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Mit jeder Kündigung ein neues Angebot

Neues Fernwärme-Preissystem Mit jeder Kündigung ein neues Angebot

Die Stadtwerke Kiel reagieren auf die massive Kritik von Kunden und Verbraucherschützern am neuen Fernwärme-Preissystem. Zwar hält das Versorgungsunternehmen am neuen – für viele Kunden teureren – Berechnungsmodell fest, kündigt jedoch Nachbesserungen in einigen Details an.

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Die Stadtwerke Kiel reagieren auf die Kritik zum neuen Fernwärme-Preissystem. Auf dem Foto ist der Fernwärmetunnel zu sehen.

Quelle: Stadtwerke Kiel

Kiel. So sollen alle Kunden, die im Zuge der laufenden Umstellung eine Kündigung ihrer Fern- und Nahwärme-Verträge erhalten, zeitgleich neue Angebote bekommen. In den vergangenen Monaten hatte sich dies verzögert und bei vielen Kunden für Ärger gesorgt, weil diese nicht wussten, wie viel sie künftig bezahlen sollen und mit ihren Kalkulationen in der Luft hingen. Auch sollen Kunden teils Jahre vor einer bevorstehenden Preiserhöhung schon Post bekommen. Sönke Schuster, Sprecher der Stadtwerke, spricht im Zuge der laufenden Kündigungswelle von einer „großen Herausforderung“ und vielen „sehr individuellen Fragen“, die die Kunden hätten. Diesen wolle man sich stellen.

Erst vor zwei Tagen hatte es eine Informationsveranstaltung bei den Stadtwerken gegeben, zu der einige Eigentümer von Mehrfamilienhäusern eingeladen waren. Der Termin sei jedoch nicht öffentlich bekannt gewesen, weil er nur als Ergänzungstermin für diejenigen Betroffenen gedacht war, die bei einer großen Versammlung am 10. Juni im Stadtteil Meimersdorf zu kurz gekommen waren. Aufgrund der Vielschichtigkeit der Vertragsgrundlagen (Größe, Dämmung, Mindestabnahme, Zahl der Wohnungen) setzten die Stadtwerke künftig auf individuelle Gespräche. So soll vermieden werden, dass auf Informationsveranstaltungen detaillierte Fragen einzelner Betroffener zu ihren Gebäuden und Berechnungen zu viel Raum einnehmen.

Unterdessen sollen bis Mitte September die nächsten 1000 Kieler Kunden Kündigungsschreiben erhalten, deren Heizungen und Warmwasserversorgung ans Verbundnetz im Stadtgebiet oder eines der sieben Nahwärmenetze im Umland angeschlossen sind. Da pro Woche etwa 100 Kündigungen nebst neuen Angeboten verschickt werden, rechnen die Stadtwerke mit vielen Nachfragen. Um diese schnell und umfassend zu beantworten, setzt der Energieversorger zusätzliches Personal im Privatkundenmanagement ein und will allen Kunden in den Schreiben eine Telefonnummer mitteilen, die für persönliche Fragen genutzt werden kann. Sollte es darüber hinaus noch Beratungsbedarf geben, sollen persönliche Termine angeboten werden, kündigt Kai Kistenmacher, Leiter der Privat- und Gewerbekundenabteilung, an. Zeitgleich sollen in den nächsten Tagen zusätzliche Informationen zu den Berechnungsgrundlagen der Fernwärmepreise auf der Internetseite der Stadtwerke veröffentlicht werden. Dazu werden die häufigsten Fragen der Kunden aufgegriffen und beantwortet.

Konkret kommen die Stadtwerke ihren Kunden bei den sogenannten Mindestleistungen, also dem Wert in Kilowatt, den ein Haus am Fernwärmeanschluss mindestens abnimmt, entgegen. Diese Mindestleistung wurde bei Alt- und Neukunden – dort, wo es möglich ist – von zehn auf fünf Kilowatt reduziert, was zu günstigeren Verträgen führen könne. Bisher war diese Regelung nur für sogenannte Bestandskunden möglich. Dies konnte Neukunden nur schwer vermittelt werden. Ebenfalls nachjustiert wurden einzelne Details in den neuen Verträgen, die von der Verbraucherzentrale kritisiert worden waren. So werde jetzt auch eine Telefonnummer angegeben, über die ein Widerruf zu den Verträgen telefonisch möglich ist. Weil diese Nummer bisher fehlte, hatten Verbraucherschützer die Schreiben als „fehlerhaft“ eingestuft.

Da auch die Kieler Ratsversammlung in Vertretung der Stadt als Minderheitsgesellschafter immer wieder in den Fokus erboster Fernwärme-Kunden gerückt war und diese von der Politik eine Preisbremse forderten, soll es im September auch noch Gespräche zwischen Stadtwerken und den Ratsfraktionen geben, kündigt Schuster an.

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Ein Artikel von
Paul Wagner
Redaktion Lokales Kiel/SH

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Stadtwerke Kiel
Foto: Julia Buchweitz, Juristin der Verbraucherzentrale Kiel, berät den Mettenhofer Michael Jäger, der gegen eine Vertragsänderung bei der Fernwärme kämpft. Der 54-Jährige kritisiert auch die Haltung der Stadt, die 49 Prozent der Anteile an den Stadtwerken hält: „Die Politik sollte sich ihrer Verantwortung bewusst sein, stattdessen macht sie Wärme als Teil der Daseinsvorsorge fast unbezahlbar.“

Die Umstellung auf ein neues Fernwärme-Preissystem sorgt weiter für Frust bei etlichen Kunden der Kieler Stadtwerke. In Einzelfällen beträgt die Preissteigerung laut Verbraucherzentrale bis zu 100 Prozent. Satte 65 Prozent mehr soll Michael Jäger aus Kiel-Mettenhof bezahlen, er hat kein Verständnis.

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