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Mit Kescher und Fliege in der Förde

Fliegenfischer Mit Kescher und Fliege in der Förde

Man sieht sie an vielen Ecken der Kieler Förde, besonders oft aber zwischen Bülker Leuchtturm und Eckernförde. Dick eingepackt in Wathose und Jacke stehen sie im Wasser und trotzen Wind und Wetter. Fliegenfischer fangen Meerforelle, Hecht und Zander quasi beim Strandspaziergang.

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So wie hier in Kitzeberg, kann man die Fliegenfischer in ihren Wathosen mit Angelrute und Kescher stehend in der Kieler Förde erleben.

Quelle: Privat

Kiel. Der Begriff wird manchem noch aus Robert Redfords Film „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“ in Erinnerung sein, in dem zwei ungleiche Brüder inmitten der Natur-Idylle des US-Bundesstaats Montana durch die Liebe zur Fliegenfischerei verbunden sind. Doch wer braucht Montana, wenn er an der Ostsee lebt?

 Obwohl es in Schleswig-Holstein nicht allzu viele attraktive Flüsse für Fliegenfischer gibt, hat sich hier über die Jahre dennoch eine regelrechte Szene entwickelt, die an der ganzen Ostseeküste und eben auch in Kiel ihrem Hobby nachgeht. Meerforelle, Hecht und Zander zählen hier zu den Fischen, die der vermeintlichen „Fliege“ auf den Leim gehen. Daher hat das Fliegenfischen seinen Namen, denn als Köder müssen hier keine Würmer herhalten. Vielmehr sieht es der Fliegenfischer als hohe Kunst an, sich seine Köder selbst zu basteln. Beim „Fliegenbinden“ bildet der Fliegenfischer mithilfe von bunten Federn und Bindfaden Insekten, kleine Krebse und Fische nach – also genau das, was bei Meerforelle und Co auf der Speisekarte steht.

 Und überhaupt geht es beim Fliegenfischen um eine ganz besondere Philosophie. „Beim Fliegenfischen geht es nicht nur um das Gewicht der gefangenen Fische, wie bei diesen Angler-Hitparaden“, erzählt Achim Stahl (54), Besitzer eines Fliegenfischer-Shops in Kiel. „Natürlich freut sich auch der Fliegenfischer über einen großen Fisch, aber beim Fliegenfischen ist der Reiz des technischen Teils ebenfalls riesengroß“, fährt er fort. So gebe es auch Fliegenfischer, die einen ganzen Tag lang bloß das Werfen üben und danach auch ohne Fisch glücklich nach Hause gehen. Andere Fliegenfischer reisten nach Island, um neben dem Fischen auch die Natur zu genießen.

 Seinen ersten Fisch fing Achim Stahl im Alter von zehn Jahren mit einem gefundenen Stück Angelschnur, an dessen Ende noch ein Haken hing. Damit war der Grundstein für die Leidenschaft zum Angeln gelegt. In jener Zeit angelte er noch ohne Fliege. Dann der Wendepunkt: Als Stahl 1985 für den Zivildienst von Süddeutschland nach Kiel zog, schenkte seine Freundin ihm einen Fliegenfischerkursus. Danach gab es kein Halten mehr. Und das, obwohl das Hobby damals unter Anglern ziemlich klischeebehaftet war. „Früher galten Fliegenfischer als Golfspieler in Gummistiefeln“, erinnert er sich. Doch Achim Stahl, der sich schon lange für neuartige Köder interessierte, hatte im Fliegenfischen seine Passion gefunden. So entwickelte er bald beim Fliegenbinden eigene Muster und fuhr in seiner Freizeit so oft wie möglich an die Küste. Bis heute kann man ihn regelmäßig im Wasser der Kieler Bucht stehen sehen. Eine weitere Besonderheit beim Fliegenfischen: Die reduzierte Ausrüstung. „Andere Angler sitzen mit Klappstuhl und viel Gerät am Ufer. Ich mache mit wenig Ausrüstung im Prinzip einen Strandspaziergang und fange Fische“, erzählt der Fliegenfischer.

 Heute bietet er regelmäßig Kurse an, in denen er sein Wissen über das Fliegenbinden und die Fische der Ostseeküste weitergibt. Achim Stahl liegt der Fischbestand der Ostsee besonders am Herzen. „Mir ist es wichtig, dass auch meine Enkel vielleicht einmal Fliegenfischer werden können“, erklärt er. Daher solle langfristig gesehen so viel Fisch wie möglich in der Ostsee bleiben. Vielleicht steht dann irgendwann sein Enkel im Wasser der Förde – mit Wathose, Angelrute und Fliege.

Von Isabella Linkenbach

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