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Genomforschung hilft dem Ackerbau

Expertentagung Genomforschung hilft dem Ackerbau

Im Zentrum für Molekulare Biowissenschaften tagen noch am Freitag in Kiel 50 internationale Experten, um sich über den aktuellen Wissensstand zu Erbinformationen von Pflanzenschädlingen auszutauschen. Das Treffen ist Teil einer Initiative innerhalb des EU-Programms Cost, das den Austausch zwischen Forschern verstärken will.

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In der EU gilt eine strenge Pestizid-Verordnung. Trotzdem sorgt der Einsatz von giftigen Substanzen gegen Pflanzenschädlinge immer wieder für Kritik. Genom-Forscher hoffen darauf, den umweltverträglichen Pflanzenschutz weiterentwickeln zu können.

Quelle: Foto: Patrick Pleul

Kiel. Was hat Pflanzenschutz mit Grippeviren zu tun? Für den britischen Professor Sophien Kamoun, Gastredner der internationalen Tagung in Kiel über umweltverträglichen Pflanzenschutz, sind es die Ähnlichkeiten im Kampf gegen Krankheitserreger. Wie Grippeviren sind auch Pflanzenschädlinge extrem anpassungsfähig, überwinden allzu oft Abwehrkräfte. Hier setzt die Genomforschung an – mit dem Ziel, einen Ackerbau zu ermöglichen, ohne großflächig Pestizide versprühen zu müssen.

 Welche Gene sind verantwortlich für die Angriffsstärke der Schädlinge, welche Mechanismen für ihre schnelle Anpassung an sich verändernde Umweltbedingungen? Es sind Themen wie diese, die Forscher wie Projektkoordinator Dr. Thomas Kroj und Prof. Eva Stukenbrock (Kieler Universität) umtreiben. Denn Jahr für Jahr kommt es weltweit zu riesigen Verlusten, weil Viren, Bakterien, Pilze oder Parasiten Ernten vernichten. Die Menge an Lebensmitteln, die dadurch verloren gehen, würden nach Angaben von Kamoun ausreichen, um Hunderte von Millionen Menschen zu ernähren: „Nach Schätzungen wird die Weltbevölkerung im Jahr 2040 auf neun Milliarden Menschen angewachsen sein.“ Man müsse den Feind kennen, beschreibt der britische Experte die Herausforderung an die Wissenschaft, herauszufinden, wie die Pflanzenpathogene sich entwickeln und es schaffen, die Widerstandskräfte der Pflanzen zu schwächen. Es schwingt fast so etwas wie Bewunderung mit, wenn er meint, dass man niemals gegen Schädlinge wetten soll. Ähnlich wie die Grippeviren, die jedes Jahr einen neuen Impfstoff erfordern, veränderten sie sich schnell.

 Aber es gelingt den Forschern immer besser, den Feind über sein Erbgut zu verstehen – dank Genom-Analysen und enormer Datenmengen, die helfen, die genetischen Grundlagen für das evolutionäre Wechselspiel zwischen Nutzpflanzen und ihren Schädlingen zu entschlüsseln. Dies sei von elementarer Bedeutung, um den natürlichen Pflanzenschutz nachhaltig zu stärken, unterstreicht Stukenbrock:. „Stück für Stück arbeitet unsere Forschung so auf einen ernährungssichernden Ackerbau ohne großflächigen Pestizideinsatz hin.“ Ein wichtiges Forschungsziel verschiedener Fachdisziplinen ist es jetzt, das neu gewonnene Wissen über Schädlinge und natürliche Resistenzen von Pflanzen gegen sie für Züchtungen zu nutzen.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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