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Straßename auf Klinikgelände geändert

Erinnerung an Erbgut-Pionierin Straßename auf Klinikgelände geändert

Das Urteil der Historiker über den früheren Kieler Klinikdirektor Alfred Schittenhelm fiel nach intensiver Recherche im vergangenen Mai eindeutig aus: Schittenhelm sei als Forscher, Funktionär und SS-Mitglied tief in die Machenschaften der Nationalsozialisten verstrickt gewesen.

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Einweihung des neuen Straßenschildes auf dem Gelände des Kieler Universitätsklinikums in Kiel: Aus der Schittenhelmstraße wird die Rosalind-Franklin-Straße

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Die Universität Kiel entzog dem Professor daraufhin posthum die Ehrensenatorenwürde, die Ratsversammlung beschloss Ende Juli die Umbenennung der nach ihm benannten Straße auf dem Klinikumsgelände. Mit der Enthüllung des neuen Straßenschildes und einer Informationstafel heißt die Adresse, an der die drei Forschungsneubauten entstehen sollen, jetzt „Rosalind-Franklin-Straße“ – benannt nach der britischen Biochemikerin Dr. Rosalind Elsie Franklin (1920 bis 1958): Ihre Forschung trug wesentlich zur Entdeckung der Doppelhelix-Struktur und damit zur Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes bei.

Eine „unbürokratische und schnelle Namensänderung mit hoher Symbolkraft“, um das dunkle Kapitel der Universitätsmedizin aufzuhellen, kommentierte Rolf Fischer, Wissenschaftsstaatssekretär und Aufsichtsratsvorsitzender des Universitätsklinikums. Dies sei ein Beispiel für die Würdigung einer Wissenschaftlerin, die es längst verdient habe. Trotz ihrer bahnbrechenden Forschungsergebnisse hatte Rosalind Franklin zu ihren Lebzeiten keine Anerkennung erfahren, während ihre männlichen Kollegen James Watson, Francis Crick und Maurice Wilkens geehrt und sogar 1962 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wurden. Prof. Jens Scholz, Vorsitzender des Universitätsklinikums, betonte, es sei klares Ziel des Uniklinikums, gleiche Chancen anzustreben und „zeitgeistige Verhaltensmuster zu hinterfragen“.

Auch Oberbürgermeister Ulf Kämpfer freute sich, mit der Würdigung die „Frauenbilanz“ aufpeppen zu können: Nur etwa zehn Prozent der 450 Straßen in Kiel sind nach Frauen benannt. Um die Nazi-Vergangenheit der Uni aufarbeiten zu können, sieht Universitätspräsident Prof. Lutz Kipp den Fall rund um den Internisten Schittenhelm „gar als Blaupause für andere Fälle“. Der in den eigenen Reihen umstrittene Vorschlag zur Umbenennung kam auch von Prof. Ulrich Stephani, Dekan der Medizinischen Fakultät, der von einem bewegenden Tag sprach. Kiel sei eines der führenden Genom-Zentren, begründete er seinen Vorstoß. So manchem Kollegen fehlte allerdings der Kiel-Bezug der Forscherin.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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