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Sie haben den Katzen ihr Herz geöffnet

Flüchtlinge als Bufdis Sie haben den Katzen ihr Herz geöffnet

Ebrahim Barzekar hat in seiner Heimat schon vielen Tieren auf der Straße geholfen, sie gefüttert und gepflegt. Seit Januar absolviert der 36-jährige Anwalt nun über den Naturschutzbund einen Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) im Tierheim Uhlenkrog. „Das macht mich glücklich“, sagt der Kurde.

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Er ist seit Anfang des Monats schon im Einsatz: Der Kurde Ebrahim Barzekar (36) aus dem Iran.

Quelle: Karina Dreyer

Kiel. Vormittags lernt Barzekar, der in der Unterkunft Schusterkrug wohnt, die deutsche Sprache. Am Nachmittag ist er dann für vier Stunden im Tierheim tätig, hilft handwerklich, bei der Gartenarbeit und im Katzenhaus. „Er ist für uns ein Mitarbeiter wie jeder andere, ist freundlich und höflich. Sein Deutsch wird von Tag zu Tag besser“, schwärmt Tierheimleiterin Elisabeth Haase. Die meisten Mitarbeiter bei ihr sind weiblich und verwöhnen ihn mit Kaffee, denn die seien vor allem von seiner Liebe zu den Katzen ganz gerührt.

 Ebrahim Barzerkar hat in seiner iranischen Heimat Jura studiert, wurde politisch verfolgt, studierte im Irak weiter und eröffnete dort eine Kanzlei. Doch auch hier konnte er nicht bleiben und floh schließlich nach Deutschland. Das Nichtstun in der Unterkunft machte ihm zu schaffen und so half ihm die Psychologin Fariba Heil ehrenamtlich, Kontakt zum Tierheim und Tierschutzverein aufzunehmen. Und die waren gleich von der Idee, ihn als Bufdi aufzunehmen, begeistert.

 Auch Davood Kozehgari, ein studierter Designer und Architekt, möchte im Tierheim den Dienst absolvieren, doch der Iraner wartet noch auf die Genehmigung der Ausländerbehörde. „Es ist schade, verschiedene Sachbearbeiter kommen dort scheinbar zu verschiedenen Ergebnissen bei der Bearbeitung der Arbeitserlaubnis. Deshalb hat es bei ihm bisher nicht geklappt“, sagt Fariba Heil. Aber das Tierheimteam wartet und freut sich schon auf seinen Einsatz.

 Denn beide Männer sind Tierschützer: Auch Kozehgari hat sich im Iran für Straßenhunde eingesetzt. „Der Islam ist nicht sehr hundefreundlich, sie gelten dort als unhygienisch und Krankheitsüberträger“, beschreibt er. Beide bewundern, wie sehr die Deutschen sich um die Natur und die Tiere kümmern. „Das würden wir uns für unsere Heimat auch wünschen, doch dort wird erst an die Menschen gedacht. Wir nutzen Tiere nur für unsere Zwecke“, beschreibt Kozehgari. Ihre Idealvorstellung ist, dass die Menschen sich als höhergestellte Lebewesen verantwortlich für Natur und Tiere fühlen und sie beschützen, sagt die Tierheimleiterin. „Eine schöne Einstellung.“

 Neun Monate dauert der Bundesfreiwilligendienst für die beiden Männer, die eine Aufenthaltsgenehmigung haben und später noch einmal studieren möchten, um in ihren Berufen auch in Deutschland arbeiten zu können. Mit ihrer Arbeit im Tierheim wollen sie sich auch bei den Deutschen bedanken und zeigen, dass sie keine Last sind. Und sie wollen zeigen, dass die meisten Flüchtlinge nicht so sind, wie es manchmal dargestellt wird. „Ich finde es toll, wie die Menschen hier in Demokratie, Ordnung und nach Regeln leben“, betont Kozehgari, der später seine Frau und sein Kind nach Deutschland holen möchte. Und für Bazekar ist ganz klar: „Nach dem Dienst hier möchte ich auf jeden Fall weiter ehrenamtlich für das Tierheim arbeiten.“

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