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Protest gegen Geröllambiente am Deich

Falckensteiner Strand Protest gegen Geröllambiente am Deich

Der Klimawandel lässt die Ostsee steigen, Deiche müssen verstärkt werdeen. Doch die Planung der Landesregierung für den Falckensteiner Strand in Kiel stößt im Rathaus auf wenig Gegenliebe: Man befürchtet massive Schäden für den Naherholungs- und Naturraum sowie den Denkmalschutz.

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Der Falckensteiner Strand braucht einen besseren Deichschutz, da es in den vergangenen Jahren immer mehr zu Fluten und Ausspülungen gekommen ist. Die bisherige Vorplanung des Küstenschutzes lässt die Stadt Kiel jedoch massive Eingriffe in den Naturraum fürchten.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Bürgermeister Peter Todeskino hat seine erheblichen Bedenken gegenüber dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz in einem Brief festgehalten. Politischen Rückenwind bekam er jetzt vom Bauausschuss.

Der gesamte Planbereich liegt im Landschaftsschutzgebiet „Zwischen Heischer Tal und Schilkseer Steilküste“. Es ist vor allem die Möglichkeit, dass durch die Deichverstärkung große Teile des Strandes verschwinden könnten, die nicht nur den Grünen Arne Langniß schockiert. „Wir wollen keine Büsumer Schüttung mit Geröllambiente“, machte Todeskino klar, „das Land muss uns entgegenkommen. Der Falckensteiner Strand mit der einzigen Seefestung Deutschlands gehört zur touristischen Attraktion“. Dass aber der Deichschutz angesichts der zunehmenden Verlandung verbessert werden muss, bestreitet Todeskino nicht: „Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie.“ Die vorgeschlagenen Varianten mit einer „Begradigung“ der Außenwälle und Überbauung kämen aber seiner Ansicht nach einer Teil-Zerstörung des Denkmals Seefestung, vieler Biotope und Strandflächen gleich – mit gravierenden Folgen für das Stadtbild und den Artenschutz. Todeskino bittet die Behörde, die Bedenken der Stadt zu berücksichtigen und im Rahmen eines architektonisch-freiräumlichen Wettbewerbs in die weitere Planung aufzunehmen. Zudem sollten die Küstenschützer den aktuellen Stand ihrer Pläne den Ortsbeiräten und dem Bauausschuss vorstellen.

Preußischer Deich und Wildbienenschutz

In einer mehrseitigen Stellungnahme listet Todeskino die Hauptkritikpunkte auf. Nach der derzeitigen Lösungsvariante eines Husumer Ingenieurbüros würde ein Teil der Außenwälle der Festung seine historischen Formen verlieren. Das Bauwerk sollte nach Abschluss der Arbeiten aber weiterhin erkennbar und „sich in seinem Bestand als preußischer Deich darstellen“. Eine Begradigung würde zudem das besondere Stadtbild zerstören. „Bereiche, an denen sich heute noch Strandabschnitte befinden, werden mit einer Steinschüttung versehen und vollkommen überformt“, fürchtet der Bürgermeister. Zudem sollen laut Vorplanung fast alle Biotope durch den neuen Deich überbaut werden, was die marine Gemeinschaft in den Dünen, Strandseen und -wälle bedrohen könnte. Das Vorland in Höhe des Leuchtturms ist zudem ein bevorzugter Lebensraum für Wildbienen, die zu den besonders geschützten Arten gehören. Ungefähr ein Viertel der landesweit vorkommenden Wildbienenarten finden in den Küsten- und Strandabschnitten Kiels geeignete Lebensräume. Allein am Falckensteiner Strand, gibt der Stadtrat zu bedenken, kommen über 30 Wildbienen- und 20 Wespenarten vor, von denen etliche in der Roten Liste geführt werden.

Eine Antwort des Landesbetriebs steht noch aus. Auch der Ortsbeiratsvorsitzende von Pries/Friedrichsort, Hans-Meinert Redlin, hofft jetzt bei den Planern „auf einen Reflex zur Änderung“.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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