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Inflation guter Examensnoten

Fairness in Gefahr Inflation guter Examensnoten

Bereits seit den 70er-Jahren begann ein Trend an den deutschen Hochschulen, der bis heute anhält: Die Noten fallen immer besser aus. Zu diesem Schluss kommen jetzt zwei Professoren der Uni Flensburg, die in einem Buch die bislang umfassendste Untersuchung deutscher Examenszensuren vorlegen.

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Die Noten an den deutschen Hochschulen fallen immer besser aus. Zu diesem Schluss kommen jetzt zwei Professoren der Uni Flensburg.

Quelle: Peter Kneffel

Flensburg. Angesichts der Inflation guter Noten schlagen sie Alarm: Zu große Unterschiede zwischen den Fächern und Hochschulen führten zu Ungerechtigkeiten. In einem von der Forschungsgemeinschaft unterstützten dreijährigen Projekt nahmen Gerd Grözinger, Professor für Sozial- und Bildungsökonomik, und Volker Müller-Benedict, Professor für Forschungsmethoden und Statistik, 138 000 Prüfungsakten mit mehr als 700 000 Examensnoten von 1968 bis 1996 unter die Lupe.

Mit Hilfe der Daten der elektronischen Prüfungsdatenbank im statistischen Landesamt Kiel erweiterten sie die Sammlung auf sämtliche Hochschulen bis zum Jahr 2013. Dazu kamen Gruppeninterviews mit Studenten und Studentinnen, die vor der Prüfung standen. Demnach schlug sich die Noteninflation am stärksten im Fach Deutsch für das Lehramt nieder. Auf der Skala zwischen 4 (gerade noch bestanden) und 1 (ausgezeichnet) verbesserten sich die Zensuren im Schnitt um mehr als eine ganze Note – in Biologie am geringsten, aber mit immerhin noch 0,6.

Eine weitere Beobachtung: Die Zensuren entwickeln sich in ihrer Höhe in Zyklen. Die Absolventen schnitten umso besser ab, je besser die Arbeitsmarktlage war und je weniger Studierende an die Hochschulen drängten. Verschlechterten sich die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt, wurden durch strengere Zensuren die „Guten“ ausgewählt.

Info: „Noten an Deutschlands Hochschulen 1960 bis 2013“, von G. Grözinger/V. Müller-Benedict, Springer VS-Verlag, 29,99 Euro.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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Seit Jahren klagen Fachverbände darüber, dass Einser-Abis keine Besonderheit mehr sind. In Berlin hat sich die Zahl der Zeugnisse mit der Spitzennote in den vergangenen zehn Jahren gar vervierzehnfacht.

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