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Deutsch büffeln an der „Alten Mu“

Flüchtlinge Deutsch büffeln an der „Alten Mu“

Noch rechtzeitig vor Beginn des nächsten Schuljahres soll zumindest ein Teil der ehemaligen Muthesius-Kunsthochschule wieder genutzt werden. So will die Stadt im sogenannten Turm der „Alten Mu“ 19 Klassenräume schaffen, in denen Flüchtlinge Deutsch als Zweitsprache (Daz) lernen.

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Dieses Gebäude der ehemaligen Muthesiusschule soll für Unterrichtszwecke saniert werden.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Die entsprechende Vorlage hat der Schulausschuss zwar einstimmig beschlossen. Doch die SPD-Ratsfraktion meldete Bedenken an, will nötigenfalls in der nächsten Ratsversammlung am kommenden Donnerstag dazu einen Änderungsantrag einbringen.

 Korrekturen vor einer endgültigen Entscheidung im Rat kündigte auch Bildungsdezernentin Renate Treutel an. So hatte die städtische Immobilienwirtschaft rund 1,1 Millionen Euro für die Herrichtung der vier Geschosse im Turm der „Alten Mu“ mit insgesamt 2000 Quadratmetern für die 19 Klassen kalkuliert. Die Dezernentin favorisiert allerdings eine abgespeckte Variante, bei der nur zwei Stockwerke ausgebaut werden sollen. Nach ersten Schätzungen würde das die Ausbaukosten auf 300000 bis maximal 400000 Euro reduzieren.

 Trotz der angekündigten Eindampfung der Pläne meldete die SPD grundsätzliche Bedenken an. „Wenn in den umgebauten Räumen bis zu 400 Schüler unterrichtet werden, bedeutet dies eine extrem starke Komprimierung von Flüchtlingen an einem Ort. Das lehnen wir ab“, betonte der schulpolitische Sprecher der SPD, Peter Kokocinski. Außerdem sei es „schwer vermittelbar“, wenn viel Geld für die Herrichtung von Räumen ausgegeben werde, die in voraussichtlich zwei Jahren wieder anderen Zwecken dienten. Denn langfristig solle der Turm an der „Alten Mu“ für Wohnungen zur Verfügung stehen.

 Doch die Stadt sieht sich im Zugzwang. „Wir haben derzeit etwa 130 junge Flüchtlinge, die schulisch noch unversorgt sind. Im Prinzip müssten wir jetzt sofort acht Klassenräume zur Verfügung stellen, damit die Schulpflicht erfüllt werden kann“, gab Renate Treutel zu bedenken. Auch CDU und Grüne hielten es für unabdingbar, zügig die baulichen Voraussetzungen für die schulische Integration zu schaffen.

Zentralisierung "nicht ideal"

 Die Zentralisierung von Daz-Schülern im Turm der „Alten Mu“ fand Grünen-Fraktionschefin Lydia Rudow zwar auch nicht ideal. Andererseits spreche die Innenstadtlage des Areals sowie die dort aktiven Initiativen, deren Projekte in die Flüchtlingsarbeit einbezogen werden könnten, für die Integrationskraft des Standorts. „Die Räume dort zwei Jahre lang einfach leer stehen zu lassen, macht ja auch keinen Sinn.“

 Komplett vom Tisch sind nun aber die Pläne der Stadt, Schüler des Regionalen Berufsbildungszentrums I übergangsweise im Turm der „Alten Mu“ unterzubringen (wir berichteten). Nach monatelanger Prüfung stellte sich heraus: Der Umbau würde mit rund zwei Millionen Euro zu Buche schlagen. Trotzdem reiche der benötigte Platz nicht, auch nicht für eine Aula.

 Weiterhin unklar bleibt die Zukunft der Initiativen, die auf dem Areal alternative wie kreative Projekte vorantreiben. Wie berichtet, führt das Land als Eigentümerin der Immobilie mit der Stadt vorbereitende Gespräche zu einer Vertragsgestaltung. Angestrebt wird dabei die Untervermietung einiger Räume von der Stadt an den Verein „Alte Mu Impulswerk“ für die Dauer der schulischen Nutzung des Turms.

 Die Stadt strebt nach eigener Aussage einen entsprechenden Mietvertrag „so schnell wie möglich“ an. Doch zunächst muss die Ratsversammlung bei ihrer Sitzung am kommenden Donnerstag erst einmal darüber beschließen, wie und ob der Ausbau des Turms für den Daz-Unterricht vorangetrieben werden soll.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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