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Die Stimmen der Stars

„Faces Behind The Voices“ Die Stimmen der Stars

Die Ausstellung „Faces Behind The Voices“ würdigt einen Künstlerberuf der extremen Spaltung in Prominenz und Anonymität: Synchronschauspieler. Initiator und kreativer Kopf ist der in Berlin lebende Marco Justus Schöler, der die Ausstellung jetzt im Hauptbahnhof Kiel eröffnete.

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Marco Justus Schöler, in Berlin arbeitender Fotograf, eröffnete seine Ausstellung „Faces Behind The Voices“ im Kieler Hauptbahnhof und lauschte noch einmal ins Statement von Tilo Schmitz, Synchronschauspieler mit Bassstimme für Ron Perlman in „Hellboy“, Ving Rhames in „Mission Impossible“ und Kater Karlo.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Claudia Urbschat-Mingues? Nie gehört. Oder doch? Ihr großes Porträtfoto, seit Montag im Kieler Hauptbahnhof zu sehen, lädt dazu ein, den Kopfhörer aufzusetzen, am fest installierten Tablet-Computer die Play-Taste zu drücken und eine angenehm sanfte Stimme zu hören, die sagt: „Ich bin die deutsche Stimme von Angelina Jolie.“ Dann die Tonlage wechselt und erklärt, sie spreche auch das Nilpferd in „Madagaskar“. Und außerdem sei sie ziemlich oft im Fernsehen zu hören. Zum Beispiel mit diesem Satz: „Hier ist das erste deutsche Fernsehen mit der Tagesschau.“

„Als ich mit meiner Freundin zum x-ten Mal ,Shutter Island’ sah und dann Leonardo DiCaprio diesen langen Monolog sprechen hörte, da fragte ich mich, wie der Sprecher wohl aussieht“, sagte Schöler zur Eröffnung. Das herauszufinden, war leicht. „Schwierig war die Kontaktaufnahme. Denn die Synchronschauspieler leben im Internet in der Anonymität, und viele ihrer Agenturen blocken ab, wenn kein Geld zu verdienen ist.“ Schließlich habe er 80 Synchronsprecher angeschrieben, „ganz altmodisch, per Post. Geantwortet haben vier, was eine miserable Quote ist.“ Doch alle vier lebten in München, und so konnte der 26-Jährige, der gleich nach dem Abitur in Mannheim nach Berlin gezogen war, ein Jahr lang bei Fotografen assistiert und sich mit 21 selbstständig gemacht hatte, mit überschaubarem Aufwand die ersten vier auf einen Streich treffen.

Überzeugende Reaktionen der Künstler

Wie überzeugend diese die Idee und das Auftreten des Fotografen fanden, ist in dessen multimedialer Ausstellung im Hauptbahnhof immer wieder mal zu hören. So sagt der inzwischen gestorbene Norbert Gastell, der Homer Simpson synchronisierte: „Was Marco macht, finde ich wunderbar. Dass man endlich mal aus der Anonymität herauskommt. Jeder sagt: Synchronsprecher. Aber wir sind Synchronschauspieler.“ Etwa 100 seien es, die der Mehrzahl der Stars ihre deutsche Stimme gäben, erklärte Schöler, „und die kennen sich untereinander“. Gerrit Schmidt-Foss (Leonardo DiCaprio) und Dennis Schmidt-Foss (Eddie Murphy) zum Beispiel sind Brüder, Dennis ist der Schwiegersohn von Manfred Lehmann (Bruce Willis, Kurt Russell, Gérard Depardieu) – ob man sich wohl im falschen Film wähnte, wenn man zufällig ihr Dreier-Gespräch am Nachbartisch hörte?

Die ersten vier gaben Schöler denn auch die Handynummern vieler ihrer Kolleginnen und Kollegen. „Das hat mir Türen geöffnet.“ 30 Synchronschauspieler fotografierte er, immer vor demselben Hintergrund, und nahm deren Statements auf, in denen sie ihre Rollen zitieren oder auch sehr persönlich werden, wie Claudia Urbschat-Mingues: „Ich habe eine Insuffizienz der Stimmbänder, fand aber eine wunderbare Logopädin. Heute kann ich sagen: Mein Potenzial ist meine kaputte Stimme und vor allen Dingen, dass ich meine Grenzen kenne.“

Unterstützung der regionalen Wirtschaft

Sponsoren der Ausstellung, die in fünf deutschen Bahnhöfen mit Erfolg gezeigt wurde, sind neben der DB, Ihr Einkaufsbahnhof, der Werbegemeinschaft Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein auch GeloRevoice, ein Mittel gegen Heiserkeit des Herstellers Pohl-Boskamp in Hohenlockstedt. Der Tipp, dort anzufragen, sei von den Synchronschauspielern gekommen, berichtete Schöler. Sein nächstes Projekt? „Darüber möchte ich noch nicht reden. Nur so viel, als Teaser: Es geht um L.A. und einen guten Zweck.“

Die Ausstellung

„Faces Behind The Voices“ ist bis zum 28. Juli im Hauptbahnhof zu sehen.

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Ein Artikel von
Christian Trutschel
Lokalredaktion Kiel/SH

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