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Die Explosion war erst der Anfang

Feuer in der Feldstraße Die Explosion war erst der Anfang

Wieso explodiert mitten in der Nacht ein Döner-Imbiss in der Feldstraße? Diese Frage beschäftigt seit Montag die Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft. Es ist nur glücklichen Umständen zu verdanken, dass bis auf eine Bewohnerin, die eine leichte Rauchgasvergiftung davontrug, niemand zu Schaden kam.

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Feldstraße 85: Der Giebel des Hauses musste abgetragen werden.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Die Feldstraße wird auf Tage nur eingeschränkt befahrbar sein. Nach dem Ende der Löscharbeiten starteten die Aufräumarbeiten. Das fünfstöckige Haus in der Feldstraße 85 ist teilweise einsturzgefährdet. Die 30 Bewohner müssen in Hotels, Notunterkünfte und zu Verwandten ausweichen.

„Als wir eintrafen, schlug die Feuerwand aus dem Erdgeschoss bereits bis auf die Mitte der Fahrbahn der Feldstraße. So etwas habe ich in zwölf Jahren bei der Berufsfeuerwehr noch nie erlebt“, sagte Einsatzleiter Timo Eichler (36). Er traf mit dem ersten Löschzug am Brandort ein. Die Straße war übersät mit Scherben und Trümmern. Teile der Dekoration aus dem kleinen Döner-Imbiss waren bis auf die gegenüberliegende Straßenseite geschleudert worden. An die im Haus eingeschlossenen Bewohner gab es für die Rettungskräfte zunächst kein Herankommen. „Da ging nichts mehr. Wir mussten unsere Trupps aufgrund der großen Hitze wieder aus dem Treppenhaus zurückziehen“, schildert der Einsatzleiter.

Alle 30 Bewohner aus den oberen vier Stockwerken hatten die Explosion in dem Imbiss im Erdgeschoss auch bemerkt und sich richtig verhalten. „Sie haben keine Fluchtversuche durchs Treppenhaus unternommen, die Wohnungstüren geschlossen gehalten und sich auf den Balkonen an der Rückseite des Hauses versammelt. Die Flucht durch das Treppenhaus wäre zur Falle geworden“, sagt Thomas Hinz, der Amtsleiter der Feuerwehr, der wenig später die Gesamteinsatzleitung übernahm.

Ein Brand in der Feldstraße 85 hat am Montagmorgen die Kieler Wehren in Atem gehalten. „Um 2.57 Uhr meldeten Anrufer mehrere Explosionen“, sagte Feuerwehrchef Thomas Hinz. Die Scherben der Scheiben des Imbisses im Erdgeschoss waren bis zur anderen Straßenseite geflogen. Über das Treppenhaus breitete sich das Feuer binnen weniger Minuten bis ins Dachgeschoss aus, wo die Flammen durchschlugen.

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Noch während die Einsatzkräfte mit mehreren Strahlrohren den Brand im Imbiss und im Treppenhaus löschten, zündete plötzlich der Dachstuhl durch. „Möglicherweise sind die Flammen über die Holzgeländer oder Brandgase von unten nach oben in den Dachstuhl gelangt“, mutmaßt Hinz. Das Ergebnis war verheerend: Meterhoch schlugen die Flammen durchs Dach. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Lage der Bewohner auf der Rückseite des Gebäude dramatisch. Drehleitern konnten dort wegen der Enge nicht eingesetzt werden. „Wir haben die Menschen dort mit Steckleitern über die Balkone in Sicherheit bringen müssen. Unsere Leute sind an Leitern hochgeklettert und haben die Bewohner gesichert und sie nach unten gebracht. Und auch zwei Hunde wurden so gerettet“, sagte Hinz.

Insgesamt waren mehr als 100 Einsatzkräfte vor Ort. Die Berufsfeuerwehr wurde durch die Wehren Russee und Suchsdorf unterstützt. Weitere Wehren wurden zur Nachbesetzung alarmiert. Von der Feuerwehr Schönkirchen kam eine große Hubbühne mit Teleskopmast zum Einsatz.

Im Fokus stand auch die Versorgung der geretteten Menschen. „Wir müssen für diese Menschen adäquate Unterkünfte finden. as ist nicht gerade einfach, da unsere Lage durch die Flüchtlingssituation sehr angespannt ist“, sagte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, der sich vor Ort informierte. Die Stadt hat für Brandopfer kurzfristig auch Hotelzimmer reserviert.

Die Kieler Kriminalpolizei sucht derweil fieberhaft nach Hinweisen auf die Ursache. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, erklärte Oberstaatsanwältin Birgit Hess. Besonders die Wucht der Explosion macht die Ermittler stutzig. „Das war so ein gewaltiger Knall, dass ich fast aus meiner Koje gefallen bin“, sagte ein pensionierter Seemann, der gegenüber im Haus 92 wohnt. „Wir setzen deshalb gerade auf Kieler-Woche-Besucher, die zu dem Zeitpunkt im Bereich der Feldstraße vielleicht Beobachtungen gemacht haben. Die Explosion war um 2.49 Uhr, das wissen wir aus den Alarmierungen“, sagte Hess. „Wir nehmen den Brand sehr ernst und ermitteln mit mehreren Fachkommissariaten“, unterstrich Polizeipressesprecher Oliver Pohl. Nach Informationen unserer Zeitung sind unter anderem zwei Szenarien denkbar: Möglich ist, dass der Inhaber vergessen hat, die Fritteuse abzustellen. Das Fett könnte sich erhitzt und entzündet haben. Denkbar ist auch Brandstiftung: So könnte das Feuer von außen gelegt worden sein. Die Beamten prüfen deshalb auch, ob es sich um einen gezielten Anschlag gegen den Döner-Imbiss gehandelt haben kann. Hinweise nimmt die Kripo unter Tel. 0431/1603333 entgegen.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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Brand in Kiel
Foto: Ein Brand in der Feldstraße 85 hat am Montagmorgen die Kieler Wehren in Atem gehalten. Um 2.57 Uhr meldeten Anrufer mehrere Explosionen.

Nach einem Brand in der Feldstraße 85 in Kiel muss der Giebel eines Hauses abgerissen werden. Der Bereich zwischen Esmarch- und Düppelstraße bleibt deshalb bis in den frühen Abend für den Verkehr gesperrt. Die Bewohner kommen vorerst in einem Hotel oder bei Freunden und Familie unter.

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