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Rote Karte für illegale Wracktaucher

Präzedenzfall Rote Karte für illegale Wracktaucher

Der Kieler Unterwasserarchäologe Florian Huber hat eine Anzeige gegen eine holländische Tauchergruppe erstattet, die sich im Internet mit ihrer Beute brüstet. Für ihn sind illegale Tauchgänge doppelt kriminell, da sie nicht nur Unterwasserdenkmäler schänden, sondern auch die Totenruhe stören.

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Hier tauchen Unterwasserarchäologen am Wrack des deutschen U-Bootes UC-71 vor Helgoland. Die Überreste des 1919 gesunkenen U-Bootes stehen inzwischen unter Denkmalschutz. Florian Huber wünscht sich einen verantwortungsvolleren Umgang mit Unterwasserdenkmälern, dem „kulturellen Erbe vor unserer Haustür“.

Quelle: Uli Kunz

Kiel/Helgoland. Nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie schlummern rund 2500 Wracks auf dem Grund von Nord- und Ostsee. Für den Kieler Unterwasserarchäologen Florian Huber sind illegale Tauchgänge doppelt kriminell, da sie nicht nur Unterwasserdenkmäler schänden, sondern auch die Totenruhe stören. Huber hat jetzt erstmals Anzeige gegen eine holländische Tauchergruppe erstattet, die sich im Internet mit ihrer Beute brüstet.

„Das Meer gibt, das Meer nimmt“, sagt ein Sprichwort. Und wenn es nicht freiwillig gibt, dann wird eben nachgeholfen, oft mit skrupellosen Methoden. „Illegale Tauchgänge an Wracks sind ein Thema, das viel zu wenig diskutiert wird“, kritisiert Florian Huber. Der Forschungstaucher, der neben seinen eigenen Projekten auch Nachwuchswissenschaftler an der Christian-Albrechts-Universität ausbildet und Kurse für denkmalgerechtes Tauchen anbietet, will das ändern. Schon lange beobachtet er mit wachsendem Zorn die immer dreistere Vorgehensweise „semi-professioneller Taucher“ aus Holland. „Ich bin selbst auf Facebook und in vielen Taucherforen aktiv und habe einen guten Einblick in die Szene“, sagt Huber. Diese sei vorwiegend männlich, abenteuerlustig und prahle gerne mit den Gegenständen, die sie illegal vom Meeresboden hole.

 „Aber es handelt sich hier nicht um ein Kavaliersdelikt“, betont Huber. „Nur weil die Wracks unter Wasser liegen, befinden sie sich noch lange nicht in einem rechtsfreien Raum.“ Kriegsmaterial aus den Weltkriegen gehöre rein rechtlich noch immer der Bundesrepublik Deutschland. Archäologische Funde, die zunächst keinem Besitzer zuzuordnen seien, gehörten dem Bundesland, in dem sie gefunden würden. Ob unter Wasser oder an Land: Finder sind verpflichtet, Gegenstände zu melden. „Es geht um unser kulturelles Erbe.“ Das deutsche U-Boot UC-71, das 1919 ohne Besatzung unter mysteriösen Umständen vor Helgoland sank, steht seit Oktober 2012 auf Hubers Betreiben unter Denkmalschutz. Die SMS Mainz wurde 1914 in einem Seegefecht bei Helgoland von britischen Kriegsschiffen versenkt. Rund 90 Seeleute fanden ihr nasses Grab vor der einzigen deutschen Hochseeinsel. „Man kann da nicht einfach runter tauchen“, empört sich Florian Huber.

 Es gibt jedoch offenkundig genug Taucher, die durch den Reiz des Verbotenen angetrieben werden. „Die fahren gezielt von Holland nach Helgoland, bringen Geräte mit und reißen alles raus, was nicht niet- und nagelfest ist“, weiß Huber. Das ist kein Geheimnis: Die Gruppe, die Huber jetzt angezeigt hat, posiert auf Facebook und Youtube triumphierend mit ihrer Beute. Ob Sextanten, Anker oder Bullaugen: „Man kann sogar Geld damit machen.“ Huber hat die holländischen Taucher angerufen und sie mit ihrer Tat konfrontiert. „Plötzlich rudert die Gruppe zurück und tut so, als hätte sie nichts von einem Verbot gewusst.“ Das könnte auch daran liegen, dass erst vor wenigen Tagen ein englischer Taucher für das Bergen und den Verkauf von Schiffskanonen zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren verurteilt worden sei. Ein abschreckendes Beispiel, freut sich Huber.

 Der Kieler Unterwasserarchäologe hat mit seiner Anzeige einen Präzedenzfall geschaffen. „So etwas hat es bisher noch nicht gegeben.“ Er möchte die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren und wünscht sich gleichzeitig mehr Unterstützung durch die Behörden. „Diese Wracks sind Teil unserer Geschichte, und das sollte sich jeder bewusst machen.“

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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