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Mehr als eine Zweckgemeinschaft

Europawoche Mehr als eine Zweckgemeinschaft

In dieser Woche steht Kiel ganz im Zeichen von Europa. Doch was bedeutet Europa für den Bürger? Dass angesichts der Krisenmeldungen rund um Staatspleiten, Schulden, Brexit und des Streits um den Kurs in der Flüchtlingspolitik die europäische Idee am Scheideweg steht, ist unübersehbar.

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Die Schulband der Europaschule an den Auwiesen (Malente) spielt zum Auftakt der ersten Europawoche an der CAU.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Den Klagen stellten die Verantwortlichen zur Eröffnung der ersten Europawoche an der Christian-Albrechts-Universität (CAU) die Chancen Europas und die Anerkennung für die Leistungen entgegen. Bis zum 3. Juni leuchten rund 30 Veranstaltungen die unterschiedlichen Facetten der Staatengemeinschaft aus.

CAU-Vizepräsidentin und Schirmherrin der Europawoche, Prof. Ilka Parchmann, beschwor das Motto Europas „In Vielfalt geeint“, als sie feststellte, dass „Europa für uns an der Universität eine selbstverständlich gewordene Forschungsgemeinschaft“ geworden ist: Die EU steckt viele Fördermittel in die Wissenschaften und in Austausch- programme. Als leidenschaftlicher Europa-Befürworter zeigte sich auch Dr. Thomas Riecke-Baulecke, Direktor des Lehrerbildungsinstituts des Landes (IQSH), das zusammen mit der Universität und dem Verein „Europa macht Schule“ das pralle Programm organisierte. Er forderte einen offenen, kritischen Diskurs. Wie stark die europäische Idee an den Schulen bereits gelebt wird, machte Riecke-Baulecke an einer Zahl fest: Seit 2014 lernen 325000 Flüchtlingskinder (drei Prozent) an deutschen Schulen, die sich immer mehr als Schmelztiegel der Gesellschaft entpuppten. Die EU ein Bürokratiemonster, unfähig, schnelle Lösungen für die komplexen Probleme in einer globalisierten Welt zu finden? Nicht nur der Direktor fordert Zeit und Dialogbereitschaft, auch Festrednerin Astrid Damerow, Mitglied des Landtages und Vorsitzende des Fraktionsarbeitskreises Europa, mahnte, Europa sei und bleibe ein Langzeitprojekt. Die Europawoche, ist Stadtpräsident Hans-Werner Tovar überzeugt, biete die einmalige Chance, der europäischen Idee wieder neuen Glanz zu verleihen. Kiel und Europa sei eine Erfolgsgeschichte, verwies er unter anderem auf die internationalen Städtepartnerschaften und den Hafen als Ziel von 400000 Kreuzfahrtpassagieren. Während der Kieler Woche „schlägt das Kieler Herz für Europa besonders laut“. Dass man für Europa die Herzen gewinnen muss, räumte auch Jean-Claude Juncker, Präsident der EU-Kommission, in einem schriftlichen Grußwort selbstkritisch ein: „Europa ist das, was wir alle daraus machen.“ Nur in der Gemeinschaft könne man die Globalisierung in „unserem Sinn“ gestalten.

 Was wird aus Europa in der Zukunft? Koordinatorin Andrea Heering dankte den Malenter Schülern der Europaschule an den Auewiesen, die mit ihrer Band „Litschis“ die Eröffnung der Europawoche musikalisch begleiteten: „Toll, dass Ihr Euch für Europa engagiert. Ihr werdet es von uns übernehmen.“ Im Gegensatz zu den Erwachsenen hat Europa bei Kindern und Jugendlichen kaum an Strahlkraft verloren – trotz der aktuellen Krisenstimmung. „Man kann überall hin“, setzt etwa Moritz (14) Europa mit Frieden und Freiheit gleich. Für Osman (14) und Lia (11) bedeutet Europa, zusammen zu gehören und auch in schwierigen Lagen zusammenzuhalten, für Laura (13) ist der Staatenbund eine Gemeinschaft, in der jeder akzeptiert und respektiert werden sollte.

 Kritische Themen spart die Europawoche, die sich an ein breites Publikum richtet, ebenso wenig aus wie Chancen und Erfolge. So dreht sich heute ein Vortrag um Verbraucherschutz, ein anderer befasst sich mit dem Thema „Europa ist nicht, Europa wird gemacht – Das Beispiel der Insel Lampedusa“ (10 Uhr, Leibnizstraße 1, Räume 208a und 209a/b). Weitere Themen sind „Dem Milchzucker auf der Spur – eine europäische Detektivgeschichte“, die Währungsunion, europäische Werte als Schutz gegen Radikalisierung, nationale Stereotype im Unterricht, Forschungserfolge und EU-Bildungsprogramme.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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