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Studienbeginn mit 42

FH Kiel Studienbeginn mit 42

Florian Wiemers hat sich einen Traum erfüllt. Nachdem der Kieler 22 Jahre lang als Altenpfleger gearbeitet hat, studiert der 42-Jährige nun seit dem vergangenen Jahr an der Fachhochschule Kiel.

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Florian Wiemers hat 22 Jahre als Altenpfleger gearbeitet, ehe er im Herbst ein Studium im Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit begonnen hat. Zu Hause kümmert er sich auch um seine Kinder (von links) Mio (9), Cosmo (2), Joshi (8) und Telsa (4).

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Ermöglicht hat das ein Stipendium der „Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung“. Dabei hat ein Zufall dem 42-Jährigen, der verheiratet ist und vier kleine Kinder hat, den Weg an die Hochschule geebnet. Florian Wiemers ist eingebunden in die Fachhochschulinfotage (FIT) vom 4. bis 8. April. Dort informiert er über das Stipendium.

eine berufliche Zukunft hatte Florian Wiemers eigentlich klar vor Augen: Nach dem Abitur 1993 in Preetz wollte er Erzieher lernen und nach der Ausbildung Sozialpädagogik studieren. Die Erzieherschule wollte aber nicht so wie er. Sie lehnte ihn ab. Also entschloss sich der jungen Mann, eine dreijährige Ausbildung zum Altenpfleger zu machen. Das klappte und anschließend erhielt Florian Wiemers auch einen Studienplatz für Pflegemanagement an der Universität Bremen. Den Platz nahm er aber nicht an, sondern versuchte ein Fernstudium. Das wiederum brachte er nicht unter einen Hut mit der Arbeit in einem Kieler Pflegedienst, die er parallel begonnen hatte. Nach zwei Jahren „schmiss“ er dieses Studium und arbeitete ausschließlich als Altenpfleger. Beruflich ging’s bergauf. In einem Kieler Pflegedienst wurde er nach einiger Zeit Ausbilder und Experte für die Behandlung chronischer Wunden. 2009 gehörte Florian Wiemers zu den Mitbegründern des Kieler Wundsymposiums mit jährlich mehreren hundert Teilnehmern. „Das System hat angefangen, mich aufzufressen. Ich war extrem gestresst“, blickt er auf das Jahr 2012 zurück. 2006 und 2007 waren seine ersten beiden Kinder geboren, für die kaum Zeit blieb. Er dachte ans Aufhören, musste aber eine Familie ernähren. Auch der Wechsel in ein größeres Pflegeunternehmen und danach die Entscheidung, als freiberufliche Pflegekraft zu arbeiten, brachte nicht die gewünschte Flexibilität.

 Die Bekanntschaft zu einem jungen Mann sollte seinem Leben eine unerwartete Wende geben. Er begleitete den Mann, der auf einen Rollstuhl angewiesen war, zu einer Vorlesung an der Fachhochschule Kiel im Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit. „Das war inhaltlich so spannend, dass ich in den anschließenden Arbeitsgruppen mitdiskutiert habe“, erzählt Florian Wiemers. Davon habe er seiner Frau erzählt, die offensichtlich eine Chance für ihren Mann sah. Sie erkundigte sich nach der Nummer der FH-Studienberatung und gab diese ihrem Mann. Das war im Sommer 2014.

 Florian Wiesmer informierte sich, erhielt einen Beratungstermin, machte sich aber „eher mutlos“ auf den Weg. Zwei weitere Kinder waren geboren, und ein Studium schien für ihn nicht finanzierbar. Die Studienberaterin ermutigte ihn aber, sich für ein Stipendium zu bewerben, das auf Menschen wie ihn zugeschnitten ist. Was der Kieler nicht für möglich gehalten hatte, wurde Realität. Er erhielt das Stipendium und zum Wintersemester 2015/2016 auch einen Studienplatz im Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit. 2000 Bewerbungen gab es, nur 157 erhielten einen Platz. „Ich bin glücklich, dankbar und zufrieden und weiß, dass es ein unheimliches Privileg ist, noch einmal studieren zu dürfen“, sagt der 42-Jährige. Weil das Stipendium nicht reicht, hat er zwei Jobs angenommen: als studentische Hilfskraft in einer Behinderteneinrichtung und bei seinem alten Pflegedienst. Dort arbeitet er ein Wochenende im Monat. Studium, Job und Familie können er und seine Frau gut managen. Sein Ziel ist es, nach dem Studium als Sozialarbeiter mit Jugendlichen zu arbeiten. „Vorher hatte ich viel mit dem Tod zu tun. Jetzt möchte ich mich um die Jugend kümmern.“

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