23 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Flüchtlingsfamilie wieder in Not

Nour und Hanade Al Batal Flüchtlingsfamilie wieder in Not

Das Schicksal meint es nicht gut mit Nour Al Batal. Die Syrerin, die das erste Flüchtlingsbaby in Kiel zur Welt brachte, wurde am Dienstag mit ihrem Mann und den vier kleinen Kindern zwangsweise nach Hamburg gebracht.

Voriger Artikel
Schwimmdock für tunesische Marine wird abgeholt
Nächster Artikel
Kein Schwein, kein Schwarzbrot

Hanade, das erste Flüchtlingsbaby von Kiel, musste mit ihrer Familie nach Hamburg gehen.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Kurz zuvor schien noch alles gut: Am 18. September hatte die 26-Jährige ihr viertes Kind, die kleine Hanade, im Städtischen Krankenhaus bekommen. Keine Stunde zuvor war sie nach einer gefährlichen Flucht über das Mittelmeer und Ungarn hochschwanger in der Erstaufnahme am Nordmarksportfeld angekommen. Die Fruchtblase platzte, die Frau wurde unregistriert ins Krankenhaus gebracht.

Kiel war ihr Wunschort: Der Schwager lebt in Molfsee, ebenso deutsche Freunde. Doch am Dienstag, am Tag, als sie Papiere bekommen sollte, waren im Bundesvergleich zu viele Flüchtlinge in Schleswig-Holstein, und die Familie musste innerhalb von 30 Minuten Kiel verlassen. Per Bus wurde sie nach Hamburg transportiert. Ihre Zukunft ist ungewiss.

Land hat Aufnahmequote übererfüllt

Der Zwangsumzug der syrischen Flüchtlingsfamilie Al Batal ist kein Einzelfall. Am Montag wurden allein aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Kiel 52 Flüchtlinge in andere Bundesländer geschickt, weil Schleswig-Holstein statistisch betrachtet überbelegt ist. „Ziel ist es, wieder zu einer gerechten Verteilung der Lasten zu kommen“, sagt Innenminister Stefan Studt (SPD).

Rechnerisch muss Schleswig-Holstein nach dem Königsteiner Schlüssel 3,4 Prozent der Deutschland-Flüchtlinge aufnehmen. Das wären im September rund 9000 gewesen. Angekommen sind aber mehr als 11000 Flüchtlinge. Wer weiter reisen muss, entscheidet das Registerierungssystem Easy.

Beliebt ist Schleswig-Holstein nicht nur als Transitland nach Skandinavien. Unter den Flüchtlingen hat sich offenbar auch herumgesprochen, dass die Chance auf eine feste Unterkunft derzeit im Norden größer ist als in einigen anderen Ländern. Überbelegt sind auch Hamburg und Bayern, unterbelegt Niedersachsen und fast alle ostdeutschen Länder.

„Schleswig-Holstein ist bei der Aufnahme von Flüchtlingen im Rahmen seiner Möglichkeiten in Vorleistung getreten“, betont Studt. „Es bleibt bei der Verabredung, dass Länder, die bisher zu wenig Flüchtlinge aufgenommen haben, ihre Rückstände aufholen.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Karen Schwenke
Lokalredaktion Kiel/SH

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Events in Kiel

Veranstaltungen in Kiel
Aktuelle Termine, News, Infos.

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3