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Ein Ort für Heilpflanzen und Erholung

Erster Botanischer Garten Ein Ort für Heilpflanzen und Erholung

Seit einem Jahr schaut der bronzene Zar Peter III. vom Kieler Prinzengarten aus Richtung Osten. Der Zarenverein freut sich, dass das von ihm gestiftete Denkmal von den Bürgen und Besuchern der Stadt gut angenommen wird. Doch die wenigsten Kieler wissen wohl, dass der Blick des Monarchen auch das Areal streift, wo sich im 17. Jahrhundert unweit des Schlosses der erste Botanische Garten des Landes erstreckte.

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Sie hoffen auf eine Wiederbelebung des Schlossareals als kultureller Mittelpunkt der Landeshauptstadt (v.l.): Cordelia Andreßen, Jan Schlürmann, Jörg Ulrich Stange und Martin Schulz erinnern an die wichtige Funktion, die das Schloss über die Jahrhunderte gespielt hat. Unter anderem lag auf dem Gelände des heutigen Schlossgartens der erste Botanische Garten des Landes.

Quelle: Christoph Jürgensen

Kiel. Im Jahre 1665 wurde im Kieler Schloss die Christian-Albrechts-Universität (CAU) gegründet. Schon vier Jahre danach machte sich der Professor für Medizin und Botanik Johann Daniel Major (1634-1693) daran, einen Garten anzulegen, der drei Funktionen zu erfüllen hatte: Er sollte als Lehrgarten und zum Anbau von Heilpflanzen dienen und gleichzeitig Raum für Zerstreuung und Erholung bieten.

 Durch Zufall ist der Historiker Dr. Jan Schlürmann auf diesen vergessenen Abschnitt der Kieler Stadtgeschichte gestoßen. „Für seinen Multifunktionsgarten hatte Major große Pläne“, berichtet Schlürmann, „Er wollte die gesamte Welt darin abbilden.“ Der Medizin-Professor vertrat die typische Idee des Barock, man könne als Universalgelehrter in seiner Lebensspanne alles Wissen jeglicher Fachgebiete erwerben. Weitgehend in Eigenleistung – sowohl was die gärtnerische Arbeit als auch die Finanzierung anbelangte – hat er versucht, seine Vorstellung von einem Botanischen Garten zu verwirklichen.

 Die Größe des Gartens ist nicht überliefert, doch über seinen Grundriss hat Schlürmann einiges herausgefunden: „Es gab ein geometrisches Wegenetz, und in der Mitte war Platz für ein großes Bild.“ Schließlich musste im Barock auch die Kunst in den Gartenbau mit hineinspielen. So waren alle Holzteile, Zäune und eine Laube mit Sezierstein farbig gestaltet. Einen Teil des Gartens hatte Major – für heutige Verhältnisse ungewöhnlich – an Bauern verpachtet, die hier ihren Kohl anbauen konnten.

 Majors Einsatz wurde keineswegs von allen gewürdigt. Der Gartenmeister des Schlosses zum Beispiel – damals gab es nur einen kleinen Residenzgarten – machte Major das Leben schwer: Der „Hobbygärtner“ Heinrich Vack versuchte die akademische Konkurrenz zu torpedieren, wo es nur ging. Er stiftete Studenten an, Majors Garten zu verwüsten, verfeuerte dessen exotische Pflanzen oder drehte ihm im wahrsten Sinne das Wasser ab.

 Bereits 1670 übergab Major seinen Garten an einen Nachfolger. Es ist anzunehmen, dass sein Werk schon bald dem Verfall preisgegeben war. „Auf einer Stadtansicht von 1710 ist von dem Garten nichts mehr zu sehen“, so Schlürmann. In den 1680er-Jahren konzentrierte sich Major zunehmend auf die Tätigkeit als Arzt, nicht ohne 1688 mit der Eröffnung seines Museum Cimbricum noch die Tradition der Kieler Museen zu begründen. 1693 starb Major unter unglücklichen Umständen in Schweden. Bei der Überführung ging sein Leichnam verloren, das Schiff versank in der Ostsee.

 Als Carl Peter Ulrich von Holstein-Gottorf (1728-1762), der spätere Zar Peter III., in Kinderjahren den Prinzengarten als Spielwiese nutzte, war Majors Grünanlage längst verschwunden. Als Landesherr befasste sich Peter aber immer wieder intensiv mit der Entwicklung der Kieler Universität. Sein Denkmal ist seit der Einweihung am 13. Juni 2014 zu einem festen Anlaufpunkt für Stadtführer geworden und bereits Kulisse für so manches Hochzeitsfoto geworden. Der Zarenverein denkt zurzeit darüber nach, ein regelmäßiges Zarenfest mit Barockmusik und Künstlern aus Osteuropa ins Leben zu rufen – auch um einen Beitrag zur Wiederbelebung des historischen Schlossareals mit seiner bewegten Geschichte zu leisten.

 Bei einem öffentlichen Symposium unter Leitung des CAU-Historikers Prof. Oliver Auge sollen im September die unterschiedlichen geschichtlichen Phasen des Bauwerks beleuchtet werden, das in den sechziger Jahren sogar als neuer Landtag im Gespräch war.

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