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Festgefahren: Helfer „retteten“ Paar aus Kiel

Fosdinovo in Italien Festgefahren: Helfer „retteten“ Paar aus Kiel

Auweia! In solch eine Situation möchte man als Autobesitzer wohl nie kommen. Bei einer Reise nach Italien 1969 steckte der gebürtige Kieler Karl-H. Otte mit seiner heimlichen Verlobten Astrid plötzlich mit seinem Wagen in einer kleinen Gasse fest. Eine Geschichte von Träumen und unverhoffter Hilfe.

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Ach herrje, wie soll man aus dieser Situation wieder herauskommen? Der Ex-Kieler Karl-H. Otte steckte 1969 mit seinem Mercedes 220 B Cabriolet, Baujahr 1952, in einer engen Gasse im italienischen Bergstädtchen Fosdinovo fest. Doch es gab ein Happy End.

Quelle: Privat

Kiel. Über Kanada erreichte KN-online jetzt dieses Foto. Karl-H. Otte hatte bei einem Besuch in Kiel in den KN von Lieblingsautos gelesen und setzte sich – kaum wieder in seiner neuen Heimat – sogleich an den Computer und nahm Kontakt zu uns auf.

 „Seit nunmehr 50 Jahren gehören wir, das ist mein Mercedes 220 B Cabriolet, Baujahr 1952, und ich zusammen“, berichtet der heute 72-jährige Karl-H. Otte. „Als Kieler Bub von gerade mal zehn Jahren lebte meine Familie, weil ausgebombt, in Westerrönfeld bei Rendsburg neben dem Baugeschäft von Claus Bock.“ Dort half er, die Autos innen und außen zu waschen. Noch heute schwärmt er: „Es war ein unfassbares Erlebnis, in dieser damals fast autolosen Zeit in einem Mercedes 170 sitzen zu können.“ Als er kurze Zeit später wieder in Kiel lebte, sah er 1953 auf dem Schulweg auf dem Bürgersteig Ecke Kleiststraße ein grünes 300 A Cabriolet. „Damals schwor ich mir, dass eines Tages ein solcher Wagen mir gehört.“

 Jahre später wurde sein Wunschtraum Wirklichkeit. Am Ziegelteich befand sich damals eine Mercedes Niederlassung und dort stand „sein“ Cabrio. 3500 DM sollte die gebrauchte Luxuskarosse kosten. „Eine Summe, die ich als Student nicht im Entferntesten zahlen konnte“, erinnert sich Karl-H. Otte. „Ich bot 1500 DM und bekam nach bangen Tagen eine Zusage vom Erstbesitzer Karl Grammerstorf. Meine Freude war unermesslich.“ Mit Gespartem aus der Wehrdienstzeit wechselte der Wagen seinen Besitzer.

 Nachdem er ein „gar liebreizendes Mädel – seit 46 Jahren nun meine Frau“ kennengelernt hatte, ging es mit dem Cabrio gen Süden. „Dort machten wir einen Ausflug in das kleine italienische Bergstädtchen Fosdinovo“, erzählt Karl-H. Otte. „Dem Straßenverlauf folgend mussten wir um eine sehr enge Ecke fahren und saßen Sekunden später auch schon fest.“ Einige Zentimeter ging es vor, einige zurück, die Sonne brannte, das Kühlwasser kochte. „Irgendwann ging nichts mehr.“ Einige Italiener erschienen, schauten, sprachen unverständlich. „Einer griff ins offene Cabrio, fasste ein dort liegendes Handtuch, klemmte es zwischen Hauswand und Kotflügel und fing an, mit allen Schaulustigen den Wagen schaukelnd hinten herum zu heben.“ Und der Wagen kam tatsächlich frei. „Ein kleiner Lackkratzer erinnert noch heute an das Abenteuer“, sagt er schmunzelnd. Als Karl-H. Otte mit seiner Frau Astrid 1981 nach Lakefield in Kanada auswanderte, kam der Mercedes natürlich mit und verschwand als erstes im riesigen Umzugs-Container. Seitdem läuft und läuft er. „Der Wagen hat uns auf vielen Reisen begleitet, da gäbe es noch eine Menge zu erzählen“, sagte er lachend. Aber die Italien-Geschichte ist ja auch eigentlich nicht zu toppen.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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