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Erörterungsverfahren ist in Kiel gestartet

Fehmarnbelt-Tunnel Erörterungsverfahren ist in Kiel gestartet

Tolles Zukunftsprojekt oder wirtschaftlich unsinnig und schädlich für die Umwelt? Am geplanten Fehmarnbelt-Tunnel scheiden sich die Geister. Mehr als 3000 Bedenken liegen der Planungsbehörde vor. Die mühsame Abarbeitung hat jetzt in Kiel begonnen.

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Der Fehmarnbelt-Tunnel soll Deutschland und Dänemark miteinander verbinden.

Quelle: Femern AS

Kiel. Pro und Contra Fehmarnbelt-Tunnel unter einem Dach: Für das Milliardenprojekt hat am Montag in Kiel das sogenannte Erörterungsverfahren begonnen. Zum Auftakttermin kamen knapp 100 Gegner des Großvorhabens, Planungsexperten und Vertreter der Projektgesellschaft in die „Halle 400“. Zahlreiche vorbereitete Sitzplätze blieben leer.

Gegen den Planfeststellungsbeschluss für den rund 19 Kilometer langen Straßen- und Eisenbahntunnel zwischen Fehmarn und der dänischen Insel Lolland waren mehr als 3100 Bedenken eingegangen. Aus Sicht der Kritiker, darunter Umweltverbände und die Reederei Scandlines, ist das Projekt unverhältnismäßig teuer. Zudem befürchten sie Gefahren für Natur und Tierwelt. Die Befürworter setzen auf wirtschaftliche Vorteile durch die schnellere Verkehrsverbindung.

Insgesamt sieben Erörterungstermine sind bis Mittwoch nächster Woche angesetzt. Dabei kommen alle Themenbereiche zur Sprache — von Bedarf, Finanzierung und Umweltaspekten über Schienenlärm, Schweinswal- und Gewässerschutz bis hin zu Tunnelsicherheit und Sedimentverdriftungen. Am Auftakttag spielten zunächst Verfahrensfragen stundenlang die Hauptrolle, dann ging es um den umstrittenen Bedarf für das Großvorhaben und dessen möglichen Platz im europäischen Verkehrsnetz.

Die dänische Planungsgesellschaft Femern A/S hatte dem schleswig-holsteinischen Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr Ende Mai ihre Erwiderungen zu den über 3100 Einwendungen übersandt. In 41 Aktenordnern sind etwa 50 000 Einzelaspekte aufgeführt.

Bereits im Jahr 2008 hatten Dänemark und Deutschland einen Staatsvertrag über das Großvorhaben abgeschlossen. Trotz Rückschlägen vor allem im Hinblick auf die Kosten haben beide Seiten ihre Entschlossenheit zur Umsetzung immer wieder betont. Dänemark finanziert den gesamten Tunnelbau, Deutschland nur die Anbindung auf seinem Gebiet.

Die Initiative Beltretter werteten die Erörterungstermine — in Kiel, nicht auf Fehmarn — als „vorgegaukelte Bürgerbeteiligung“. Mit der Entfernung zu Fehmarn solle die Beteiligung wohl gering gehalten werden, hieß es. „Wir werfen Ministerpräsident Albig vor, die versprochene Bürgerbeteiligung nur vorzutäuschen und die Befürchtungen so vieler Menschen in Schleswig-Holstein offenbar nicht ernst zu nehmen“, sagte Beltretter-Sprecherin Karin Neumann.

Der Naturschutzbund Nabu verlangte eine Neubewertung des Großvorhabens. Besonders wegen erheblicher Auswirkungen auf das europäisch geschützte Flora-Fauna-Habitat-Gebiet am Fehmarnbelt sei das Projekt abzulehnen. Die Verkehrsprognosen für den Tunnel seien lächerlich gering. Nur die Baukonzerne profitierten, sagte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Zu den entschiedensten Gegnern gehört neben Naturschützern und Anwohnern die Reederei Scandlines, die auf der Route Fähren betreibt. „Leider haben wir nach wie vor den Eindruck, dass die Vorhabenträger dieses Großprojekts versuchen, unsere intensive Betroffenheit herunterzuspielen und alles daran setzen, einen fairen Wettbewerb zwischen staatlichem Tunnel und privatwirtschaftlichem Fährunternehmen zu verhindern“, sagte Vorstandschef Søren Poulsgaard Jensen.

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