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Strafzettel mit Spendenaufruf

Falsche Knöllchen Strafzettel mit Spendenaufruf

Auf den ersten Blick sieht das Knöllchen echt aus. Die rote Farbe, die Schrifttype, das Wappen der Landeshauptstadt in der oberen rechten Ecke – all das ist stimmig. Nur wer genauer hinsieht und den Text studiert, wird unweigerlich stutzig.

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Täuschend echt aber doch eine Fälschung.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Denn auf dem Zettel wird dem Autofahrer quasi ein Deal angeboten: Der Falschparker könne das fällige Bußgeld in ein „Verwarngeld“ von fünf Euro umwandeln, wenn er sich innerhalb von 48 Stunden bei einem städtischen Lehrgang anmeldet. Auch könne er mindestens fünf Euro an den Tierpark Arche Warder spenden – dann sei sein Regelverstoß abgegolten, wird auf dem vermeintlichen Strafmandat vorgeschlagen. Das Kieler Bürger- und Ordnungsamt warnt jetzt vor diesen gefälschten Knöllchen, die im Stadtteil Südfriedhof aufgetaucht sind. Außerdem prüft die Stadt eine Anzeige gegen die unbekannten Täter.

„Die gefälschten Knöllchen sind schon sehr professionell gemacht“, sagt Stadtsprecher Arne Gloy. Im entscheidenden Punkt unterschieden sich die Fälschungen aber vom Original: „Echte Knöllchen haben nur den Zweck, den Fahrzeugführer auf eine begangene Ordnungswidrigkeit hinzuweisen“, sagt Gloy. „Sie enthalten keinerlei Aufforderungen oder Vorschläge.“ Auch der Betrag, der fürs Falschparken fällig werde, stehe erst in einem Schreiben, das die Bußgeldstelle an den Halter des Autos verschickt.

Jedes Jahr leitet das Kieler Ordnungsamt gut 250000 sogenannte Verkehrsordnungswidrigkeitsverfahren ein. In keinem einzigen dieser Fälle ist es den Verkehrssündern aber möglich, ihre Strafe durch die Teilnahme an einem speziellen Seminar oder durch eine Spende abzumildern, betont Gloy. „Dementsprechend wird es den Fahrzeughaltern auch nichts nützen, eine Kopie ihres Kontoauszugs als Spendennachweis an die Bußgeldstelle zu senden“ – doch genau das gaukelt das Fake-Strafmandat vor. Ein Sonderprogramm, das angeblich „Pimp your Führerschein“ heißen soll, gibt es genau so wenig wie das angebliche „Team Kiel Südfriedhof“ der Verkehrsüberwachung, das laut Knöllchen-Aufdruck die Verwarnungen verteilt haben soll.

Wer die falschen Politessen sind, ist derzeit völlig unklar. Sicher ist hingegen, dass sich die Verantwortlichen selbst eine dicke Strafe einfangen könnten. Die Arche Warder zeigte sich am Mittwoch überrascht, dass ihr jetzt ein großer Geldsegen von Kieler Falschparkern bevorstehen könnte. Laut „Knöllchen“ sollten die unfreiwilligen Spender als Verwendungszweck „Poitou-Esel“ angeben – eine gefährdete Großeselrasse aus dem Südwesten Frankreichs. Gegenüber der Stadt distanzierte sich der Tierpark von den falschen Knöllchen und versicherte, es handele sich nicht um eine besonders perfide Form von Guerilla-Marketing.

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