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Schwedenkai Flucht über Kiel

Die europäische Flüchtlingskrise hat am Donnerstag Kiel erreicht: Mehr als 200 Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und Eritrea kamen im Laufe des Tages an den Schwedenkai und versuchten, nach Skandinavien weiterzureisen. Am Abend fuhren schließlich 180 an Bord einer Stena-Fähre in Richtung Göteborg.

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Sie konnten auf eine Weiterreise nach Schweden hoffen: Rund 200 Flüchtlinge am Donnerstag am Terminal der Stena Line.

Quelle: Sven Janssen

Kiel/Flensburg. 50 mittellosen Flüchtlingen bezahlte das Land die Tickets. Die Reederei war von dem Ansturm überrascht. Die Polizei rechnet damit, dass sich die Chance zur Weiterreise per Schiff herumspricht und erwartet auch heute zahlreiche Flüchtlinge in der Landeshauptstadt.

Bereits am Morgen saßen etwa 40 Menschen aus Syrien und Afghanistan neben ihren Rucksäcken und Plastiktüten im Terminal und warteten auf die Abfertigung. Sie waren mit einem Zug aus Hamburg gekommen und berichteten von einer schlimmen Überfahrt auf einem überfüllten Boot von der Türkei nach Griechenland. Sie seien glücklich, in Deutschland zu sein und gaben an, zu ihren Familien nach Schweden zu wollen. Die Reederei stellte spontan Bananen und Wasserflaschen zur Verfügung.

Unruhe brach aus, als gegen 13 Uhr drei Busse aus Boostedt mit 154 weiteren Flüchtlingen eintrafen. Es waren Menschen, die am Mittwoch auf dem Bahnhof in Flensburg festgesessen hatten, weil die Dänen keine Züge aus Deutschland mehr durchließen. „Die Polizeiführung hat ihnen die Zusage gemacht, am Donnerstag Schleswig-Holstein verlassen zu dürfen, wenn sie die Nacht in der Unterkunft in Boostedt verbringen“, sagte Jürgen Börner, Sprecher der Landespolizei. Dies sei eine Einzelfallentscheidung gewesen, um die Lage am Flensburger Bahnhof zu befrieden.

Unter den Flüchtlingen waren Familien mit Kleinkindern, ältere Menschen und viele junge Männer. Kieler Bürger brachten den Kindern Tüten mit Süßigkeiten. Die Polizei hatte Schwierigkeiten, den Zustrom der Flüchtlinge zu kanalisieren, weil sich herausstellte, dass einige weiter nach Finnland, Norwegen und Dänemark wollten. Erst mit der Hilfe einer Dolmetscherin gelang es, verschiedene Gruppen zu bilden. „180 Menschen, die nach Schweden wollen, haben wir mitgenommen“, sagte Stena-Sprecher Martin Wahl. Die Personen benötigten ein Ticket sowie einen Ausweis und hätten dann Anrecht auf eine Kabine. „Mit den schwedischen Behörden ist geklärt, dass sie in Göteborg empfangen und aufgenommen werden“, so Wahl. Die Menschen mit anderen Zielen reisen heute mit der Color-Line von Kiel nach Norwegen, mit der Reederei Finnlines von Travemünde nach Finnland oder werden in einen Zug nach Dänemark gesetzt.

In Kiel wollen Hunderte Flüchtlinge auf die Stena Line. Hier sehen Sie Bilder.

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Dass nun in den kommenden Tagen immer mehr Flüchtlinge die Fähren nutzen wollen, hält die Polizei für wahrscheinlich. Die Menschen hätten Handys und seien gut vernetzt. „Die Möglichkeit, mit Fähren ans Ziel zu kommen, wird schnell die Runde machen“, sagte der Polizeisprecher. Auch von Rostock nahmen Flüchtlinge die Fähre nach Schweden. CDU-Fraktionschef Daniel Günther äußerte sich kritisch zu Einzelfallentscheidungen. „Bei allem Verständnis für Flüchtlinge gibt es keinen Anspruch auf die Aufnahme in einem Wahlland“, sagte er. Deutschland und Europa könnten die Lage dauerhaft nur bewältigen, „wenn sich alle an die gemeinsamen Regeln halten“.

Der Grenzverkehr nach Dänemark kam am Donnerstag wieder ins Rollen. Zahlreiche in Flensburg festsitzende Flüchtlinge konnten ihre Reise nach Kopenhagen fortsetzen.

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Ein Artikel von
Günter Schellhase
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Über die Ostsee direkt nach Schweden: Rund 200 Flüchtlinge sind am Donnerstag mit der Fähre vom Schwedenkai in Kiel direkt nach Göteborg abgereist – und haben so Dänemark umschifft.

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