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Kleine Kinder als K.-o.-Kriterium?

Wohnungssuche Kleine Kinder als K.-o.-Kriterium?

Günstige Wohnungen in Kiel zu finden, wird immer schwieriger. Während beim Studentenwerk ein paar Wochen nach dem Semesterstart die Warteliste für Heimplätze schrumpft, scheint eine andere Gruppe zunehmend mit Problemen zu kämpfen, ein neues Zuhause zu finden: junge Familien mit kleinem Budget.

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Familie Staarck aus Kiel sucht in der Stadt ein neues Zuhause – aber so einfach ist das nicht.

Quelle: eis: Thomas Eisenkrätzer

Russee. Die Kieler Familie Staarck ist nach vielen Absagen auf ihrer Wohnungssuche überzeugt, dass kleine Kinder für viele Vermieter offenbar „ein Ausschlusskriterium“ sind. Für den Mieterverein ist dies auch ein Beispiel dafür, wie eng der Markt für günstigen Wohnraum geworden ist. Haus&Grund hingegen spricht von Einzelfällen.

 Seit September macht sich Maike Staarck (29) jeden Abend am PC auf die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung für sich, ihren Mann Tim (30) und die Söhne Nio (19 Monate) und Don (3 Jahre). Ob auf Online-Portalen, über Facebook, per E-Mail oder Anrufe auf Anzeigen hin – „es kommen noch nicht einmal mehr Absagen“, klagt die gebürtige Kielerin. „Wir wissen von zwei weiteren Familien, denen es ähnlich geht.“

 Derzeit wohnen sie in einer Hälfte eines hellen, gemütlichen Doppelhauses in Hassee mit Garten. Da es aber Ärger mit dem Vermieter gibt – unter anderem auch, weil sich Nachbarn beschwert hatten, dass die Kinder angeblich zu laut seien – und die Kündigung schon mündlich angedroht wurde, begannen sie mit der Wohnungssuche, die inzwischen zu einem kräftezehrenden Hürdenlauf geworden ist.

 Haben sie einen Vermieter telefonisch erreicht, erweist sich oft nicht, wie erwartet, Lord, ihr kleiner Hund, als das Hauptproblem. „Erwähne ich dann aber, dass wir mit zwei kleinen Kindern einziehen wollen, muss ich mir plötzlich Absagen anhören, weil 90 Quadratmeter doch zu klein sind, die Straße zu nah oder der Hinterhof zu wenig Platz für Kinder bietet. In Meimersdorf sagte mir der Vermieter einer 4,5-Zimmer-Wohnung ganz klar, die sei nur für kinderlose Paare vorgesehen“, kritisiert die junge Mutter. Auch ihr Mann hat ähnliche Erfahrungen gemacht, wenn er Interesse an Mietangeboten äußerte: „Sobald ich von den Kindern gesprochen habe, war es vorbei“, sagt Tim Staarck.

 Derzeit leben sie auf 85 Quadratmetern für eine Warmmiete von 1150 Euro (Kaltmiete 800 Euro). Finanzielle Vorbehalte müssten die Vermieter nach Ansicht der Staarcks nicht haben: Beide haben feste Stellen. Maike Staarck ist als Erzieherin noch in Elternteilzeit, steigt aber im April wieder ein. Bis 900 Euro kalt würden sie zahlen, am liebsten für eine Wohnung in der Nähe, damit die Kinder in ihrem Kindergarten bleiben können.

 Nach Einschätzung der Geschäftsführerin des Kieler Mietervereins, Heidrun Clausen, ist der Wohnungsmarkt leergefegt: „Die Situation ist so, dass Vermieter die Auswahl haben, welche Bewerber sie als Mieter akzeptieren.“ Dass da manche Familien gegenüber Doppelverdienern ohne Kinder oder älteren Paaren ins Hintertreffen geraten, kann sie sich vorstellen – gerade dann, wenn ein Einkommen nach der Geburt eines Kindes eine Zeitlang wegfällt.

 Auch Wohnungsdezernent Gerwin Stöcken erklärt: „Wir beobachten, dass junge Familien zunehmend Schwierigkeiten haben, preiswerte Wohnungen zu finden – zumindest an den Orten, die sie sich ausgesucht haben.“ Das sind aber meist gefragte Stadtteile, während in Gaarden und Mettenhof gute Wohnungen leer stünden, sagt auch Sönke Bergemann, Geschäftsführer von Haus&Grund. Er versichert: „Wir können nicht bestätigen, dass Kinder für viele Vermieter ein Ausschlusskriterium sind. Es kann sich nur um Ausnahmefälle handeln“. Kiel brauche mehr günstigen Wohnraum, sagt er und verweist auf den Masterplan Wohnen, mit dessen Hilfe die Stadt, Akteure aus der Wohnungswirtschaft und des Mietervereins bei der Wohnungsknappheit gegensteuern wollen.

 „Vieles ist für Familien in Bau und wird 2017 fertiggestellt – wie etwa im Anscharpark und Suchsdorf“, kündigt Stadtrat Stöcken an und hat für junge Familien folgende Tipps parat: „Gebt die jetzige Wohnung nicht vorschnell auf, bezahlt auch nicht jeden Preis, lasst Euch auf die Wartelisten von Wohnungsgenossenschaften setzen und sucht nicht nur auf Internetportalen.“ Am Ende, das weiß der Dezernent aber auch, hilft nur „bauen, bauen, bauen“.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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