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Freie Fläche für Kiels Energie

Fernwärmeversorgung Freie Fläche für Kiels Energie

Sicherheit hat höchste Priorität. Ohne Helm, grellgelbe Signalweste und Sicherheitsschuhe kommt niemand auf die Baustelle. Anderthalb Jahre bereits wird hier an der Modernisierung der Kieler Fernwärmeversorgung gearbeitet.

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Zufrieden mit dem Baufortschritt: Stadtwerke-Vorstand Jörg Teupen (links) und der technische Projektleiter Felix van de Sandt.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Bislang hat es keinen einzigen Unfall gegeben, und das soll auch so bleiben. Freundlich-bayerisch im Ton aber streng in der Sache weist der Mitarbeiter der Kraftanlagen München GmbH die Besucher im Container der Bauleitung auf die Sicherheitsbestimmungen hin: „Also haltet’s Euch fern von Gräben und Hubfahrzeugen. Und entfernt Euch nicht von der Gruppe.“

 Rund 30 Arbeiter sind im Einsatz an diesem bewölkten, aber immerhin trockenen Vormittag. Es wird gebaggert, planiert, gehämmert und geschweißt. Dem Uneingeweihten fällt es nicht leicht, einen Überblick darüber zu bekommen, was hier auf dem Kieler Ostufer eigentlich passiert. Und das, obwohl ja der Bau des neuen Gasmotorenkraftwerkes (GHKW) noch gar nicht begonnen hat. Insgesamt 290 Millionen Euro werden die Stadtwerke Kiel bis Ende 2018 hier investiert haben, um die Energie- und Wärmeversorgung der Landeshauptstadt auch nach dem Abschalten des betagten Gemeinschaftskraftwerkes auf eine sichere und umweltfreundliche Basis zu stellen.

 „Das, was jetzt hier an Arbeiten läuft, wäre auch ohne den Bau des Gasmotorenkraftwerkes erforderlich gewesen“, sagt Stadtwerke-Technik-Vorstand Jörg Teupen. Im und am Pumpenhaus laufen Fassadenverkleidung und Rohrleitungsbau auf Hochtouren. Der neue Elektroden-Kessel, auch „Tauchsieder“ genannt ist schon fertig. Am 60 Meter hohen Wasserspeicher, der rostroten „Thermoskanne“, fehlt noch die Isolierung und die Profilblechhülle, doch die Befüllung ist abgeschlossen. Gut sechs Wochen lang waren rund 40 Kubikmeter entmineralisiertes Wasser pro Stunde in den riesigen Behälter geflossen. „Alles bestens, alles dicht“, sagt Felix van de Sandt, technischer Projektleiter der Stadtwerke.

Wärme für 70.000 Haushalte

 Ab Herbst werden die rund 70000 Kieler Fernwärmehaushalte über das neue System versorgt. Einem System, dem auch bei länger andauernden knackigen Minusgraden nicht so schnell das heiße Wasser ausgeht. Rund 42000 Kubikmeter Wasser passen in die „Thermoskanne“, das entspricht rund 190000 Badewannen-Füllungen. Allerdings sind dafür nur 30000 Kubikmeter direkt für die Wärmeversorgung nutzbar. 12000 Kubikmeter lagern in einer Stahlkuppel, um den nötigen Druck aufzubauen, damit das heiße Wasser darunter nicht verdampft. Dennoch: Selbst wenn das Gemeinschaftskraftwerk und die (einschließlich Müllverbrennungsanlage) vier Kieler Erzeugungsanlagen gleichzeitig ausfallen sollten, wäre mit dem 115 Grad heißen Wasser aus dem Speicher die Versorgung selbst bei klirrender Kälte für einige Stunden lang gesichert.

 Doch die „Thermoskanne“ hat noch einen großen Vorteil: Mit ihr kann das Gemeinschaftsunternehmen von MVV Energie (Mannheim) und Stadt Kiel auch auf dem Strommarkt Geld verdienen. Denn der im Dezember in Betrieb gegangene Elektroden-Kessel gleich nebenan kann als „Stand-by-Verbraucher“ mit überschüssigem Strom aus dem Netz Wasser aufheizen, das dann in den Speicher fließt. Und wenn es tatsächlich über einen längeren Zeitraum arktisch kalt sein sollte, steht der „Tauchsieder“ bereit, um mit Strom aus dem Kraftwerk warmes Wasser zu produzieren. Das sei zwar teuer, aber die Versorgungssicherheit habe Priorität, sagt Teupen.

 Und was wird aus dem alten Gemeinschaftskraftwerk, wenn wie geplant das modular aufgebaute Gasmotorenkraftwerk im Herbst 2018 ans Netz geht? „Der Zeitplan sieht vor, das GKK im Frühjahr 2018 stillzulegen“, sagt Teupen, „Weitere Planungen haben wir derzeit noch nicht.“ Sobald die Bauentscheidung für das GHKW fällt, gehen wir auch dieses Thema an. Alles Schritt für Schritt.“ Langfristig aber, da ist Teupen zuversichtlich, werde das Projekt im Hinblick auf den Umweltschutz wegweisend sein. „In zehn Jahren soll das neue Kraftwerk nur dann laufen, wenn Sonne und Wind als Energieträger nicht zur Verfügung stehen.“

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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