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Wetterstation auf ungewisser Reise

FH Kiel Wetterstation auf ungewisser Reise

Eigentlich normale Studienroutine. Vier Master-Studenten der FH Kiel stellen die Abschlussarbeit eines Management-Projektes vor, in dem sie die Marktbedingungen für eine Art Wetterstation untersuchen sollten. Die Präsentation geriet zu einer Überraschung mit Show-Effekt: Unter den Klängen von „Final Countdown“ schickten sie einen Wetterballon auf eine ungewisse Reise, die in der Ostsee endete.

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Die Studenten Matthias Schramm, Niklas Lutz und Stefan Waje (Krister Faber fehlt auf dem Foto) sind glücklich ihre Wetterstation, die sie Anfang vergangener Woche in die Stratosphäre losgeschickt haben, wieder in den Händen zu halten. Sie haben sie per Post zugeschickt bekommen.

Quelle: vr: Volker Rebehn

Kiel. Seit vielen Jahren lehrt Prof. Bernd Waldeck Betriebswirtschaftslehre an der FH mit dem Schwerpunkt Marketing. Er lobt die studentischen Präsentationen als sehr gut. Ideengeber für die diversen Abschlussarbeiten war dieses Semester die Berliner Firma Leed (Laser Energy Environmental Detection). Neben einem Marketingkonzept für die Wetterstation regte sie Themen zu Plagiatsschutz bei Objekt-Ausleihen, Einbruchschutz, Modelabel, Sicherheitsweste, Brandschutzkamera, Kunststoff-Verölung, ein Gebietsüberwachungssystem und ein Programm zur Koordination von Bauprojekten an. Eine bunte Palette, die die Kreativität der neun studentischen Teams weckte.

 Das Quartett Niklas Lutz (25), Matthias Schramm (27), Stefan Waje (26) und Krister Faber (32) bot laut Waldeck Einmaliges: „Ich bin beeindruckt von den sehr guten Analyseergebnissen und ihrem großen Engagement, eine stilisierte Wetterstation aufsteigen zu lassen und wiederzugewinnen.“ Erst machten sich die Studenten über mögliche Konkurrenzverhältnisse für die Firma ebenso schlau wie über alle rechtlichen Grundlagen und Marktmöglichkeiten für Daten. Danach spielten sie das Ganze am Computer theoretisch durch, bis sie auf die Idee kamen, die abstrakte Dienstleistung für mögliche Kunden greifbar zu machen. „Die Firma braucht ein Symbol für die Datenauswertung und müsste ebenfalls Testläufe starten“, meint Schramm. Sie kauften sich einen Latexwetterballon, füllten ihn nach der Fach-Anleitung im Internet mit Helium, verstauten eine Kamera in einem kleinen Kasten und ließen die Wetterstation um 13.50 Uhr steigen. Dabei schien es bis eine Stunde vor der Präsentation fraglich, ob die Reise in Höhen von 30000 Metern überhaupt losgehen kann, da bis dahin noch eine Freigabe fehlte. Luftfahrtbehörde, Flugsicherung, Versicherungen, Polizei, Flughafen Kiel – alle mussten ihren Segen geben. „Wir haben hoch gepokert“, erzählen die Studenten von ihrem „kleinen Abenteuer zum Semesterende“, das ihnen aber gezeigt habe, wie sehr es sich lohne, dranzubleiben.

 Um 17.30 Uhr landete der Ballon zehn Kilometer östlich vor Rügen. Dabei hatten die Studenten, die dem Ballon bis nach Rostock nachreisten, um ihn zu bergen, Barth auf dem Darß als Zielort errechnet. Doch die Windgeschwindigkeit und andere Unbekannte haben den Ballon abgetrieben. Wo er sich befand, erfuhren sie durch Anrufe ans GPS-Modul. Die erste Rückantwort per SMS mit der Angabe „unbekannter Ort bei Ostsee“, erinnern sie sich lachend, ließ sie noch rätseln. Doch an Hand der Koordinaten fanden sie heraus, wo die Station gelandet war – glücklicherweise zufällig auf der Kontrollstrecke der Wasserschutzpolizei, die sie dann einen Tag später herausfischte, nachdem Waldeck zuvor ein Amtshilfeersuchen an sie gemailt hatte. Ihren ramponierten Ballon erhielten die vier diese Woche per Post zurück. Jetzt machen sie sich an die Kamera-Auswertung.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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