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Ein Klassenraum für alle Fälle

Fachhochschule Kiel Ein Klassenraum für alle Fälle

Unterricht im Nichts: Die Fachhochschule Kiel macht es möglich. Forscher entwickeln eine autarke Zeltanlage für entlegene Gebiete.

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Sven Olaf Neumann (links) und Diplom-Ingenieur Andreas Jeromin diskutieren am Modell eines mobilen Klassenzimmers mit kombinierter Windenergieanlage über mögliche Einsatzorte der energetisch autarken Einrichtung.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Am Anfang sollte es nur eine Machbarkeitsstudie werden. Doch die Idee, einen mobilen, energetisch autarken Klassenraum für den weltweiten Einsatz in nicht erschlossenen Gebieten zu entwickeln, mündete an der Fachhochschule Kiel in ein konkretes Projekt. Prof. Sven Olaf Neumann und Diplom-Ingenieur Andreas Jeromin haben in Zusammenarbeit mit Studierenden des Fachbereichs Maschinenwesen ein erstes Demonstrationsmodell entworfen. Am Ende der Entwicklung soll ein „Power Classroom“ mit einer Grundfläche von 20 mal 20 Metern und einer Höhe von 21 Metern stehen.

 „Wir stehen noch ganz am Anfang“, sagt Sven Olaf Neumann. Der FH-Professor hatte zusammen mit seinem FH-Kollegen Prof. Peter Alois Schaffarczyk, Andreas Jeromin und dem Hamburger Luft- und Raumfahrtingenieur Merlin Bungart vor eineinhalb Jahren die Initiative „Angewandte Technologien für Menschen“ (ATeM) – Wind und Wasser nutzen für humanitäre Zwecke – unter anderem mit dem Ziel gegründet, mit engagierten Ingenieuren „nachhaltige Projektszenarien zu entwicklungshilferelevanten Fragestellungen“ zu entwerfen. Studierende, aber auch Schüler sollten mit ins Boot genommen und für sinnvoll eingesetzte Technik begeistert werden.

 In den Fokus der ersten Fragestellung wurde der allseits knappe Lehrraum gestellt. Da in Kiel bekannt war, dass Dr. Elmar Wolff von der Universität Witten/Herdecke bereits am Einsatz mobiler Zelte im afrikanischen Uganda arbeitet, wurde dieser in die Landeshauptstadt eingeladen, wo er über das Uganda-Projekt berichtete. Die Kieler griffen die Zeltidee auf und „basteln“ seit einem Jahr an einem Zeltprototypen, der achtmal acht Meter groß und 10 Meter hoch werden soll. Ein Ziel, das aber noch in weiter Ferne liegt.

 Schnell wurde ihnen klar, dass man nicht so einfach Zeltstoff nehmen kann, um daraus ein Zelt zu nähen. „Alles wurde plötzlich ein komplexes Gebilde“, sagt Olaf Neumann. Fragen zur Sicherheit, zum energetischen Konzept, nach möglichen Einsatzgebieten oder zur Nachhaltigkeit müssen beantwortet werden. Studierende beschäftigen sich in Masterarbeiten mit diesen Themenkomplexen. Vor allem an den Computern haben sie viel gerechnet. Ein Ergebnis ist die grundlegende, pyramidenähnliche Form, nach der bereits ein kleines Zeltmodell gebaut und im Windkanal der Fachhochschule getestet wurde. „Wir haben verstanden, was technisch vor sich geht. Zum Sprung vom Rechner auf ein Großmodell trauen wir uns aber noch nicht“, sagt Andreas Jeromin.

 Dass dieser Schritt gemacht wird, davon gehen alle im ATeM-Team aus. Klappt alles, könne der Prototyp in etwa zwei Jahren fertig sein. Bis zum großen, einsatzbereiten Power Classroom könnten weitere sechs Jahre vergehen. Dabei stehe der Zeitfaktor, so Sven Olaf Neumann, nicht im Vordergrund. Das Begeistern von Studierenden für solche Projekte sei wichtiger. Das sei auch für die ATeM-Leute Herausforderung und Antrieb genug, neben ihrem eigentlichen Hochschuljob an solchen Leuchtturmprojekten mitzuarbeiten. Hat das Team die Technik im Griff, soll auch die Frage der Finanzierung geklärt werden. Bis zur Herstellungsreife, so schätzen die Initiatoren, wird das Projekt Power Classroom ungefähr 150000 Euro kosten.

 Solche mobilen Zelte könnten weltweit als Klassenzimmer oder überall, wo Workshops – etwa in der Nähe von Windparks und am Meer – oder Veranstaltungen unterschiedlichster Art aufgestellt werden. Eine weitere Einsatzmöglichkeit wäre, sie für die Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen.

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