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Bundeswehrfachschule wird Notunterkunft für Studierende

Extreme Wohnungsnot in Kiel Bundeswehrfachschule wird Notunterkunft für Studierende

Mit der Rekordzahl von rund 34000 waren noch nie so viele Studierende an den Hochschulen Christian-Albrechts-Universität (26000), Fachhochschule (7100) und Muthesius Kunsthochschule (627) eingeschrieben. Die Folge - extreme Wohnungsnot in Kiel.

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30 Betten in der ehemaligen Bundeswehrfachschule sind schon an Studierende vermietet.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Das Studentenwerk Schleswig-Holstein und die Landeshauptstadt Kiel haben nun landesweit erstmals eine ursprünglich für Flüchtlinge vorgesehene Unterkunft als Übergangsbleibe für Studierende zur Verfügung gestellt.

Schleswig-Holstein ist bundesweit Schlusslicht in der Versorgungsquote von Studentenwohnheimplätzen mit nur 5,6 Prozent (Bundesschnitt: 9,69 Prozent). 3000 Wohnheimplätze gibt es im Lande, 2000 davon in Kiel. Auf der Warteliste stehen in Kiel derzeit 498.

85 Studierende bekommen nun ein wenig Luft bei der Suche. Die ehemalige Bundeswehrfachschule in der Herthastraße, die der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gehört, stand bis auf das Erdgeschoss, in dem derzeit Geflüchtete leben, leer. Die dritte Etage wurde nun für Studierende bereit gestellt. Nach eineinhalb Tagen waren bereits 30 davon vermietet.

Neben 15 Zimmern mit zwei bis acht Betten gibt es gemeinsame Sanitäranlagen und Küchenräume. 100 Euro warm inklusive WLAN zahlen die Neu-Kieler für einen Monat. Verlängert werden darf aber nur zweimal. „Es ist eine Notlösung auf engem Raum, aber super, um erst einmal Luft für die Suche zu bekommen“, sagt Abdonrahmane Niang, der von der Türkei nach Kiel kam, um seinen Doktor in Soziologie zu machen. Der 37-jährige Senegalese hat zuvor vergeblich nach einer Bleibe gesucht.

Studienplatz bekommen, Schlafplatz noch nicht

Joscha Rauber war sogar kurz davor, seinen Master-Studienplatz nicht wahrzunehmen: „Ich habe erst vor vier Tagen die Zusage bekommen“, sagt der 27-Jährige Biologiestudent. Zum Semesterstart reiste er aus Gießen an, ohne zu wissen, wo er übernachten kann. „Am ersten Tag kam ich bei einer Bekannten unter, aber wenn ich nicht die Information vom Studentenwerk bekommen hätte, hätte ich notfalls auf der Straße schlafen müssen.“

Wie Rauber geht es vielen Studenten. „Die Wohnungssituation für Studierende ist prekär“, erklärt Timo Pawlytsch, hochschulpolitischer Referent vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA), der die Notbleibe sehr begrüßt. Grund sei vor allem der doppelte Abiturjahrgang, der nun an die Universitäten dränge. Besonders betroffen sind diejenigen, die durch das Losverfahren einen Platz an der Uni bekommen haben und innerhalb kurzer Zeit eine Wohnung finden müssen, sowie internationale Studierende, die sich aus dem Ausland eine Bleibe suchen und sprachliche Hürden nehmen müssen.

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Die Wohnungsnot der Studierenden ist zwar gewaltig. Aber eigentlich ist sie nur ein Beispiel für das generelle Wohnungsproblem, das Menschen mit kleinem Geldbeutel in Kiel haben. Es sind nicht nur die mehr als 1000 Studierenden, die in diesem Herbst noch keine Bleibe in der Landeshauptstadt haben.

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