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Der Regen verdarb vielen das Geschäft

Flohmarkt an der Hörn Der Regen verdarb vielen das Geschäft

Eigentlich ist der Flohmarkt an der Hörn der Lieblingsflohmarkt von Sabine Kirchhoff. Am Sonntag wurde die Zuneigung der Kielerin jedoch auf eine schwere Probe gestellt.

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Der Regen machte vielen Händlern einen Strich durch die Rechnung.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. In 15 Umzugskartons hatte die dreifache Mutter all das gesammelt, was nicht mehr benötigt wird, aber viel zu schade für die Mülltonne ist; Kinderkleidung natürlich, aber auch die ausrangierte Kaffeemaschine und anderer Hausrat. „Ich gehe dreimal im Jahr auf den Flohmarkt und am liebsten an die Hörn, denn hier sind die Leute besonders lieb, es gibt immer nette Begegnungen“, findet sie, und ihr Mann Axel Pries sagt: „Hier ist eigentlich mehr Zentrum als im Zentrum, weil hier auch die Menschen vom Ostufer hinkommen.“

 Also hat sie auch am Sonntag in aller Frühe mit ihrem Mann Axel Pries die Kartons ins Auto verfrachtet und an der Hörnspitze einen Stand aufgebaut. Zwischen acht Uhr und halb zehn läuft auch alles gut. Das Paar wird die Kaffeemaschine und das ein oder andere von den Kindern los. Doch kaum hat ein Mitarbeiter der Stadt die 15 Euro Standgebühr einkassiert, fängt es an zu regnen. Als alter Flohmarkt-Hase hat natürlich auch Sabine Kirchhoff eine Plane mitgebracht. Doch die Besucher hasten vorbei, kaum jemand bleibt noch stehen. „Im Internet hieß es gestern, 20- bis 30-prozentige Regenwahrscheinlichkeit. Sonst wären wir doch gar nicht gekommen“, sagt Axel Pries etwas genervt.

 Ein paar Stände weiter schimpft auch „Yvonne aus Kalifornien“. Die Standgebühr und das Benzingeld will sie zumindest wieder hereinholen. Doch außer einem Paar Schuhe für drei Euro wird sie nichts mehr los. Um halb elf gibt Yvonne auf und packt zusammen. Eigentlich wollte sie bis 16 Uhr bleiben ... Auch Petra Wohlert ist enttäuscht. Sie verkauft frische Fischbrötchen. „Das läuft sonst wie geschmiert. Aber heute? Statt Fischbrötchen haben die Leute einen Regenschirm in der Hand!“

 Während rundherum eifrig die Stände abgebaut werden, sehen die Studenten Ole und Nikolaus ihre Chance gekommen. Jetzt, sagen die Schnäppchenjäger, sei der ideale Zeitpunkt, um zuzuschlagen. „Wir haben selbst oft verkauft. Man will ja nicht wieder alles nach Hause schleppen. Deshalb geht man kurz vorher noch mit den Preisen runter“, erklärt Ole, der Betriebswirtschaft studiert. „Zum regulären Ende heute Nachmittag hätten wir keine Zeit gehabt. Aber als es vorhin anfing zu regnen, sind wir gleich hergekommen.“ Der 24-Jährige ist zufrieden: Für drei CD, ein T-Shirt, eine Hose und zwei Müsli-Schalen hat er 14 Euro bezahlt.

 Bei drei Frauen versagt die Schnäppchentheorie der Jungs allerdings. Ingrid Wulf, Danielle Trepanier und Elfie Bauch packen lieber ein, als ihre Engel und andere Weihnachtsdekorationen zu verschleudern. Der nächste Flohmarkt kommt bestimmt.

 Jörn Gerth aus Neumünster gehört zu denen, die am längsten ausharren. Es ist zwar der erste Flohmarkt, auf dem der gebürtige Molfseer selbst verkauft. Aber als Surfer und Camper ist er gut vorbereitet und hat ein regenfestes Zelt mitgebracht. Da verkauft er jetzt bunte Wollsocken („von Mama ohne Knüddel an Ferse und Spitze gestrickt“), alte Spiele und was sich sonst noch im elterlichen Keller gefunden hat. „Was kostet das denn“, will eine 17-Jährige wissen und hält eine alte Ausgabe von Tolkiens „Herr der Ringe“ hoch. „Ein Euro“, sagt der 36-Jährige. Der Teenager kann es kaum fassen: „Damit machen Sie mich echt glücklich.“

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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