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Segeln mit sozialer Note

„Fässchen-Race“ Segeln mit sozialer Note

Von wegen elitär. Beim jedes Jahr zur Kieler Woche ausgetragenen „Fässchen-Race“ der Seglervereinigung Kiel (SVK) geht es nicht um noble Pokale, sondern um kleine blecherne Bierbehältnisse. Und die werden nicht einmal nach sportlicher Leistung vergeben, sondern verlost.

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Sie alle und noch einige Wassersportler mehr waren beim „Fässchen-Race“ der Seglervereinigung Kiel am Start.

Quelle: Martin Geist

Kiel. So geschah das nun wieder am Donnerstagabend, als zehn Crews am Steg, der neuerdings Gustav-Garbe-Brücke heißt und damit an eine der wichtigsten Personen der Revolution von 1918 erinnert, bei fordernd-launischem Wind ins Rennen um die Fässchen gingen. Ihre Arbeit taten Skipper und Besatzung auf teils bemerkenswerten Booten. Etwa auf Lars Mückes „Momo“, mit 116 Jahren das älteste im Verein und der ganze Stolz seines Besitzers. Kein Wunder. „Nicht gebastelt, sondern geschreinert“ hat er nach eigenen Worten, um aus dem ehemaligen Wrack ein so hübsches Boot zu machen, dass es jetzt beim Kieler Rendezvous der Klassiker mit dem dritten Preis ausgezeichnet wurde.

 Ebenfalls dabei war der Segelkreuzer „Argo“. Der ist nach mehrmonatigen Verschönerungsarbeiten auch sehr hübsch anzuschauen und hat außerdem spezielle innere Werte. Die „Argo“ segelt unter Flagge des Drogenhilfevereins Odysee, sechs Männer und zwei Frauen sind derzeit nach ihrem Entzug dabei, auch mit Hilfe des Segelns wieder im Leben Fuß zu fassen. Bernd Löwner, der dieses Projekt leitet, mag damit nicht allzu sehr auf den Putz hauen. Zwar glaubt er daran, dass Segeln die Gemeinschaft und den Zusammenhalt fördert, doch konkrete Erfolge zu messen, das hält er für schwierig. Sicher ist für ihn aber: „Es macht allen Beteiligten Spaß.“ Was offenbar für die 700 Mitglieder der SVK allgemein gilt. Der nach dem Kieler Yachtclub größte Segelverein der Stadt steht stabil da, altersbedingte Abgänge werden regelmäßig durch jüngere Neuzugänge ausgeglichen. Dazu trägt sicher die Offenheit des im Sportboothafen Wik heimischen Vereins bei. Jeden Montag und Mittwoch bietet er After-Work-Segeln zum Reinschnuppern an und lockt damit so manche dauerhaft an Bord.

 Auch die seit Jahren gepflegte Kooperation mit Odysee fördert den Ruf der SVK, die überhaupt eine große soziale Tradition vorweisen kann. Gegründet worden ist der jetzige Verein zwar erst 1950, seine Wurzeln sind aber noch etwa 50 Jahre älter und liegen in der Freien Turnerschaft Wassersport, dem einstmals wichtigsten maritimen Ableger der Arbeitersportbewegung in Kiel.

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