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Kind muss mit zur Arbeit

Erzieher streiken Kind muss mit zur Arbeit

Für berufstätige Mütter wie Bahar Girgin und Rashida Kahrimanovic kann es eng werden, sehr eng sogar. Denn wie sie in den kommenden Wochen ihre Kinder unterbringen sollen, ist völlig offen. Sie stehen mit ihren Sorgen nicht alleine da. Denn in Kiel bleiben die 40 städtischen Kitas wegen des Streiks der Betreuer mit Ausnahme einiger Notdienste im Grundsatz geschlossen. Da ist Improvisationstalent von Eltern gefordert. Und oft auch das Verständnis von Arbeitgebern.

Kiel. Darauf hofft Altenpflegerin Rashida Kahrimanovic inständig. Denn wenn es mit einer Ausweich-Unterbringung ihrer fünfjährigen Tochter in einer Ausweich-Kita eines freien Trägers nicht klappen sollte, bleibt nur eins: „Ich muss Alina zu meiner Arbeitsstelle mitnehmen. Mein Mann arbeitet den ganzen Tag auf dem Bau.“ Urlaub oder freie Tage kämen aufgrund ihrer Arbeitsverdichtung in der Pflege mit großer Wahrscheinlichkeit nicht in Frage. Verständnis für den Streik hat die 31-Jährige nur begrenzt: „Zu einer vernünftigen Austragung eines Tarifkonfliktes gehört auch, dass wir mit unseren Problemen nicht allein gelassen werden.“

Mit ihrem Betreuungsproblem allein gelassen fühlt sich auch Bahar Girgin. Ihre Mutter könne zwar gelegentlich, aber nicht über einen längeren Zeitraum hinweg einspringen. Auch der Arbeitgeber der Verkäuferin zeige nur begrenzt Verständnis für einen unbefristeten Streik. „Wahrscheinlich bin ich deshalb gezwungen, unbezahlte Urlaubstage zu nehmen. Und dieser Verdienstausfall ist totaler Mist.“

Kritik an diesem „massiven Druck auf Eltern“ kommt auch von der für Kiel zuständigen Kita-Landeselternvertretung. „Eltern sind gezwungen, sich zwischen beruflichen Anforderungen und kindlichen Bedürfnissen zu entscheiden“, moniert die Landesvorsitzende der Elternvertretung, Judith Wiederhold. Dieser Tarifkonflikt werde auf dem Rücken der Familien ausgetragen, insbesondere auf dem der Kinder.

Gleichwohl stünden die meisten Eltern hinter den Forderungen der Erzieher und beteiligten sich am Protest. Anforderungen an die pädagogische Arbeit hätten genau wie die zu bewältigenden Aufgaben zugenommen. Die finanzielle Wertschätzung dieser Arbeit sei „längst überfällig“. Es bedürfe einer Familienpolitik, die sich an den Bedürfnissen der Kinder orientiere, nicht an finanziellen Spielräumen von Kommunen, Kreisen oder Ländern.

Die Kieler Stadtverwaltung versucht mit Notdiensten in neun Kitas, die größten Härten aufgrund der wegbrechenden Kinderbetreuung zu mildern. Solche Notdienste für maximal 22 Kinder werden in folgenden Einrichtungen angeboten: Beselerallee (ab 12. Mai), Familienzentrum Gaarden, Goethestraße (ab 11. Mai), Johannesstraße (Außenstelle Schulstraße), Königsweg (ab 11. Mai), Marienwerderstraße, Osloring, Stolzeweg sowie Tiroler Ring (8. und 11. Mai). Allerdings könnten dort nur solche Kinder untergebracht werden, die diese Kitas ohnehin besuchen. Ein „Kita-Tourismus“ von Kindern anderer Einrichtungen werde nicht zugelassen.

Erlaubt hat die Stadt hingegen eine Elterninitiative, die zunächst in zwei Einrichtungen die Kinderbetreuung in eigener Regie übernehmen will. Da die Küchen dort auch während des Streiks weiter betrieben würden, sei die Versorgung der Kinder sichergestellt. Die Betreuung durch die Eltern erfolge ausschließlich in komplett bestreikten Einrichtungen.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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