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Hochleistungsmedizin und Menschlichkeit Hand in Hand

Erweiterte Palliativmedizin UKSH Hochleistungsmedizin und Menschlichkeit Hand in Hand

Sechs Patienten-Zimmer mehr und ein Begegnungsraum für Angehörige: Das Interdisziplinäre Zentrum für Schmerz- und Palliativmedizin des Kieler Universitätsklinikums feierte ihre Erweiterung mit einem Tag der offenen Tür.

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Viktoria Ahrens und Tilo Fiedler richten eines der neu gestalteten Zimmer in der Erweiterung der Palliativstation her.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Es war eine Einweihung für die jetzt deutschlandweit größte Palliativstation, die bereits durch die persönlichen Anmerkungen der Grußredner aus dem Rahmen fiel.

Ein heller Flur und 24 lichtdurchflutete, gut ausgestattete, barrierefreie Räume machen auf den ersten Blick klar, dass den schwerstkranken Patienten eine optimale Versorgung gegeben werden soll. Palliativ kommt von Pallium, lateinisch für Mantel, der die Kranken in der letzten Phase ihres Lebens umhüllen soll, in der Medikamente und Berater helfen, den Alltag ohne Schmerzen und mit mehr Lebensqualität bewältigen zu können. Daran erinnerte Prof. Jens Scholz, Direktor des Universitätsklinikums, als er den vielen haupt- und ehranamtlichen Helfern für den Erfolg dankte: Dies zeige die gesamtgesellschaftliche Verantwortung für die wichtige Aufgabe. Prof. Dieter Siebrecht, Leiter des Zentrums, freute sich darüber, den wachsenden Bedarf an palliativmedizinischen Versorgungsmöglichkeiten etwas lindern zu können.

Das Zentrum, das im Jahr 3500 Schwerstkranke aufnimmt, ist Teil der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin. Ein Team von Ärzten, Psychologen, Physio- und Ergotherapeuten, spezialisierten Pflegekräfte und Mitarbeitern der Sozialdienste – sie alle kümmern sich zusammen mit den medizinischen Klinikspezialisten um die Patienten seit elf Jahren.

Bernd Heinemann und Peter Todeskino bewegt

Wie es dagegen in früheren Zeiten war, schilderte ein sichtlich bewegter stellvertretender Landtagsvizepräsident Bernd Heinemann (SPD). Als seine schwerkranke Mutter 1982 in einer Reha-Klinik lag, fand er sie eines Tages nicht mehr in ihrem Zimmer vor. Eine Reinigungskraft habe ihm dann gesagt, dass seine Mutter verstorben und wegen der Besucherzeiten in einen anderen Raum gebracht worden sei. Es sei mit der Würde des Menschen nicht vereinbar, in eine Besenkammer abgeschoben zu werden, mahnte er und lobte das heutige Zusammenspiel zwischen Hochleistungsmedizin und Menschlichkeit.

Bürgermeister Peter Todeskino, bekannt dafür, nicht auf den Mund gefallen zu sein, gestand ein, dass ihn das Ganze sprachlos mache: „Ich möchte mich mit dem Tod nicht beschäftigen“, gestand er, wie er zu einem Geburtstag eines Hospizes einen großen Bogen um die Einrichtung gemacht habe. „Ich verneige mich vor Ihrer Arbeit. Sie ist unglaublich und unschätzbar.“ Seine Anerkennung richtet sich vor allem an Mitarbeiter wie Schwester Viktoria Ahrens und Pfleger Tilo Fiedler, die täglich mit schwerer Krankheit und Tod konfrontiert sind und sich besonders über die Erweiterung freuen. Es sei ein schönes Gefühl, Patienten auf ihrem letzten Lebensweg begleiten zu dürfen und dass die Patienten hier im Kreise ihrer Familien versterben könnten, so Tilo Fiedler: „Es kann ein Geschenk sein, einem Sterbenden die Hand zu halten.“

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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