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Kein Obdachloser muss draußen schlafen

Erfrierungsschutzcontainer Kein Obdachloser muss draußen schlafen

Zwei Isomatten mit Schlafsäcken und Plastiktüten mit persönlichen Gegenstände liegen auf dem kargen Boden. Aber dafür ist es warm und trocken in den drei Erfrierungsschutzcontainern, die die Stadt den Obdachlosen in den bitterkalten Nächten aufschließt.

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Sechs Menschen können in jedem Container untergebracht werden. Die Unterkünfte sind tagsüber geschlossen , die Habseligkeiten dürfen aber dort bleiben.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Die Stadtmission kennt namentlich 31 Menschen, die lieber unter freiem Himmel schlafen, als ein Dach über dem Kopf zu haben. In diesen Tagen nehmen täglich bis zu vier Obdachlose das mollige Angebot an. Wo die anderen Menschen in Kiel nächtigen, ist kaum bekannt.

 „Gerade die Obdachlosen können jetzt bei Dauerfrost in eine lebensgefährliche Lage kommen“, sagte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, der sich am Mittwoch vor Ort ein Bild von den Container machte. Er freue sich über den Erfolg des Masterplans Wohnen mit den Baugenehmigungen für 1025 Wohnungen. Doch auch gerade die Obdachlosigkeit sei eine reale Seite in den Städten. In den drei Containern ist Platz für 18 Menschen. Sie sind ab 16 Uhr bis morgens um 8 Uhr offen – an den Wochenenden ganztägig. „Sollte es kälter werden, lassen wir auch tagsüber die Menschen ins Warme“, sagte Arne Leisner vom Amt für Wohnen und Grundsicherung. Etwa 20000 Euro im Jahr kosten die drei Unterkünfte. Davon zahlt die Stadt 15000 Euro, 5000 Euro kommen aus Landesmitteln.

 Eigentlich muss kein Mensch in Kiel frieren. In dem Bodelschwingh-Haus der Stadtmission an der Johann-Meyer-Straße 13 gibt es Betten, auch in Hotels und Pensionen könnten Obdachlose untergebracht werden. Doch die 31 Menschen wollen dort nicht schlafen, sie ziehen die Einsamkeit unter freiem Himmel vor. „Viele halten die Nähe in den Unterkünften nicht aus. Andere haben psychische Probleme“, sagte Michael Schmitz-Sierck von der Stadtmission. Diese Menschen können sich nicht an die Hausordnung halten, werden anderswo untergebracht, verstoßen wieder gegen Regeln. Oftmals ist der Grund ein hohes Aggressionspotenzial, das sich gegenüber Mitbewohnern oder Angestellten entlädt. Auch Alkoholismus spielt eine Rolle, viele sind abhängig von Suchtmitteln.

 Unter den 31 Personen, die Platte machen – also in der Regel im Freien schlafen –, sind zwei Frauen im Alter von über 30 Jahren. Fünf Männer sind unter 30 Jahre, neun zwischen 30 und 50 Jahre und 15 über 50 Jahre alt. „Die älteren kennen wir schon seit zehn Jahren. Tagsüber kommen sie in den Kontaktladen an der Schaßstraße“, sagte Schmitz-Sierck. Wo sie die Nacht verbringen, wissen nur wenige Mitarbeiter der Stadtmission. „Ein guter Platz hat seinen Wert und wird nicht verraten, weil die Obdachlosen Angst vor Überfällen und anderen Belästigungen haben“, sagte er. Als der ZOB noch stand, haben jahrelange Menschen unter der Autoauffahrt zu den Parkdecks geschlafen. Wer damals genau hingeschaut hat, sah dort zwischen den Steinen Isomatten, Schlafsäcke und andere persönliche Gegenstände.

 Jetzt suchen sich viele Menschen warme Orte über Lüftungsschächten auch an öffentlichen Einrichtungen wie beispielsweise an der Uni. Dort werden sie geduldet, so lange sie den Schlafplatz sauber hinlassen. Andere nächtigen im Vieburger Gehölz oder suchen sich leerstehende Gartenbuden. Sie leben von der Grundsicherung oder Sozialhilfe. „Bei den Unterlagen und Anträge helfen wir ihnen, so dass sie möglichst einfach an ihr Geld kommen“, sagte Schmitz-Sierck. Es gibt viele Gründe, warum Menschen auf der Straße landen. Arbeitslosigkeit und die damit oft verbundene Armut spielt ein Rolle. Auch eine Trennung vom Lebenspartner oder der Familie wirft manchen aus der Bahn. „Andere Personen haben nie ein geregeltes Leben oder Arbeitsleben kennengelernt und finden sich in der realen Welt nicht zurecht“, sagte der Mann von der Stadtmission.

 Trotz der breiten Unterstützung für Flüchtling ist die Spendenbereitschaft für Obdachlose unverändert hoch. „Wer zum Beispiel keinen warmen Schlafsack oder warme Socken hat, kann sich an uns wenden. Wir organisieren das“, sagte Leisner. Zudem seien viele Kieler Betriebe bereit, benötigte Dinge zum Einkaufspreis abzugeben.

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Günter Schellhase
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