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Aufregung um die „Sailing Yacht A“

Falschmeldungen Aufregung um die „Sailing Yacht A“

Die britische Zeitung „Daily Mail“ meldet, dass die in Kiel produzierte Mega-Jacht, die derzeit erste Probefahrten absolviert, wegen der hohen Masten die Ostsee gar nicht verlassen kann. Das ist so nicht richtig.

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Das Schiff ist so konzipiert, dass es sehr wohl auf dem Weg von Kiel in den Atlantik die dänischen Meerengen passieren kann.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Das deutsche Internetportal t-online hat die Geschichte am Dienstag ungeprüft aufgenommen und im Netz verbreitet, wo es seitdem hämische Kommentare hagelt.

Dabei sind jedoch einige Fakten durcheinander geraten. Denn das Schiff ist so konzipiert, dass es sehr wohl auf dem Weg von Kiel in den Atlantik die dänischen Meerengen passieren kann – durch den Drogden-Kanal vor Kopenhagen, der auch groß genug für Kreuzfahrer wie die „Aidaluna“ oder große Tanker ist.

Die Berichterstattung der britischen Journalisten war nicht korrekt. So haben sie den Drogden-Kanal in einer Erklärgrafik kurzerhand mit dem Nord-Ostsee-Kanal verwechselt und nach Schleswig-Holstein verlegt.

Die Dailiy Mail hat in einer Grafik den Nord-Ostsee-Kanal mit dem Drogden-Kanal verwechselt.

Quelle: Screenshot/Daily Mail

Richtig an ihrer Darstellung ist lediglich, dass die bis zu 90 Meter hohen Masten eine Passage unterhalb der Öresund-Brücke (57 Meter Höhe) und Beltbrücke (65 Meter Höhe) unmöglich machen. Anders als von den Briten berichtet, hat das Schiff jedoch einen Tiefgang von deutlich unter acht Metern. Bei den am 4. Oktober begonnenen Testfahrten kommt das Schiff auf 7,40 bis 7,60 Meter Tiefgang.

„Anscheinend gibt es den Erdkundeunterricht nicht mehr“, war der knappe Kommentar von der Kieler Werft German Naval Yards. Der Drogden war beim Bau der Öresundbrücke von 1992 bis 2000 extra für solche Schiffe angelegt worden. Als Dänemark in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts mit dem Bau der Brücken über Belt und Sund begann, hatten Ostseeanrainer wie Finnland und Russland gegen die ausschließliche Querung durch Brücken protestiert. Dänemark passte die Pläne an und ließ zwar den Großen und den Kleinen Belt komplett mit Brücken überspannen. Beim Öresund zwischen Dänemark und Schweden gab es aber eine Doppellösung. Die eine Hälfte der Meerenge zwischen Kopenhagen und Malmö ist mit einer Brücke überspannt. In der Mitte des Sunds wurde die künstliche Insel Pepperholm aufgespült. Auf diesem Eiland wechseln Straßen- und Schienentrasse von der Brücke in einen Tunnel.

Bei Dragör am Westufer des Sunds kommt der Tunnel wieder heraus. Über dem Tunnel befindet sich der Drogden – eine Fahrrinne mit acht bis zehn Metern Wassertiefe. Diese Rinne wurde 2001 erstmals benötigt. Damals lieferte die Warnemünder Kvaerner-Werft die Bohrinsel „Stena Don“ ab. Der Koloss mit seinem 100 Meter hohen Bohrturm wurde auf einer Schwergutbarge durch den Drogden geschleppt. Probleme gab es damals keine – auch nicht mit dem nahen Flughafen Kastrup. In der Folge sind mehrfach Hubinseln und chinesische Spezialschiffe mit großen Containerkränen an Deck für Ostseehäfen durch den Drogden überführt worden.

Da der Airport über zwei Landebahnen verfügt, besteht für die Fluglotsen nach vorheriger Absprache immer die Möglichkeit zur Anpassung der Kurse für startende und landende Flugzeuge. Ähnlich übrigens wie in Hamburg-Finkenwerder, wo die Starts und Landungen der großen Flugzeuge beim Airbus-Werk auch mit den Schiffspassagen auf der Elbe koordiniert werden.

Hier finden Sie Fotos der Testfahrt der „Sailing Yacht A“ in Kiel am 4. Oktober 2016.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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