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Polizei intensiviert Ermittlungen

Fahrraddiebe in Kiel Polizei intensiviert Ermittlungen

Auf mehr als eine Million Euro schätzt Frank Leßmann, Revierleiter des dritten Polizeireviers in Kiel, die Schadenshöhe der bisher in diesem Jahr geklauten Fahrräder. Jetzt intensivieren die Beamte die Ermittlungen bei Fahrraddiebstählen.

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Frank Leßmann (rechts) und Olaf Wigger vom 3. Polizeirevier stellten gestohlene Fahrräder sicher.

Quelle: Frank Peter

Kiel. „Durchschnittlich werden mindestens 500 Euro in ein Fahrrad investiert, selbst die billigen Räder aus dem Baumarkt sind teurer geworden.“ In Kiel wurden allein in diesem Jahr 1700 Fahrraddiebstähle angezeigt. „Die Dunkelziffer ist höher. Einige zeigen den Diebstahl gar nicht an, weil sie wissen, dass sie es nicht zurückbekommen.“

Im Zuge des Kriminalitätsbekämpfungssystems arbeitet seit rund zwei Monaten eine aus fünf Personen bestehende Ermittlungsgruppe intensiv an der Bearbeitung von Fahrraddiebstählen. Dafür wurden die Polizisten von ihren normalen Aufgaben entbunden, um sich der Sachbearbeitung zu widmen.

Täter haben keine bestimmte Tageszeit

Einer von ihnen ist Olaf Wigger. Der Hauptkomissar ist täglich mit Kollegen auf der Straße unterwegs, um Fahrraddiebe aufzuspüren. „Die Täter haben keine bestimmte Tageszeit. Sie schlagen sowohl tagsüber als auch nachts zu“, erklärt Wigger. „Die Streifenpolizisten können lediglich mal einen Blick auf die Fahrräder werfen, eine intensive Beobachtung der Diebstahlbrennpunkte ist dabei nicht möglich“, ergänzt er.

Frank Leßmann ist zufrieden mit der Arbeit seiner Ermittlungsgruppe. „Auf dem Revier werden jetzt die Ermittlungen zentralisiert, sodass nicht mehr jedes Revier für sich an den Fällen arbeitet.“ Diese Intensivierung sei nur möglich, weil die Ressourcen an anderer Stelle eingespart würden. „Wenn in der dunklen Jahreszeit die Wohnungseinbrüche wieder zunehmen, werden wir die Leute dafür nicht mehr haben“, erklärt Leßmann.

Immerhin wurden seither fünf Täter auf frischer Tat ertappt, 31 Fahrräder sichergestellt und gegen 30 Männer wird derzeitig wegen Fahrraddiebstahls ermittelt. „Alle sind bereits polizeibekannt, teilweise seit Jahren“, sagt Olaf Wigger. Die Herkunftsländer der Täter sind vielfältig. Neben Deutschen klauen unter anderen Bulgaren, Tschechen, Polen, Letten, Angolaner, ein Ecuadorinaer und Serben Kieler Fahrräder. „Die Freizügigkeit durch Schengen erleichtert den Diebstahl natürlich enorm“, so Wigger.

"Die Leute fahren mehr Fahrrad"

Die Strukturen hinter den Diebstählen aufzuklären, ist die große Herausforderung der Kieler Polizei. Revierleiter Leßmann erklärt die Diebstähle einerseits mit der Beschaffungskriminalität Drogenabhängiger, andererseits mit dem Gewerbe und der Nachfrage auf dem osteuropäischen Markt. „Fahrradfahren ist in Osteuropa nicht so populär wie in Westeuropa“, sagt Wigger, „da ist die Nachfrage nach Fahrrädern vorhanden.“ Für den hohen Anstieg der Diebstähle hat Oliver Pohl, Sprecher der Polizeidirektion Kiel, eine weitere Erklärung: „Die Leute fahren mehr Fahrrad. Die Velorouten werden ausgebaut, die Zahl der Studenten steigt. Der Diebstahl ist die Kehrseite der Medaille.“ Nachdem zuletzt ein 51-jähriger Täter aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, war dieser bereits kurz darauf wieder tätig. Über Haft entscheidet die Polizei nicht. „Wir bekämpfen Kriminalität nicht, wir kontrollieren sie“, so Oliver Pohl, „das ist Teil unseres Selbstverständnisses.“

Um sein Fahrrad so gut wie möglich zu schützen, rät die Polizei zu einem hochwertigen Schloss, mit dem das Fahrrad an einem Mast oder an einem Fahrradständer sicher angeschlossen werden kann. Mittlerweile sind jedoch auch Fälle bekannt, in denen die bisher als unknackbar geltenden Faltschlösser aufgebrochen worden sind. Zudem bittet die Polizei die Bevölkerung um zügige Benachrichtigung und Hinweise, sobald eine Person verdächtig erscheint.

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Ein Artikel von
Fatima Krumm
Volontärin

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