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Kiel braucht ein neues Löschboot

Feuerwehr-Gutachten Kiel braucht ein neues Löschboot

Ein Gutachten hat Lücken bei der Brandbekämpfung an Land und zu Wasser aufgedeckt. Die Kernaussage: Kiel braucht wieder ein Feuerlöschboot. Szenarien wie ein Schiffsbrand im Kanal, ein Gefahrgutunfall im Stadthafen oder ein Feuer auf einem Kreuzfahrtschiff erfordern eine wasserseitige Komponente.

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Der letzte Großeinsatz des Kieler Löschschiffes war im Juni 2009 der Paraffin-Brand an der Bunkerstation im Binnenhafen Holtenau. 2012 wurde das Schiff aus Kostengründen außer Dienst gestellt, nachdem das Land keinen Zuschuss mehr zahlen wollte. Die Gutachter empfehlen die Anschaffung eines neuen Löschbootes.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Wenn Politiker nach einem Gutachten rufen, soll meist Geld gespart werden. In Großstädten rückt dann die Feuerwehr schnell in den Fokus. Die Hoffnung auf Einsparpotenziale keimte vor ein paar Jahren auch im Kieler Rathaus auf, als man zusammen mit Lübeck das renommierte Unternehmen Luelf & Rinke mit der Untersuchung der Wirtschaftlichkeit und der Organisationsstrukturen der Berufsfeuerwehr beauftragte. Jetzt stellten die Gutachter in Kiel die Ergebnisse ihrer Arbeit vor dem Innen- und Umweltausschuss vor.

 Die Schlüsselbotschaft packte Gutachter Nico Oestreich gleich zu Beginn auf den Tisch: „Die Hoffnung, mit dem Gutachten Kosten zu senken, hätten sie damit nicht verbinden sollen.“ Was folgte, waren 90 Minuten geballte Informationen mit Zahlen, Fakten und tiefen Einblicken in die Strukturen der Kieler Feuerwehr. Die Kernaussage: Kiel braucht wieder ein Feuerlöschboot. Szenarien wie ein Schiffsbrand im Kanal, ein Gefahrgutunfall im Stadthafen oder ein Feuer auf einem Kreuzfahrtschiff erfordern eine wasserseitige Komponente.

Besatzung kommt bei Bedarf aus Hamburg

 Am 1. Januar 2012 übergab die Stadt Kiel das 1986 gebaute Feuerlöschschiff „Kiel“ ans Havariekommando. Seitdem bereedert die Arge Küstenschutz das Spezialschiff für die Ölwehr. Die Besatzung kommt bei Bedarf aus Hamburg. Da Kiels Hafengrenze offiziell beim Ostuferhafen endet, ist eigentlich das Havariekommando für den Brandschutz auf Förde und Kanal zuständig. Auch hier hatte der Gutachter klare Worte: „Wenn das brennende Schiff im Zuständigkeitsbereich des Bundes schwimmt, hilft es wenig, sich auf die Zuständigkeit zu berufen. Spätestens wenn es bei ihnen in Kiel an den Kai treibt, beschäftigt es sie.“ Sein Vorschlag: die Anschaffung eines leistungsfähigen Löschbootes.

 Auch an Land fand der Gutachter etliche Ansatzpunkte, bei denen Kiel Nachholbedarf hat. Nach Auswertungen der Einsätze ergaben sich drei Bereiche, in denen die von der Arbeitsgemeinschaft der Berufsfeuerwehren für Großstädte vorgelegte Hilfsfrist von acht Minuten bis Eintreffen des Löschzugs am Einsatzort nicht eingehalten werden können. Die Stadtteile nördlich des Kanals, Mettenhof sowie einige Wohngebiete im Süden Kiels sind angesichts der Lage der beiden Berufsfeuerwachen nicht innerhalb der geforderten Frist erreichbar.

3. Wache nördlich des Kanals wird diskutiert

 Mit der Zwei-Wachen-Struktur ist der Brandschutz in Kiel nicht mehr auf der Höhe. „In Mettenhof ist das erst nach zehn Minuten und nördlich des Kanals sogar erst nach 15 Minuten der Fall“, so Oestreich. Ähnlich die Neubaugebiete im Süden Kiels. Deshalb empfiehlt der Gutachter eine dritte Wache der Berufsfeuerwehr im Bereich Holtenau. Die Hilfsfrist von acht Minuten für Mettenhof und den Süden ließe sich durch den Neubau einer Hauptwache im Bereich der Kreuzung Schützenwall, Westring-Autobahnende realisieren.

 Die drei Wachen sollten tagsüber jeweils mit einem Löschzug mit einer Drehleiter und zwei Hilfeleistungs-Löschfahrzeugen und je zehn Beamten besetzt sein. Die Nordwache könnte während der Nachtzeiten auf sechs Mann reduziert werden. „Das liegt daran, weil besonders tagsüber die freiwilligen Feuerwehren mit den ehrenamtlichen Kräften nicht in der nötigen Stärke ausrücken können. Nachts geht das schon eher“, so der Gutachter. Um die Empfehlungen umzusetzen, müsste der Personalbestand nur geringfügig aufgestockt werden. Gegenwärtig ist die Kieler Berufsfeuerwehr unterbesetzt. Statt der erforderlichen 174 Vollzeitstellen hat sie nur 170. Die Präsentation wirkte. Die Beschlussvorlage zur Fortschreibung des Feuerwehrbedarfsplans wurde vom Ausschuss einstimmig angenommen.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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