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Die Schule ist ein Kompromiss

Neumühlen-Dietrichsdorf Die Schule ist ein Kompromiss

Die ersten Flüchtlinge sind in Neumühlen-Dietrichsdorf angekommen und in der früheren Adolf-Reichwein-Schule untergebracht worden. Mitglieder des Ortsbeirates und Vertreter der Stadt machten sich am Donnerstagabend ein Bild von der provisorischen Unterkunft.

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Der 22-jährige Hassan war eineinhalb Jahre auf der Flucht. Sein Weg aus dem Jemen führte ihn mit seinem Bruder und Onkel über die Türkei nach Deutschland – und nun in die Adolf-Reichwein-Schule.

Quelle: Volker Rebehn

Neumühlen-Dietrichsdorf. Insgesamt sollen bis zu 40 Flüchtlinge in dem Gebäude ein vorübergehendes Zuhause finden. In der sich anschließenden, sehr gut besuchten Ortsbeiratsbeiratssitzung im NDTSV Holsatia-Sportheim zeichneten sich erste Unterstützungsprojekte für die Männer aus dem Jemen, Syrien und Irak ab.

„Befürchtungen, dass es durchaus hätte anders laufen können, sind glücklicherweise nicht eingetreten“, atmete nicht nur der Ortsbeiratsvorsitzende Gernot Starke mit Blick auf andere Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland am Sitzungsende auf. Zwar wollten viele der Stadtteilbewohner wissen, woher und wie viele Menschen nach Neumühlen-Dietrichsdorf kommen würden und wie es mit der Sicherheit bestellt sei. Stadtrat Gerwin Stöcken erklärte, dass die Neuankömmlinge vor Ort von einem Sozialpädagogen des Christlichen Vereins zur Förderung sozialer Initiativen in Kiel betreut werden. Polizeistationsleiter Gunnar Röbsch wies darauf hin, dass sich auch die Polizei auf die neue Situation einstelle. Die Besorgnisse rückten an diesem Abend aber in den Hintergrund. Fragen, wie man die Flüchtlinge unterstützen könne, standen im Vordergrund. Sprachkurse, die Aufnahme in Sportvereinen oder Hilfen bei Verwaltungsgängen wurden ins Gespräch gebracht.

Proteste hatte es im Vorfeld der Sitzung gegeben. Die richteten sich allerdings gegen die Informationspolitik der Stadt, die zugesagt hatte, den Ortsbeirat und die Bevölkerung vor dem Eintreffen der Flüchtlinge zu informieren. Das ist aber nicht geschehen (wir berichteten). „Das tut uns leid, das war so nicht geplant“, bedauerte Stöcken. Die Suche nach Sanitärcontainern sei aber schneller als erwartet erfolgreich gewesen, so dass die Stadt sofort habe handeln können. Von den in diesem Jahr in Deutschland erwarteten 400000 Flüchtlingen würden 20000 nach Schleswig-Holstein und davon wiederum 1800 nach Kiel kommen. 620 seien bereits in der Landeshauptstadt eingetroffen, so Stöcken weiter, und die Unterbringung sei weiter schwierig. Die gut 40 Männer sollen solange in der Adolf-Reichwein-Schule bleiben, bis die regulären Unterkünfte im Stadtgebiet fertig sind. Irgendwann, so Stöcken, wolle die Stadt das Gebäude wieder als Schule nutzen.

In dem seit einem Jahr leer stehenden Gebäude wurden sechs Klassenräume neu eingerichtet. In jedem durch Plastikplanen abgetrennten Bereich stehen sechs Betten und ein Kühlschrank. Schränke sollen folgen. Zudem gibt es einen Küchen- und Essensraum und einen Gemeinschaftsraum. In zwei Containern sind die Sanitäranlagen untergebracht. „Da ist nur begrenzt Privatatmosphäre möglich, Jugendherbergen sind dagegen richtig kuschelig“, beschrieb Gernot Starke seine ersten Eindrücke. „Das ist auch nur ein Kompromiss, bis die regulären Unterkünfte fertig sind“, sagte Arne Leisner, Abteilungsleiter im Amt für Wohnen und Grundsicherung.

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