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In Teilzeit noch einmal die Schulbank drücken

Ausbildungen am RBZ In Teilzeit noch einmal die Schulbank drücken

Mit voller Kraft in die Teilzeitbildung: Das haben sich gut zwei Dutzend teils schon bis zu 60 Jahre alte Frauen und Männer vorgenommen, die trotz Berufstätigkeit und vielfach auch Familie noch einmal für dreieinhalb Jahre die Schulbank drückten, um Erzieher zu werden.

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Verena Pehlke, Vanessa Wenzel und Oksana Manzhzula bei einer praktischen Einlage in Medienpädagogik. Die drei Frauen haben ihre Ausbildung im Januar abgeschlossen.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Eine Herausforderung bedeutet das nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Lehrkräfte. „Sie sind kritischer“, sagt Sanna Matz über die Schüler der beiden Klassen, die im August und Oktober 2012 als erste überhaupt am Regionalen Berufsbildungszentrum 1 das Einmaleins des Erziehens in Teilzeit erlernten. Kein Wunder, denn fast alle von ihnen arbeiten schon im sozialen Bereich und haben deshalb aus Erfahrung immer mal wieder ihre Zweifel an den schönen Theorien, die im Klassenzimmer zur Sprache kommen.

Die 51-jährige Astrid Hechenrieder ist gelernte Baumschulgärtnerin, hilft aber in der Hortbetreuung aus, seit ihre Kinder vor zehn Jahren zur Schule kamen. „Da nimmt man natürlich einiges mit“, sagt sie und betont zugleich, dass ihr die Ausbildung trotzdem jede Menge neue Impulse und Kenntnisse gebracht hat. Und eine gute Stelle. Wenn in wenigen Wochen der letzte Schultag abgehakt ist, übernimmt Astrid Hechenrieder die Leitung des Horts der Christlichen Schule in Kiel.

"Ein Zuckerschlecken"

Auch Heiko Günther landete auf Umwegen im sozialen Bereich. Studiert hat er Geologie und sich nebenbei etwas dazuverdient, indem er ein blindes Kindergartenkind betreute. „Da hab ich gemerkt, dass mir das sehr viel Spaß macht“, erzählt der 42-Jährige, der sich angesichts der mauen Arbeitsmarktlage in seinem Fachgebiet ohnehin nach etwas anderem umsehen musste. Um seine Zukunft ist ihm nun nicht bange. Günther wird nach Niedersachsen ziehen und will dort mit minderjährigen Flüchtlingen arbeiten. Ein Zuckerschlecken, so betont der Noch-Kieler, sei die Teilzeitausbildung nicht. Drei Nachmittage pro Woche Unterricht, dazu vier Schulwochen im Block und diverse Wochenenden. Zusammen mit den anderen Verpflichtungen sei das „fast ein 24-Stunden-Job“, betont Günther. Kein Wunder, dass er ebenso wie alle anderen zuweilen seine Durchhänger hatte. „Da muss man dann auch Seelenarbeit leisten“, kommentiert das Lehrerin Sanna Matz.

Abteilungsleiterin Renate Schierding ist mit dem Verlauf der ersten beiden Teilzeitausbildungen zufrieden. Anfangs sei es zwar manchmal etwas holperig gelaufen, weil man totales Neuland betreten habe, doch dann kam die Sache nach ihrem Urteil gut ins Rollen. So gut, dass nach den Sommerferien bei genügend Interesse eine weitere Klasse in Teilzeitausbildung startet. Das darf als ziemlich sicher gelten. Während 2012 der Ausbau der Krippenplätze einen Nachfrage-Boom für Erzieher auslöste, dürften zukünftig die vielen Flüchtlinge dafür sorgen, dass in diesem Bereich die Arbeit nicht so schnell ausgeht.

Neue berufliche Perspektiven

Ein Dauerrenner des RBZ am Königsweg ist derweil die Teilzeitausbildung in Heilpädagogik. Kinderkrankenschwester Christiane Milbradt (29) und Erzieherin Stefanie Kistner (41) gehören zum bereits zehnten Jahrgang dieses Bildungsganges. Auch sie freuen sich über neue berufliche Perspektiven, denn Heilpädagogen bewegen sich vom Kindergarten bis zum Pflegeheim in einem denkbar breiten Arbeitsfeld. Weil pädagogische Vorbildung eine Aufnahmevoraussetzung ist, dauert diese Ausbildung im Gegensatz zur Schule der Erzieher nur zwei Jahre, und im Herbst dieses Jahres soll ebenfalls ein neuer Durchgang starten.

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