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Unter 60 Einheiten: Marine schrumpft

Bundeswehr Unter 60 Einheiten: Marine schrumpft

Die Deutsche Marine schrumpft weiter. Mit der Außerdienststellung von zwei Minenjägern in Kiel sank die Zahl der Marineeinheiten erstmals unter die Marke von 60. Im September wird außerdem eines der beiden verbliebenen Minensuchgeschwader in Kiel aufgelöst

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Minensuch- und Minenjagdboote werden inzwischen im Marinearsenal in Kiel aufgelegt. Dazu gehören auch die „Auerbach“, „Hameln“, „Herten“ und „Überherrn“ (Foto).

Quelle: Frank Behling

Kiel. Im Marinestützpunkt Kiel wird zukünftig nur ein Minensuchgeschwader bleiben, das die verbliebenen zwölf Minensucheinheiten beherbergt.

Still und fast heimlich endete am 30. Juni die Dienstzeit der Minenjäger „Überherrn“ und „Herten“ im Hafen des ehemaligen Marinearsenals. Damit lief in der Marine auch der Minenjäger-Typ Klasse 333 aus. Die fünf Boote dieses Typs waren die am stärksten bewaffneten Minenjäger der Marine. „Die Außerdienststellung der Boote ist Teil der Bundeswehr-Reform“, bestätigt Marinesprecher Achim Winkler in Kiel. Eigentlich hätten die beiden Einheiten bereits 2014 stillgelegt werden sollen. Doch dann gab es kurzfristig eine erfolgreiche Verwendung in der Nachwuchswerbung der Bundeswehr. Die beiden 1990 und 1991 in Dienst gestellten Boote fuhren 2014 und 2015 unter dem Titel „Marine life“ mit Jugendgruppen zur See. „Diese Aufgabe übernehmen jetzt die Hohlstablenkboote ,Pegnitz’ und ,Siegburg’, die noch eine Weile länger als geplant in Dienst bleiben“, sagt Winkler. Die beiden Hohlstab- lenkboote sind Führungseinheiten für das Minenräumsystem Troika mit den fernsteuerbaren Drohnen vom Typ „Seehund“.

Die „Pegnitz“ und „Siegburg“ wurden zusammen mit „Überherrn“ und „Herten“ ab 1989 als Minenkampfboote der Klasse 343 gebaut. Ihr Auftrag war damals neben der Minensuche auch das Auslegen von Minensperren in der Ostsee zur Blockade der Seewege für die Sowjetflotte. Diese Aufgabe fiel Ende 1991 mit dem Zerfall der Sowjetunion weg. Danach wurden die zehn Boote der Klasse 343 für neue Aufgaben umgebaut. Fünf Einheiten wurden zu Minenjagdbooten der Klasse 333 weiterentwickelt, während fünf Boote zu Hohlstablenkbooten der Klasse 352 wurden. Im Zuge der aktuellen Umstrukturierung der Bundeswehr sollen aber beide Bootsklassen verschwinden. Statt der 20 Minenjagd- und -suchboote von 2010 sollen ab 2020 nur noch zehn Boote für diese Aufgabe erhalten bleiben.

Der Neubau von Minenjagdbooten ist für den Zeitraum um 2030 geplant, wie das Marinekommando auf Anfrage mitteilt. In der Zwischenzeit werden die verbleibenden Einheiten mit zeitgemäßen Kommunikations-, Führungs- und Minenabwehrsystemen verbessert. Die aus einem amagnetischen Spezialstahl gebauten Boote haben die Voraussetzungen für eine Lebensdauer von bis zu 40 Jahren.

Durch die Stilllegung der „Überherrn“ und „Herten“ sank jedoch die Zahl der deutschen Marineeinheiten erstmals unter die Marke von 60. Aktuell besteht die Deutsche Marine nur noch aus 58 Schiffen und Booten. In Kiel wird im September der nächste Einschnitt kommen. Erstmals in der Geschichte der Minenabwehr in der Deutschen Marine wird es ab Ende September nur noch ein Minensuchgeschwader geben. Am 27. September wird im Tirpitzhafen Flottillenadmiral Jan C. Kaack das 5. Minensuchgeschwader außer Dienst stellen. Danach werden alle verbleibenden Minensucheinheiten der Deutschen Marine im 3. Minensuchgeschwader versammelt. Und was wird aus den Einheiten? Die „Herten“ und „Überherrn“ wurden im ehemaligen Kieler Marinearsenal aufgelegt. Ob die Boote verkauft oder verschrottet werden, steht noch nicht fest.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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