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Markthalle: Freiwillige sollen Feuerwehr ablösen

Flüchtlinge Markthalle: Freiwillige sollen Feuerwehr ablösen

Die nächtliche Betreuung der Transitflüchtlinge in der Markthalle wird neu organisiert: Die Stadt sucht dafür dringend freiwillige Helfer. Ziel ist es, dass sich die Berufsfeuerwehr schrittweise aus der Notunterkunft zurückzieht und ihr Betreuungsmodul wieder bei anderen Notfällen einsetzen kann – etwa, wenn Menschen durch einen Brand obdachlos werden

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Vor dem Stena-Terminal drängen sich frisch angekommene Flüchtlinge und hoffen auf Tickets für die Überfahrt nach Göteborg.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Seit Mitte September kommen jeden Tag und jede Nacht Flüchtlinge in Kiel an, um von hier aus mit der Fähre weiter nach Schweden zu reisen. Mal sind es 150, mal 300, einmal waren es fast 450. Wie viele an einem Tag kommen, kann niemand vorhersagen. Zwar gibt es Flüchtlingshelfer am Hamburger Bahnhof, die nach Kiel melden, wenn ein Zug mit Flüchtlingen gen Norden fährt. Doch verlässlich sei das nicht, berichtet Kiels Sozialdezernent Gerwin Stöcken. Manchmal werden Züge mehrfach gemeldet, und manchmal überlegen es sich die Flüchtlinge anders und reisen doch lieber nach Travemünde, Rostock oder Sassnitz. Denn diese Häfen bieten im Gegensatz zu Kiel mehrere Abfahrten pro Tag, die Überfahrten sind kürzer, die Tickets billiger. Wie viele Menschen ein Nachtquartier in Kiel benötigen – das wisse man letztlich immer erst, wenn der letzte Zug um 3 Uhr nachts aus Hamburg eintreffe.

 Die Stadt ist nicht verpflichtet, diesen Menschen zu helfen, nach den Dublin-III-Richtlinen darf sie es sogar nicht, ohne die Menschen zu registrieren. Doch die Macht des Faktischen hat Dublin III überholt. Kiels Sozialdezernent betont deshalb immer wieder, dass die Stadt aus rein humanitären Gründen den Transitflüchtlingen eine Notunterkunft für eine Nacht bietet: 300 Feldbetten stehen jeden Abend in der Markthalle bereit, dazu eine warme Mahlzeit von der Küche im Städtischen Krankenhaus. Morgens gibt es Brötchen und Getränke.

 Acht professionelle Helfer von der Berufsfeuerwehr und Hilfsorganisationen betreuen die Menschen zurzeit in der Markthalle, dazu kommen vier Sicherheitsleute. Denn natürlich gibt es bei so vielen Menschen auf engstem Raum Streitereien und auch körperliche Auseinandersetzungen. Oft entzünden sie sich an Kleinigkeiten: Weil jemand das WC nicht ordentlich hinterlässt oder sich bei der Essensausgabe vordrängelt. Oder weil ein Flüchtling nicht versteht, dass eine Familie Fährtickets bekommen hat, er als Alleinreisender jedoch nicht. Oder weil jemand sein Fährticket für den nächsten Tag vermisst. In solchen Fällen muss dann auch mal die Polizei anrücken.

 Sozialdezernent Gerwin Stöcken redet auch darüber bewusst. Er will potenziellen Freiwilligen nichts vormachen: Wer sich bereit erklärt, jede Woche eine Nacht mitzuhelfen in der Markthalle, soll wissen, dass es auch schwer erträgliche Situationen geben kann. Allein das, was Flüchtlinge berichten, muss man aushalten können. Deshalb gibt es Vorbereitungsveranstaltungen für die Helfer. Und gearbeitet wird immer im Team mit Professionellen von DRK, ASB, Johannitern oder Maltesern, die „den Hut aufhaben“ und letztlich entscheiden.

 Wäre es da nicht einfacher, das Angebot von Kielern anzunehmen und die Flüchtlinge privat übernachten zu lassen? Bei der Stadt ist man zwar froh, dass 25 Bürger dies anbieten. Doch viele Flüchtlinge lehnen die private Aufnahme ab. Zu groß ist die Angst, am nächsten Tag nicht rechtzeitig am Terminal zu sein. Schließlich gibt es meist nur 100 Tickets pro Fähre. Stena gibt deshalb auch Berechtigungsscheine für Sassnitz aus. So können Flüchtlinge sicher sein, dass sie, wenn sie sich auf den Weg dorthin machen, auch tatsächlich einen Fährplatz bekommen.

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Bootshafen
Foto: Die Markthalle am Bootshafen in Kiel wurde am Freitagnachmittag unter Hochdruck von Feuerwehr und Hilfsdiensten eingerichtet.

Die Markthalle am Bootshafen in Kiel ist seit Freitag eine Notunterkunft für 300 Transitflüchtlinge. Die Stadt Kiel musste reagieren, weil der Seehafen den Ostseekai ab Sonnabend für die Abfertigung benötigt, und mietete das Gebäude zum symbolischen Preis von einem Euro über die Deutsche Immobilien AG von der Stena Holland B.V.

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