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Studenten stemmen sich gegen Aus

FH-Wohnheim Jägersberg Studenten stemmen sich gegen Aus

Aufgeben wollen sie nicht. Die Bewohner des Studentenwohnheims am Jägersberg in Kiel hoffen noch auf eine Lösung für den Erhalt. „Wir verstehen einfach nicht, warum studentischer Wohnraum vernichtet werden soll, obwohl der in Kiel im Moment so knapp ist“, sagt Mila Lütjohann.

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Ihre Botschaft ist klar: Andreas Schneider, Insa Hollenberg, Mila Lütjohann und Anna Carina Lange protestieren gegen die geplante Schließung des Wohnheims im Jägersberg.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Die 26-Jährige sitzt mit drei Mitbewohnern in der großen Küche des alten Bürgerhauses. Unzählige Plakate im Treppenhaus zeugen von den vielen Studentengenerationen, die hier schon gelebt haben. Auch in der Küche haben sie ihre Spuren hinterlassen. Aufkleber und Postkarten hängen an den Küchenschränken, der Fußbodenbelag ist abgewetzt, einige Pflanzen wachsen hier offensichtlich schon viele Jahre. Die offene Terrassentür gibt den Blick frei in den Garten, zwei Hängematten schaukeln zwischen Bäumen, auf der Terrasse wachsen Kräuter. „Es ist etwas Besonderes, hier zu wohnen. Das Haus hat eine Ausstrahlung, die andere Wohnheime nicht haben. Dieses Gefühl wollen wir für andere Generationen erhalten“, sagt Lütjohann. Es gehe ihnen nicht darum, ihre eigene Wohnung zu retten, das betonen alle vier. „Wir kommen schon irgendwo unter. Aber es wäre einfach mega-schade, wenn das hier alles verloren ginge“, sagt Andreas Schneider.

 Im Moment sieht es allerdings so aus, als wären sie die letzten Studenten, die im Jägersberg 14 gewohnt haben. Denn ihre Mietverträge laufen Ende August aus, die Fachhochschule Kiel, die Eigentümerin des Gebäudes ist, will das Haus dann aufgeben. Schon seit zwei Jahren sind keine neuen Studierenden mehr eingezogen, acht Zimmer stehen derzeit leer. Schon 2014 wollte die Hochschule die Mietverträge der Bewohner kündigen. Damals begründete die FH ihre Entscheidung mit den hohen Kosten für eine Sanierung des Gebäudes. Auch aufgrund des Protestes der Bewohner gab die FH ihnen noch einen zweijährigen Aufschub.

 Das alte Bürgerhaus im Zentrum Kiels ist seit 1981 ein Studentenwohnheim. Die Besitzerin des Hauses, Gertrud Schlüter-Göttsche, verfügte, dass das Gebäude nach ihrem Tod in den Besitz der Fachhochschule übergehen sollte, damit dort Studierende wohnen können. Dafür wurde eine Stiftung gegründet. Das Studentenwerk fungierte als Verwaltung, wie bei anderen Wohnheimen auch.

 Im Januar dieses Jahres, erzählen die Bewohner, schickte das Studentenwerk ihnen eine Mail, dass der Verwaltungsvertrag gekündigt wurde und das Studentenwerk nicht mehr für sie zuständig sei. Seitdem überweisen die sechs Studierenden zwar weiterhin regelmäßig ihre Miete auf das Konto des Studentenwerks. Das Geld kommt seitdem aber ebenso regelmäßig wieder zurück. „Wir haben einen Anwalt eingeschaltet und über ihn bei der FH anfragen lassen, wohin wir die Mieten überweisen sollen. Bis heute haben wir keine Antwort erhalten“, sagt Insa Hollenberg. Die 21-Jährige erzählt, dass der Senat der FH im April außerdem beschlossen habe, die Stiftungssatzung zu ändern und die Stiftung damit faktisch aufgelöst worden sei.

 Die Fachhochschule will sich derzeit nicht zum Wohnheim Jägersberg äußern. Klaus-Michael Heinze, Kanzler der FH, bestätigte aber, dass nach dem 31. August die Nutzung des Gebäudes als Wohnheim aufgegeben und das Haus verkauft wird.

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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