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Ostseekai nur eine kurzfristige Lösung

Flüchtlinge Ostseekai nur eine kurzfristige Lösung

Der Platz für die Erstversorgung von Flüchtlingen wird in Kiel knapp. Der kurzfristig als Notquartier eingerichtete Terminal am Ostseekai muss bereits am Freitagabend wieder geräumt werden, da am Sonnabend drei Kreuzfahrtschiffe erwartet werden. Versuche der Stadt, ein anderes Notquartier für Flüchtlinge zu finden, blieben bis Mittwochabend erfolglos.

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Flüchtlinge im Stena-Terminal: Wer keine Fähre ergattern kann, findet eine Übernachtungsmöglichkeit am Ostseekai – allerdings nur noch bis Freitag.

Quelle: Frank Peter

Kiel. „Wir sind mit verschiedenen Stellen im Gespräch. Es gibt aber noch keine Lösung“, sagte Sozialdezernent Gerwin Stöcken. Er lobte ausdrücklich die Kooperation mit dem Seehafen Kiel, der den Ostseekai schnell zur Verfügung gestellt hatte.

 „Der Seehafen hilft im Rahmen der Möglichkeiten. Seit Flüchtlinge die Fähren nach Schweden nutzen, stellen wir Räumlichkeiten, Infrastrukturen und Personal in großem Umfang zur Verfügung. Aber natürlich müssen wir als Hafenbetreiber die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber unseren Kunden erfüllen. Daher steht der Ostseekai am Sonnabend uneingeschränkt für die Abfertigung von Kreuzfahrtschiffen zur Verfügung. Wir sind mit der Stadt und den Hilfsorganisationen im Gespräch, wie es danach weitergehen kann“, sagte Seehafen-Chef Dirk Claus.

 In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hatten 228 Menschen im Ostseekai auf Feldbetten übernachtet. Zuvor war der Terminal von Berufsfeuerwehr und Hilfsorganisationen in einer „sehr engagierten“ Aktion am Dienstag vorbereitet worden, erklärte Stöcken. In den vergangenen Tagen sind nach seinen Worten 1700 Flüchtlinge nach Kiel gekommen, von denen die Mehrzahl weiter nach Norden will. „Lediglich 80 Flüchtlinge haben Interesse bekundet, hier in Kiel bleiben zu wollen“, so Stöcken. Die meisten wollen mit Fähren weiter. Die Stena Line kann diese Nachfrage nur teilweise bewältigen. „Am Mittwoch konnten wir ab Kiel 180 Flüchtlinge mitnehmen“, sagte Stena-Sprecher Martin Wahl. Auf der Trelleborg-Route ab Rostock sind es zwischen 90 und 130 Flüchtlinge pro Abfahrt.

Schwedenkai "nicht optimal"

 Viele Flüchtlinge warten deshalb bereits morgens im Terminal. „Der Schwedenkai ist als Warteplatz für Flüchtlinge nicht optimal. Die Lage dort ist nicht gut“, so Wahl. Heute wollen Seehafen und Stadt gemeinsam nach einer Lösung suchen, wo Flüchtlinge bis zu ihrer Einschiffung warten können. „Es ist unser Ziel, hier eine Unterbringungsmöglichkeit zwischen Bahnhof und Terminal zu finden“, sagte Stöcken. Bemühungen, das alte Kaufhaus von C&A oder die Markthalle zu mieten, blieben bis gestern erfolglos. Stöcken berichtete auch von Angeboten durch Vermieter, die als unseriös abgelehnt wurden. So waren der Stadt Plätze für Flüchtlinge zum Preis von 30 Euro pro Person und Nacht angeboten worden. „Da will der eine oder andere schnelles Geld machen“, kritisierte Stöcken.

 Unterdessen zeigt sich, dass die Erstaufnahmeeinrichtungen in Schleswig-Holstein überbelegt sind. In den elf Anlaufstellen (7340 Plätze) leben derzeit 9548 Flüchtlinge. Am schlimmsten ist es in Neumünster. Dort sind 4299 Asylbewerber auf nur 2000 Plätzen untergebracht. Auch im Kieler Containerdorf (750 Plätze, 830 Flüchtlinge) geht es eng zu. Für eine schnelle Entlastung soll Glückstadt sorgen. Dort öffnet Ende der Woche eine Kaserne mit 1200 Plätzen. Die Landesregierung will die Erstaufnahmekapazität im Land kurzfristig auf 15.000 Plätze erhöhen, damit Flüchtlinge wie vorgesehen sechs Wochen in den Aufnahmeeinrichtungen bleiben können. Derzeit werden sie bereits binnen zehn Tagen auf die Städte und Gemeinden verteilt.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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Nach Protesten
Foto: Die Notunterkunft Ostseekai wird vorbereitet: Feuerwehr und ASB richteten am Dienstagabend Übernachtungsplätze für 100 Menschen ein.

120 Flüchtlinge haben am Dienstag die Nacht am Kieler Hauptbahnhof verbracht – notdürftig versorgt von Privatleuten. Von Flüchtlingsinitiativen hagelte es deshalb Kritik: Stadt und Bundespolizei hätten sich aus der Verantwortung gestohlen. Die Stadt reagierte und organisierte für die nächsten Nächte eine Notunterkunft im Terminal am Ostseekai.

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