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Alles eine Frage der Perspektive

Flandernbunker Alles eine Frage der Perspektive

Eingepfercht, rundherum nichts als Erde und Kameraden, die dicht nebeneinander ausharren. Bilder der Schützengräben aus dem Ersten Weltkrieg kennt jeder aus dem Geschichtsunterricht. Von Sonntag an greift die Ausstellung „Kartentisch und Schützengraben – Zwei Perspektiven auf den ersten Weltkrieg“ im Flandernbunker diese Thematik auf.

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Die Abfahrt Kieler Soldaten zum Kriegsbeginn 1914.

Quelle: Foto/Repos: Sven Janssen

Kiel. Verglichen werden in der Schau die Sichtweisen des damaligen Stabsoffiziers Fritz von Loßberg auf das Kriegsgeschehen mit der Wahrnehmung von Frontsoldaten. Dazu hat der Historiker Thore Beckmann Passagen aus Loßbergs Memoiren Feldpostbriefen einzelner Soldaten aus den Jahren 1914 bis 1917 gegenübergestellt.

 So sind vier Tafeln mit Zitatpaarungen, Fotos und Karten entstanden, die sich unterschiedlichen Themenschwerpunkten widmen. „Wir stellen einen Dialog zwischen Offizieren und einfachen Soldaten dar, den es in der Realität so nicht gegeben hat“, erläutert Stephanie Brix, die verschiedene Projekte und Workshops im Flandernbunker betreut.

 Während Loßberg, der den Krieg in verschiedenen Armeekommandos sowohl an der Ost- als auch an der Westfront erlebt hat, eine sehr sachliche Sprache zur Schilderung der Ereignisse benutzt, wird in den Briefen der Frontsoldaten an die Heimat das Not und das Leiden in den Schützengräben deutlich. „Dieser Ton der Berichterstattung zieht sich durch die Geschichte“, erklärt Brix. „Wenn bei Loßberg von ,Frontlinien’ die Rede ist, vergisst man, dass hinter all dem Menschen standen.“ Und das war volle Absicht: „Die Versachlichung der Ereignisse war sicherlich auch ein Mittel, um sich vor der Wahrheit zu schützen.“

 Beckmann ergänzt: „Die Idee war, für die unterschiedliche Sprache zu sensibilisieren.“ Durch die Gegenüberstellung der unterschiedlichen Formulierungen sollen die konträren Sichtweisen und die sozialen Spannungen zwischen Befehlshabern und Ausführenden im Kriegsgeschehen dargestellt werden. Auch heutzutage werde Kriegsgeschehen oftmals „versachlicht“, betonte Beckmann – etwa, indem Medien die Menschen ausblendeten und allgemein und abstrakt über Angriffe berichteten.

 Die Entfremdung zwischen Offizieren und Wehrpflichtigen während des Ersten Weltkriegs werde auch in der Verarbeitung der Erlebnisse deutlich, meint Beckmann: Während die ursprüngliche Begeisterung der Soldaten, für ihr Land in den Krieg zu ziehen, schnell einer Ernüchterung und Verzweiflung über das Kriegsgeschehen wich, hielt sich bei Loßberg bis zum Ende des Krieges der Enthusiasmus, diesen gewinnen zu können, sagt der Historiker.

 „Mit der vierten Ausstellung innerhalb unserer Serie ,100 Jahre Erster Weltkrieg’ zeigen wir erneut, welche große Bedeutung die geschriebene Briefpost zur Aufarbeitung der damaligen Ereignisse hat“, sagt der Vorsitzende des Vereins Mahnmal Kilian, Jens Rönnau. Die Serie, die seit 2014 läuft und noch bis 2018 andauern wird, beschäftigt sich im Halbjahrestakt mit jeweils einem Aspekt aus der Geschichte des Weltkriegs. „Natürlich wird dabei auch der Matrosenaufstand von 1918 behandelt“, sagt Rönnau mit Blick auf den weiteren Verlauf der Serie. Die Ausstellung dazu werde dann im Schifffahrtsmuseum gezeigt. Im Jahr 2018 sollen außerdem alle kleinen Formate zu einem großen Komplex zusammengeführt werden, kündigte er an.

 Die Eröffnung der aktuellen Ausstellung findet an diesem Sonntag um 11.30 Uhr statt. Neben Rönnau werden dann Prof. Oliver Auge vom Historischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Kunsthistoriker Henning Repetzky, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Mahnmal Kilian, anwesend sein und die Besucher begrüßen.

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