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Intensivunterricht als Weg in die Kultur

Flüchtlinge Intensivunterricht als Weg in die Kultur

Shirin kann es kaum erwarten. In ein paar Wochen wird die Zwölfjährige aus Syrien nach fast zehn Monaten intensivem Unterricht in „Deutsch als Zweitsprache“ (DAZ) eine ganz normale Schulklasse an der Kieler Theodor-Storm Grund- und Gemeinschaftsschule besuchen. Die schulische Integration ist auch eine Herausforderung für die Lehrer.

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Karte hoch für den richtigen Artikel : Radoslav, Sherzad, Marzia, Nana, Klaudiusz, Araz (vo. li.) büffeln sich an der Kieler Theodor-Storm-Schule durch die Tücken der deutschen Sprache. Nach maximal einem Jahr DAZ-Unterricht wechseln sie in die Regelklassen.

Quelle: Frank Peter

KIEL. Nach maximal einem Jahr DAZ-Unterricht mit 25 Wochenstunden sollen die Flüchtlingskinder zwar in der Lage sein, dem Unterricht zu folgen. „Aber sie können dann längst noch nicht auf Augenhöhe mitmachen“, erklärt Schulleiter Carsten Haack. Gerade in den Regelklassen zeige sich dann die wahre Integrationskraft von Schulen, die den nach wie vor nötigen Förderbedarf aus eigenen Ressourcen schultern müssten. „Wenn wir hier keine Hilfen vom Land bekommen, drohen uns viele Schüler aus Flüchtlingsfamilien aus dem Blick zu geraten.“

 Das Schulministerium verweist hingegen auf enorme Anstrengungen, um Schulen bei dieser Integration zu unterstützen. So sollen bis 2017 insgesamt 728 neue Lehrer-Planstellen geschaffen werden. Zusätzlich habe das Land seit Jahresbeginn den Stellenpool für DAZ-Lehrkräfte auf insgesamt 358 aufgestockt. Darüber hinaus regele ein Sprachförderungs- und Integrationsvertrag mit den Wohlfahrtsverbänden (Finanzvolumen: 1,5 Millionen Euro) eine Sprachförderung auch an Nachmittagen oder in den Ferien.

 Die zwölf Flüchtlingskinder in der DAZ-Klasse an der Theodor-Storm-Schule ahnen nichts von solchen Kraftakten. Sie wollen nur eins: raus aus der sprachlichen Isolation, rein in einen ganz normalen Schulalltag. Doch der Weg dorthin ist mühevoll. Aber moderne Kommunikationstechnik kann manchmal dabei helfen.

 Das Handy darf Mohamed (15) aus Syrien im DAZ-Unterricht zwar nicht benutzen, zu Hause aber schon. Dort arbeitet er noch zwei bis drei Stunden weiter, versucht nach drei Monaten Deutschunterricht mehr oder minder verzweifelt durch permanentes Abschreiben des Textes, den Inhalt seines Buches „Cephalox, die Riesenkrake“ zu begreifen. Ohne das arabisch-deutsche Übersetzungsprogramm auf seinem Handy wäre es unmöglich. Aber Mohamed gibt nicht auf. Was für ein Ziel er in seiner neuen Heimat hat, kann er nicht sagen. Er versteht die Bedeutung dieses Wortes noch nicht.

 Klassenlehrerin Donata Pellmann hilft so gut sie kann, um Sprachbrücken in die neue Kultur zu bauen. Manchmal verlassen sie dafür sogar den Klassenraum. Dann schwärmen ihre Schüler aus und kaufen ein. Mit kleinen Zetteln, auf denen die dafür nötigen Sätze stehen. „Total stolz“, seien die Schüler danach gewesen: „Weil sie spürten, dass sich Anstrengung und der Mut zum Sprechen auch lohnt.“

 Shirin hat das offenbar längst begriffen. Nach nur zehn Monaten DAZ-Unterricht kann sie es kaum abwarten, endlich in eine Regelklasse zu kommen. Später will sie unbedingt Lehrerin werden, „so wie Frau Pellmann“. Als sie das hört, lächelt die Pädagogin: „Das ist ein langer Weg. Aber wenn du es wirklich willst, schaffst du es auch.“

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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