorstudenten bei Prof. Gerhard Schmidt auch in der Praxis nach Lösungen einer gestellten Theorie-Aufgabe suchen müssen, gehört zur Studienroutine. Doch Schmidt wollte ein spannendes Thema, das von den angehenden Ingenieuren verlangt, mathematische und physikalische Kenntnisse mit Übertragungstechnik zusammenzubringen. Das bedeutete Datenaustausch, Koordination und die Aufstellung der Materialliste – alles mit dem Ziel, das Problem effizient, kostengünstig und gemeinsam zu lösen. Für die Feldtests packten sie die Badehose ein und sprangen im Schwimmbad Katzheide und in der Uni-Schwimmhalle sprichwörtlich ins kalte Wasser: Die Studenten, berichteten Jonas Wilinski (20) und Leon Pohl (21) aus dem Tüftler-Team, sind vorher alle noch nie geschnorchelt. „Es ist ist gut, wenn Studenten wie Ingenieure, also im Team, eine Aufgabe erledigen und Spaß haben“, meint der Wissenschaftler, der auf Praxiserfahrungen setzt.

Prototyp aus dem 3D-Drucker

 Die hatten die Studenten, die bei Schmidt im fünften Semester die Vorlesung „Signale und Systeme“ hörten, zur Genüge. Sie tüftelten gemeinsam, wie sie die Masken so umfunktionieren, dass man auch mit dem Kopf unter dem Wasser miteinander reden kann. Sie bauten den Aufsatz einer Schnorchelmaske, die das gesamte Gesicht bedeckt, am Computer um, schufen dort Platz für die Elektronik. Dafür vermaßen sie die einzelnen Bestandteile und vergrößerten den Aufsatz, um eine Platine, die ein Mikrofonsignal verarbeiten kann und einen WLAN-Hotspot bereitstellt, unterzubringen. Darüber können sich jetzt andere Masken oder auch Smartphones einwählen – immerhin in einer Reichweite von 20 bis 30 Metern. Der angehende Elektrotechniker Leon stellte seinen Kommilitonen seinen 3D-Drucker zuhause zur Verfügung: 88 Stunden habe das Ausdrucken des passgenauen Teils, das das Atmen unter Wasser weiterhin ermöglicht und der Kommunikationseinheit Platz bietet, gedauert, berichtet Jonas. Außerdem verbauten die Studenten wasserdichte Mikrofone und Kopfhörer.

 Für Schmidt bietet die neue Maske großes Potenzial für Masterarbeiten oder sogar für die Gründung einer Firma: Denn auch Leistungssportler profitierten von der Technik, da Trainer ihnen mit Hilfe einer Handy-Applikation vom Beckenrand aus Tipps geben können. Etwa 50 Euro kostet nach Schätzung des Professors eine Maske, die Plaudern unter Wasser zulässt. Leon und Jonas sind sich sicher, dass bei mehr Zeit für die Entwicklung der Aufsatz viel kleiner und handlicher ausfallen kann.

Wie das Schnorcheln mit der neuen Maske aussieht, das sehen Sie in dem folgenden Video:

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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