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Verdienstkreuz für Jens Rönnau

Erinnerungskultur Verdienstkreuz für Jens Rönnau

Nicht nur als Kulturjournalist, Museumspädagoge und promovierter Kunsthistoriker, sondern auch als Kämpfer für den Erhalt von Mahnmalen hat sich Jens Rönnau über die Grenzen Kiels einen Namen gemacht. Für sein Engagement erhält der 59-Jährige am heutigen Dienstag das Bundesverdienstkreuz am Bande.

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Zusammen mit seinen Mitstreitern hat Jens Rönnau den Flandernbunker zu einem Ort der Auseinandersetzung mit der Geschichte gemacht. Für sein Engagement erhielt er jetzt das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Seit 25 Jahren setzt sich der Gründer und Vorsitzende des Vereins Mahnmal Kilian dafür ein, vor allem die schwierige NS-Geschichte jüngeren Generationen zu vermitteln. Die Würdigung des Bundespräsidenten kommt daher nicht ohne eine lange Liste seiner Verdienste aus – Einsatz für Kunstförderung, Völkerverständigung, Friedensförderung und Gewaltprävention.

Man muss wohl für eine Sache brennen, um etwa 40 Stunden die Woche im Ehrenamt aufzubringen. Seine Leidenschaft für Kunst und Erinnerungskultur trieb ihn immer an und machte ihm nicht nur Freunde. Warum er zum Kämpfer für den Erhalt von Bunkern wurde? Er überlegt und antwortet: „Aus Wut.“ Die NS-Geschichte sollte nicht weiter verdrängt, sondern aufgearbeitet werden. Und für die Marine- und Hafenstadt Kiel gab es für ihn nichts Sinnfälligeres, als die Ruinen des U-Boot-Bunkers Kilian als Erinnerungsstätte anderen eher kriegsverherrlichenden Mahnmalen entgegenzusetzen. 1995 gründete er den gleichnamigen Verein: „Wir wollten dieses historische Relikt für jüngere Generationen erhalten.“ Doch 2000 wurde Kilian nach jahrelangem Kampf mit der Stadt, dem Land und dem Hafen abgerissen.

Bis heute bedauert Rönnau diese Entscheidung, aber ans Aufgeben dachten der Kunsthistoriker, der in Kiel und Berlin studiert hat, und der Verein keine Sekunde. „Durch einen Zufall hörte ich kurze Zeit später, dass der Flandernbunker zwangsversteigert werden sollte“, erinnert er sich. Ein Käufer war mit seinen Plänen gescheitert, daraus eine Diskothek zu machen, die die „Bundis“ vom Marinestützpunkt gegenüber anlocken sollte. Stattdessen machte der Verein, der den Bunker 2001 mit Krediten erwarb, aus ihm ein Antikriegsdenkmal und einen Ort der Geschichtsvermittlung.

Über das Bundesverdienstkreuz am Bande freut sich Rönnau, um aber gleich hinzuzufügen, dass er die hohe Auszeichnung auch auf alle Mitstreiter bezieht, ohne deren Engagement die Projekte gar nicht zustande gekommen wären. Mit ihr hat er sein Triple an Ehrungen voll, wie er lächelnd meint. 1999 erhielt er den Deutschen Preis für Denkmalschutz, 2014 die Andreas-Gayk-Medaille der Stadt. Dass die Ratsversammlung, die dem Abriss von Kilian damals zugestimmt hatte, ihn vor drei Jahren einstimmig zum Preisträger kürte, habe ihn besonders gefreut, erinnert sich Rönnau. Bei der Verleihung würdigte Stadtpräsident Hans-Werner Tovar Rönnau damals als einen Mahner, der den Finger in die Wunde legt: „Das tut weh. Aber es ist notwendig.“

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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